Karl-Friedrich Lihra meint...

Karl-Friedrich Lihra meint…

Kreatives Minden?

Wir wohnen in einer schönen Stadt. Tolle Lage, wunderschöne Häuser, nette Menschen. Gemütlich und doch nicht zu klein. Einfach lebenswert. Und das gilt es auch in diesem Jahr zu erhalten. Nein, auszubauen. Es gilt die Innenstadt mit Leben anzufüllen, Leerstände abzuschaffen, das Wesertor endlich fertig zu stellen und viele Dinge mehr.
Wenn man so auf Minden schaut, dann wundert es mich, wie wenig Kreatives hier gestaltet wird. Schauen wir einmal genau hin. Da gibt es in bester 1a Lage demnächst einen Drogeriemarkt. Da gibt es bald genau gegenüber ein Wollworth-Laden mit Billigartikeln. Und hört man einmal genau hin, dann kommt fast entschuldigend: „Minden ist nicht attraktiv für gute und hochwertige Geschäfte.“

Liebe MiKu-Leser, glauben Sie das wirklich? Oder machen es sich Verwaltung und Eigentümer zu einfach? Ist alles festgefahren? Gibt es zu wenig Menschen mit guten Ideen in unserer Stadt? Das glaube ich nicht. Ich las von einem Lübecker Medizintechnik Unternehmen, welches ein ähnliches Problem hatte. Es entstehen zurzeit viele kleine Start-ups, die dem eingesessenen Unternehmen gefährlich werden könnten. Darum schuf man einen Raum, in dem jeder Mitarbeiter seine Ideen einfach einmal ausprobieren, lernen, umsetzen und verwerfen kann. An der Wand hängt eine Totenkopf-Fahne, auf einem Regal liegt ein aufblasbarer Hai, direkt neben einem Sofa aus Holzpaletten. Wer die „Garage“ betritt, hat nicht das Gefühl auf dem Werksgelände der renommierten Firma zu sein. Es ist die Ideenschmiede. Man will die Mitarbeiter animieren kreativ zu werden.
Sechs Gedanken wurden im letzten Jahr zu „Start-ups“. Sie bekamen eine finanzielle Unterstützung, um die ersten Hürden nehmen zu können. Drei davon sind inzwischen wieder gestorben. Das sieht man aber als nicht schlimm an, denn das Ziel der Firma ist es, eine Perle zu finden, die das Geschäftsmodell voranbringt. 30 Prozent der Arbeitszeit können die Mitarbeiter in der „Garage“ verbringen. Laut Geschäftsleitung entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit ein Geschäftsplan mit positivem Ergebnis. Es rufen inzwischen schon Firmen von außerhalb an, die einen Workshop machen wollen. Es gibt in der “Garage“ regelmäßige Impulsvorträge zu verschiedenen Themen wie vernetztes Arbeiten oder Mut.

Wäre das etwas für Minden? Mut fehlt doch unserer Verwaltung, sonst würde man sich nicht mit dem kleinstmöglichen Ergebnis für das Sahnestück von Minden zufrieden geben, einem Drogeriemarkt. Auch wenn die Verwaltung von einem „Kleinkaufhaus“ spricht. „Kleinkaufhaus“, das sagt doch alles. Minden ist klein, eng und nicht würdig etwas Großes in den Stadtmauern zu beherbergen. Absoluter Quatsch. Es fehlt der Verwaltung meines Erachtens an Kreativität, an Ideen, an Mut. Und genau gegenüber Woolworth! Laut Aussage des Besitzers des Grundstücks ist Minden für gute Geschäfte unattraktiv. Die wollen nicht nach Minden. Ach ja, ist das wirklich so? Oder gibt man sich hier damit zufrieden, dass auch Woolworth Geld in die eigene Kasse spült. Es geht nicht um Minden, sondern um den eigenen Profit. Da ist es doch egal, wer da an prominentester Stelle in der Innenstadt einzieht.
Vielleicht sollten in unserer Stadtverwaltung die Mitarbeiter einmal die Möglichkeit bekommen in einer „Garage“ zu arbeiten, in einer kreativen Ideenschmiede. Damit man die nach vorn bringt, die gute Ideen haben. Damit diese Ideen ausprobiert werden können um auf Trends und Entwicklungen in der Städtelandschaft reagieren zu können. Minden ist nicht unattraktiv, Minden ist nicht hässlich. Ich bin davon überzeugt, dass es in der der Verwaltung viele Menschen mit guten Ideen gibt. Es wäre schön, wenn diese nicht gleich mit einem „geht nicht“ oder „zu teuer“ untergebügelt werden. Minden sollte nach vorne schauen. Es gibt noch viel zu tun.