Flüchtlinge helfen Flüchtlingen

Flüchtlinge helfen Flüchtlingen

Acht Mindener erhielten nach einer zweiwöchigen Qualifikation ihre Zertifikate

Flüchtlinge helfen Flüchtlingen – das ist die Idee, die hinter einem neuen Projekt steht, das jetzt mit einer kleinen Feier in den Räumen von PariSozial erfolgreich beendet wurde.Acht neue Integrationslotsen – alles Menschen mit Zuwanderungsgeschichte – haben sich in einer zweiwöchigen Ausbildung qualifizieren lassen.

Die acht Teilnehmer, zwei Frauen und sechs Männer, haben nach einer einwöchigen Basisqualifikation in der zweiten Woche in der Stadtverwaltung, im Jobcenter, beim Kirchenkreis, beim Fachwerk und im Arbeitslosenzentrum hospitiert. Begleitet wurden sie dabei auch von drei bereits aktiven Integrationsassistenten Akila Cheik Hussein, Abdul Kaleq Ahmadi und Yussuf Omeirat. Ziel war es unter anderem Sprachkompetenz zu erwerben und die Stellen kennenzulernen, wo Beratungen für Geflüchtete stattfinden, wo Anträge eingereicht und Hilfestellungen gegeben werden. Die Qualifikation ist ein Gemeinschaftsprojekt von Caritas-Verband, PariSozial, Minden für Demokratie und Vielfalt e.V. sowie der Stadt Minden.

Hilfe bei Behörden und Bescheiden

Die Integrationslotsen sollen Orientierung geben, „wo sie doch eigentlich selbst noch Orientierung gebrauchen können“, streicht Beatrix Dunker heraus. Sie wünscht sich eine weitere Vertiefung für die Teilnehmer. Zudem sehe sie Bedarf in einer Stelle, wo die Einsätze der Integrationslotsen gesteuert werden und Dolmetschereinsätze vermittelt werden können. Die Integrationslotsen sind künftig gegen eine Aufwandsentschädigung für Flüchtlinge – in erster Linie als Übersetzer – im Einsatz. Sie helfen mit ihrem neuen Erfahrungsschatz bei Behördengängen, Arztbesuchen und im Erklären von Bescheiden. 

Großes Lob für Minden

Der Erste Beigeordnete Peter Kienzle, der im Anschluss die Zertifikate überreichte, zitierte den Gründer der internationalen Hilfsorganisation „Cap Anamur“, Rupert Neudeck. Dieser war 2014 in Minden für einen Vortrag zu Gast und lobte im Anschluss in einem Interview mit dem „Deutschlandfunk“ die Situation in Minden. Neudeck (2016 gestorben) sagte: „Ich war vor ein paar Tagen in Minden und habe dort erlebt, was ich noch nie in Deutschland in so vorbildlicher Weise erlebt habe, dass dort die Asylbewerber selbst mit einbezogen werden in den Diskurs der Gemeinde und dass diese Flüchtlinge auch möglichst in privaten Quartieren, die angemietet werden, untergebracht werden, damit sie nah bei den Menschen sind. Das gibt es also in Deutschland. Das ist kein besonderer Fall, sondern das ist eine Stadt, die bewiesen hat, dass man das anders machen kann.“