Jeder Vierte streitet jährlich vor Gericht

Jeder Vierte streitet jährlich vor Gericht

„Deutschlands großer Streitatlas 2017“ präsentiert neue Zahlen für Minden-Lübbecke

„Wo die deutsche Wut wohnt“ – so lautet der Titel des Streitatlas 2017, den der Rechtsschutzversicherer Advocard jetzt veröffentlicht hat. Der Studie zufolge wird in Deutschland immer häufiger vor Gericht gestritten – auf 100 Einwohner kommen durchschnittlich 25,1 Streitfälle. Im Kreis Minden-Lübbecke liegt die Zahl bei 26,9.

„Deutschlands großer Streitatlas 2017“ ist die dritte Auflage einer großangelegten Studie, die erstmals 2013 präsentiert wurde. Die Statistik führt alle Rechtsstreitigkeiten – Nachbarschaftszwiste um Grundstücksgrenzen und nicht zurechtgestutzte Hecken, Schuldfragen nach Verkehrsunfällen, oder missglückte Pauschalreisen. Das Ergebnis der Studie: Die Deutschen streiten immer häufiger und verbissener vor Gericht, schon wegen kleinerer Vorfälle – so auch im Mühlenkreis.

Männer streiten am häufigsten

Ostwestfalen sind friedliebend. Halbwegs. Laut des Advocat-Streitatlas kommen 26,9 Streitfälle auf 100 Einwohner – das sind 5,1 Streitfälle mehr als bei der ersten Erhebung von 2014. Männer sind dabei deutlich häufiger auf Krawall gebürstet: 71,2 Prozent aller Rechtsstreitigkeiten werden von den Herren der Schöpfung ausgetragen. Dabei scheint die Midlife-Crisis zur Mid-Streit-Crisis zu entwickeln, denn mit einem Anteil von etwas mehr als 30 Prozent zanken sich die 46- bis 55-Jährigen am häufigsten. Die Streitursachen sind ganz unterschiedlicher Natur. In 39,6 Prozent aller Fälle geht es um private Angelegenheiten – wie zum Beispiel Erbstreitigkeiten, Trennungen oder Unfälle wie einen Hundebiss. Zu einem Drittel werden Verkehrsfälle vor Gericht ausgetragen. An dritter Stelle folgen arbeitsrechtliche Zwistigkeiten, dann kommen Auseinandersetzungen mit Behörden und Fälle, die sich auf Wohnen und Mieten beziehen. Um wirklich viel Geld geht es in Minden-Lübbecke eigentlich nie. Stolze 71,6 Prozent aller Fälle drehen sich um nicht mehr als vergleichsweise bescheidene 2.000 Euro. In nur 8,8 von 100 Fällen wird sich um mehr als 10.000 Euro gestritten. Umso erstaunlicher ist in diesem Zusammenhang der Blick auf die Dauer der Auseinandersetzungen: 43,6 Prozent aller Zankereien dauern länger als zwölf Monate.