Mit dem Brecheisen durch die Nacht

Mit dem Brecheisen durch die Nacht

Einbrecher machen in der dunklen Jahreszeit erneut den Mühlenkreis unsicher

Winterzeit ist nach wie vor Einbruchszeit. Trotz bundesweit sinkender Zahlen ist die Einbruchsgefahr, gerade in der dunklen Jahreszeit, noch immer vorhanden. Dreiste Einbrecher(banden) sind im Mühlenkreis unterwegs und haben sich zu Weihnachten sogar an fremden Geschenken unterm Weihnachtsbaum bedient. Die meisten Diebe wissen genau, worauf sie es abgesehen haben – und wie sie sich schnell und unbemerkt an dem Eigentum anderer bedienen.

Sinkende Einbruchszahlen
Bundesweit werden sinkende Einbruchszahlen erwartet, bereits in den vergangenen Jahren zeichnete sich ein Trend hin zu weniger Einbrüchen ab (Kriminalstatistik Polizei). Auch in Minden-Lübbecke konnte ein solcher Trend verzeichnet werden. In der Kriminalstatistischen Analyse der Polizei wird erkenntlich, dass die Fallzahlen seit 2015 gesunken sind. Wurden im Jahre 2015 noch insgesamt 721 Fälle von Wohnungseinbruchdiebstahl verzeichnet, waren es 2016 nur noch 581 gemeldete Fälle. Parallel dazu stieg die Aufklärungsquote dieser Delikte von 17,48 auf 19,42 Prozent an. Ralf Steinmeyer, Kriminalhauptkommissar und Pressesprecher der Polizei Minden-Lübbecke erklärt auf Miku-Anfrage: „Damit wurden 2016 im Mühlenkreis mehr Einbrüche aufgeklärt als im Landdurchschnitt (NRW: rund 16 Prozent). Was einen möglicherweise erneuter Rückgang der Zahlen für 2017 angeht, so sind wir vorsichtig optimistisch.“
Sicherheitskampagnen sollen dabei helfen, die Öffentlichkeit über Gefahren durch Einbrecher aufzuklären. Die Kampagne „Riegel vor! – Sicher ist sicher“ bietet Bürgern weitgehende Informationen zu präventiven Maßnahmen zum Schutz ihrer Häuser und Wohnungen. Dennoch wird weiterhin eingebrochen – allein in der Woche um die Weihnachtsfeiertage hatte es vier Einbrüche in Minden gegeben. Insgesamt sind es im Dezember 2017 nach Einbruchskartendaten der Polizei in Minden neun Einbrüche gewesen; in Porta Westfalica und Hille gab es jeweils drei, in Petershagen vier Wohnungseinbrüche. Generell werde an den Zahlen ersichtlich, dass in den Städten mehr eingebrochen werde als auf dem Land, so Ralf Seinmeyer. „Bei der Auswahl der Häuser unterscheiden die Kriminellen nicht nach Mehr- oder Einfamilienhaus oder nach Wohnung. Sie gehen nach dem Motto vor: ‚Ist jemand zu Hause oder nicht?’“.

Ralf Steinmeyer, Pressesprecher der Polizei: „Die Einbrecher gehen nach dem Motto vor: 'Ist jemand zu Hause oder nicht?'“.

Ralf Steinmeyer, Pressesprecher der Polizei: „Die Einbrecher gehen nach dem Motto vor: ‚Ist jemand zu Hause oder nicht?’“.

