Ankommen auf dem Arbeitsmarkt

Ankommen auf dem Arbeitsmarkt

Integration von Geflüchteten nach wie vor eine große Herausforderung

Die hohe Anzahl Geflüchteter, die in den vergangenen zweieinhalb Jahren zu uns nach Deutschland eingewandert sind, stellt viele Städte und Kommunen immer noch vor große Herausforderungen. Langfristiges Ziel ist, die Menschen, die dauerhaft hier bleiben werden, in die Gesellschaft zu integrieren und ihnen die Möglichkeit zu geben, für sich und ihre Familien zu sorgen. Die vielleicht wichtigste Hürde: einen Job finden. Der Kreis Minden-Lübbecke ist auf dem richtigen Weg – mehr als 500 Geflüchtete konnten bereits in ein Arbeitsverhältnis vermittelt werden.

Status quo in Zahlen
In Minden-Lübbecke leben derzeit 4.356 Asylbewerber, davon hätten 2.216 Personen ein Bleiberecht, berichtet Mirjana Lenz, Pressesprecherin des Kreises. Im Rahmen der Förderung und Integration von neu Zugewanderten nehme das Kommunale Informationszentrum (KI) eine Schnittstellenfunktion ein und begleite in Zusammenarbeit mit den zuständigen Fachbereichen der Kreisverwaltung, anderen Kommunen und externen Kooperationspartnern Flüchtlinge auf dem Weg in den Arbeitsmarkt. Das KI biete umfangreiche Informationsveranstaltungen für Geflüchtete an, unter anderem den Fachtag für Geflüchtete im Oktober dieses Jahres. Hierbei konnten sich bereits 65 Teilnehmer über Themen wie den Arbeitsmarkt informieren und Kontakte knüpfen. Das Amt proArbeit Jobcenter kümmere sich aktuell um 3.116 erwerbsfähige Geflüchtete im SGB II-Bezug (Sozialgesetzbuch Grundsicherung für Arbeitssuchende). Bis zum jetzigen Zeitpunkt habe das Amt proArbeit bereits über 500 Geflüchtete, die im Vorfeld einen Integrationssprach- und Berufssprachkurs absolviert hatten, in Arbeit vermittelt, so Lenz weiter. Auch Janine Billerbeck, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit in Herford, berichtet von Fortschritten in der Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten im Kreisgebiet. Der in Kooperation mit dem Kreis Minden-Lübbecke und dem Amt proArbeit Jobcenter eingerichtete Integration Point in Minden dient seit gut zwei Jahren als Anlaufstelle für Geflüchtete mit Aufenthaltserlaubnis. Insgesamt seien hierdurch derzeit etwa 640 Geflüchtete im Kreis in Fördermaßnahmen untergebracht, dazu zählen auch die Sprachkurse des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Des Weiteren hätten von 128 gemeldeten geflüchteten Bewerbern im Berichtsjahr 2016/2017 immerhin 25 Personen in diesem Sommer eine Ausbildung begonnen. Darüber hinaus seien 36 Anträge mit insgesamt 200 Plätzen in Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen bewilligt worden. 42 Geflüchtete befinden sich in Ausbildungen von IHK-Berufen und 24 in klassischen Einstiegsqualifizierungsmaßnahmen für Geflüchtete.

Janine Billerbeck, Pressesprecherin der Agentur für Herford: ,,Wenn alle Hand in Hand gehen, kann Integration gelingen."

Janine Billerbeck, Pressesprecherin der Agentur für Herford: ,,Wenn alle Hand in Hand gehen, kann Integration gelingen.“

Voraussetzung Spracherwerb
„Es muss betont werden, dass ausreichende Sprachkenntnisse für eine Arbeitstätigkeit von entscheidender Bedeutung sind“, erklärt Mirjana Lenz. Daher sei es unbedingt notwendig, dass die Geflüchteten zunächst einen Integrationssprachkurs und meist auch einen Berufssprachkurs absolvieren. Dieser Lernprozess zusammengenommen betrage einen Zeitraum von einem Jahr, und erst wenn diese Voraussetzungen gegeben seien, könnten die Geflüchteten auch an allen Qualifizierungs- und Förderangeboten des Jobcenters teilnehmen. Obwohl das Angebot solcher Kurse in den letzten zwei Jahren deutlich gestiegen sei, könne ein nahtloser Übergang dennoch nicht flächendeckend gewährleistet werden. „Die größte Herausforderung ist nach wie vor die Sprache“, schließt sich Janine Billerbeck an. Dies werde auch in Zukunft ein Thema bleiben, dass gemeinsam am Arbeitsmarkt bewältigt werden müsse. Attila Sepsi, Berufskoordinator bei der IHK, erklärt den Spracherwerb zu einer Grundvoraussetzung für die Integration auf dem Arbeitsmarkt. Darüber hinaus sei aber auch die Motivation der Bewerber entscheidend. Nicht in allen Kulturen sei beispielsweise ein Acht-Stunden-Arbeitstag üblich, daher müsse auch hier vermittelt werden.

Attila Sepsi, Berufskoordinator der IHK: ,,Motivation und Engagement der Geflüchteten sind sehr wichtig."

Attila Sepsi, Berufskoordinator der IHK: ,,Motivation und Engagement der Geflüchteten sind sehr wichtig.“

Anhaltende Herausforderungen
Auch Billerbeck erklärt, dass viele Geflüchtete das Konzept des deutschen Arbeitsmarktes und der dualen Bildung nicht kennen würden, man müsse erst vermitteln, warum ein Spracherwerb und dann erst die Aufnahme einer Berufsausbildung Sinn mache. Da die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten eng mit der gesamtgesellschaftlichen Integration verbunden sei, sei es ebenso wichtig mit anderen Institutionen, Behörden und engagierten Unternehmen zusammenzuarbeiten. Die IHK beispielsweise unterstütze dies durch die Anerkennung von im Ausland erworbenen Abschlüssen in IHK-Berufen, berichtet Attila Sepsi weiter. Zusätzlich habe die IHK im September eine Willkommenslotsin, Stephanie Wiedey, eingestellt, die sich um die Vermittlung von Geflüchteten in kleine und mittlere Unternehmen kümmere. Die in Minden ansässige Firma Wago beispielsweise ist Mitglied bei den Flüchtlingspartnern, auf Miku-Anfrage berichtet Tina Nolting, Pressesprecherin von Wago, dass das Unternehmen der Eingliederung von Geflüchteten sehr aufgeschlossen gegenüber stehe. Sie würden Einsatzmöglichkeiten im Unternehmen prüfen und bei Eignung betreffenden Personen ein sechswöchiges Praktikum anbieten. Des Weiteren nehme die Firma an zahlreichen Veranstaltungen zum Thema teil, es bestehe ebenfalls auch Kontakt zu der Arbeitsgruppe „MINT Integration Flüchtlinge“, um Geflüchtete mit technischem Studium oder Ausbildung zu integrieren. Leider mangele es noch an Kandidaten, da viele noch Sprachkurse abschließen und einen ausreichenden schulischen Hintergrund mitbringen müssten, erklärt Nolting. Dennoch habe Wago bereits in diesem Jahr einige Praktikumsplätze vergeben können. Eine besondere Erfolgsgeschichte hierbei: Eine Kunststoffingenieurin aus dem Iran habe nach ihrem erfolgreichen Praktikum bei Wago eine Festanstellung in der Qualitätssicherung erhalten.