Flüchtlinge, Helfer, Freunde

Flüchtlinge, Helfer, Freunde

Reihe: MiKu Ehrenamt

Abdul kommt zehn Minuten zu spät zum vereinbarten Interviewtermin. „Tut mir leid, schneller ging es nicht“, erklärt er in fließendem, fast akzentfreiem Deutsch. Er musste einem Landsmann helfen, der sich an der Hand verletzt hatte. Abdul musste ihn in die Notaufnahme bringen. Sein Freund spricht kein Deutsch. Abdul hat für ihn übersetzt.

Abdul-Rahman Saleem und Khaled Ramadan fliehen vor zwei Jahren. Abdul flieht alleine. Khaled flieht mit seinem Cousin. Abdul, 25, aus al-Anbar, Irak. Khaled, 19, aus Aleppo, Syrien. Beide brauchen etwa drei Wochen bis nach Deutschland – im Schlauchboot, im Zug, im Bus, zu Fuß. Beide sprechen kein Deutsch, als sie nach Minden kommen. Im Hope, einer ehrenamtlich betriebenen Kleiderkammer, bekommen sie Anziehsachen und Möbel. Dreimal in der Woche radeln sie in die Mindener Innenstadt, „und kommen mit den ehrenamtlichen Helfern dort in Kontakt“, wie Khaled sagt. Die Besuche werden immer länger, die Gespräche immer besser – in Zeichensprache, in gebrochenem Deutsch, dann in immer besserem Deutsch. Schnell wollen Abdul und Khaled den Ehrenamtlern nicht mehr nur zuschauen, sie wollen helfen. Die beiden packen mit an, holen die gespendete Kleidung ab, sortieren und verteilen sie. Sie bauen Sofas und Betten ab, geben sie raus, bauen sie wieder auf. Dienstags, mittwochs, donnerstags, von 13 bis 16 Uhr. Zwischendrin übersetzen sie – vom Arabischen ins Deutsche, vom Deutschen ins Arabische. Im Hope. Im Krankenhaus, im Cafè, auf Ämtern, auf der Straße. Die beiden Flüchtlinge werden zu Flüchtlingshelfern. Sie sind längst keine Kunden mehr. Wenn Abdul und Khaled zum Hope fahren, fahren sie zu Freunden. Vor 2015 konnten sich die beiden nicht vorstellen, ihre Heimat jemals zu verlassen. Jetzt wollen sie in Deutschland bleiben. Khaled lebt als Pflegekind in einer deutschen Familie. Er geht aufs Weserkolleg und will Automechaniker werden. Abdul ist studierter Geologe und sucht einen Ausbildungsplatz – und eine Wohnung. Aktuell lebt er im Containerdorf in Hille. An fünf Abenden in der Woche jobbt er in einer Mindener Bar. An drei Nachmittagen ist er weiterhin im Hope, am Rathaus 11. Helfen.

„Hope hilft“ freut sich über jeden Helfer, Paten und Spender, der den gemeinnützigen Verein unterstützen will. Bis März sitzt Hope am Rathaus 11, im kleinen Domhof. Weitere Infos gibt es online unter www.hopehilft.de!