Kampagne „Riegel vor!“
Betrachtet man die Einbruchskarten der Polizei der vergangenen Monate wird ersichtlich, dass am häufigsten im Mindener Stadtgebiet eingebrochen wird; hier waren es seit Ende August rund 45 Fälle. In Porta Westfalica waren es im gleichen Zeitraum etwa 14 Einbrüche, Petershagen verzeichnete 13 und Hille in diesem Zeitraum sieben Einbrüche. Ralf Steinmeyer erklärt auf Miku-Anfrage, dass die gesamten Zahlen für das Jahr 2017 im Frühjahr 2018 bekannt gegeben werden würden. „Generell wird eher in den Städten als auf dem Land eingebrochen“. Kriminalhauptkommissar Lutz Kollmeyer, bei der Polizei Minden-Lübbecke im Bereich Kriminalprävention zuständig, informiert auf der Homepage der Polizei über das richtige Verhalten zur Einbruchsprävention. Dort wird für Bürger eine kostenlose Beratung und weitgehende Informationen zum Einbruchsschutz angeboten. Hierbei werden insbesondere mögliche Tatgelegenheiten betrachtet. Beliebte Angriffspunkte seien nach wie vor Eingangstüren, Balkon- und Terrassentüren, Fenster und Kellereingänge. „Gute Riegel vor Fenster und Türen führen häufig dazu, dass Täter ihre Einbrüche schon frühzeitig abbrechen. Einbrecher wollen schnell ins Haus einsteigen. Eine gute Sicherung bedeutet Verzögerung und damit ein erhöhtes Risiko für die Täter“, erklärt Kollmeyer dort. Bevorzugt werden von den Einbrechern Terrassentüren und Fenster aufgehebelt oder in Höhe des Griffes das Fenster eingeschlagen. Zur bevorzugten Beute gehören laut Kollmeyer vor allem Geld, Schmuck und Uhren. Aber auch elektronische Geräte wie Handys, Notebooks oder Tablets werden gerne entwendet. Schon grundlegende Dinge können Einbrecher aber von ihrem Vorhaben abbringen: beim Verlassen des Hauses immer die Türen abschließen, Fenster und Kellereingänge geschlossen halten und bei längerer Abwesenheit das Haus bewohnt erscheinen zu lassen. Auch ein wachsamer Nachbar kann manchmal die beste Versicherung sein. Wenn ein Verdachtsfall vorliegt, solle man nicht lange zögern, die Polizei zu verständigen. So konnten schon einige Fälle durchaufmerksame Nachbarn vereitelt werden.

Lutz Kollmeyer, Kriminalprävention der Polizei Minden-Lübbecke: „Jeder kann Opfer eines Einbruchs werden, aber jeder kann etwas dagegen tun."

Lutz Kollmeyer, Kriminalprävention der Polizei Minden-Lübbecke: „Jeder kann Opfer eines Einbruchs werden, aber jeder kann etwas dagegen tun.“

Im Einbruchsfall
Wenn es die Einbrecher doch schaffen, sich Zugang zur Wohnung oder zum Haus zu verschaffen und sich unbemerkt mit ihrer Beute davonzustehlen, liegt es bei der Polizei, nach ihnen zu fahnden. „Bei den Tätern handelt es sich überwiegend um Männer im Alter zwischen 16 und 30 Jahren. Häufig haben wir es mit Einzeltätern zu tun, die hier aus der Region stammen, also mit so genannten örtlichen Tätern. Aber auch überörtlich agierende Täter oder ganzen Gruppen suchen den Mühlenkreis heim. Diese Erkenntnisse erlangen wir durch die Festnahmen hier bei uns, aber auch durch Tatklärungen aus den benachbarten Bundesländern, wie zum Beispiel aus Niedersachsen“ , erklärt Ralf Steinmeyer weiter. Bei den Betroffenen bleibt oft Angst und Unsicherheit zurück. In solchen Fällen können Betroffene sich an den Weißen Ring in Minden wenden. Friedhelm Tegeler, Außenstellenleiter des Weißen Rings in Minden-Lübbecke, berichtet, dass Einbruchsopfer, vor allen Dingen Senioren, noch lange nach dem Einbruch mit Sorgen und Ängsten zu kämpfen haben. „Das jemand in ihren Sachen herumgewühlt hat, trifft viele tief und hinterlässt eine große Unsicherheit“, erklärt Tegeler. In solchen Fällen bietet der Weiße Ring Hilfe an, betreut psychologisch und vermittelt bei Bedarf auch fachmännische Hilfen.