Schulen schlagen Alarm

Schulen schlagen Alarm

Zuwanderung stellt Lehrer vor große Probleme

Die Hauptschule Todtenhausen wird auslaufend aufgelöst. Eine Initiative aus Lehrern, Eltern und Lokalpolitikern will den Ratsbeschluss nun jedoch kippen. Denn würde die Hauptschule geschlossen, müssten die übrigen Schulen weitere geflüchtete Mädchen und Jungen aufnehmen – und die Lehrer dort stoßen bereits jetzt an ihre Belastungsgrenze.

 In einem offenen Brief hat sich der Arbeitskreis der Schulleitungen um Uwe Voelzke an den Bildungsausschuss gewandt.

In einem offenen Brief hat sich der Arbeitskreis der Schulleitungen um Uwe Voelzke an den Bildungsausschuss gewandt.

In einem offenen Brief hat der Arbeitskreis der Schulleitungen in Minden den Bildungsausschuss gebeten, die Schließung der Hauptschule Todtenhausen zu überdenken. Die weiterführenden Schulen klagen über erhebliche Probleme mit der Integration zugewanderter Jugendlicher – und das Hauptschul-Aus würde die Situation verschlimmern. Die Initiative fürchtet, dass die Neuankömmlinge künftig nicht untergebracht werden können, weil schlichtweg der Platz fehlt. Bisher haben alle weiterführenden Schulen ein bis zwei Sprachförderklassen eingerichtet. Nach spätestens zwei Jahren kommen die Schüler in den „normalen“ Unterricht und werden auf häufig bereits volle Klassen verteilt. Zusätzlich müssen Schulen wie die Käthe-Kollwitz-Schule und die Freiherr-von-Vincke-Realschule zugewanderte Schüler aufnehmen, die an den Gymnasien überfordert waren. „Es besteht die Gefahr, dass die Käthe-Kollwitz und die Freiherr-von-Vincke in den nächsten ein bis zwei Jahren vollständig besetzt sein werden, sodass die Aufnahme der Kinder aus den Gymnasien sehr fraglich ist. Hier macht sich die Schließung der Hauptschule besonders negativ bemerkbar, weil die Aufnahmekapazität weiter abnimmt. Die Problematik verschärft sich dadurch von Jahr zu Jahr“, erklärt Uwe Voelzke, Leiter des Besselgymnasiums und stellvertretender Kreisvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Die Schulen fürchten den Kollaps. „Wir bitten den Bildungsausschuss zu prüfen, ob für die zugewanderten Jugendlichen in den nächsten zwei Jahren genug Platz an den Mindener Schulen vorhanden sein wird.“ Sollte der Platz nicht ausreichen, müsse der Bildungsausschuss die Schließung der Hauptschule noch einmal prüfen, denn „es darf nicht geschehen, dass die neu zugewanderten Jugendlichen die Schule wechseln müssen, aber dort nicht aufgenommen werden können“, erklärt Voelzke .

Simone Linnemöller, Lehrerin an der Käthe-Kollwitz-Realschule, will die „erheblichen Probleme nicht weiter ausblenden“.

Simone Linnemöller, Lehrerin an der Käthe-Kollwitz-Realschule, will die „erheblichen Probleme nicht weiter ausblenden“.

Für Lehrer wird es immer schwerer

Viele Lehrer an den weiterführenden Schulen beklagen gravierende Schwierigkeiten bei der Integration zugewanderter Jugendlicher. Bereits jetzt seien Belastungsgrenzen erreicht. Wird die Hauptschule geschlossen, kommen weitere zugewanderte Jugendliche auf die übrigen Schulen. Simone Linnemöller gehört dem FDP-Stadtverband und dem Mindener Bildungsausschuss an. Sie unterrichtet Deutsch, Sozialwissenschaften, Geschichte und Politik an der Käthe-Kollwitz-Realschule. Die Lehrerin spricht von „erheblichen Problemen, die nicht länger ausgeblendet werden dürfen.“ Die Schülerschaft sei extrem uneinheitlich. Für die Lehrer werde es dadurch immer komplizierter. „Wenn 50 bis 70 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund haben, auf dem Schulhof fünf bis zehn Sprachen gesprochen werden und kaum noch ein vollständiger Satz in deutscher Sprache zu hören ist, dann bedeutet das für die Lehrkräfte eine große Belastung mit entsprechenden Einschränkungen für den Unterricht“, erzählt Linnemöller aus ihrem Berufsalltag. „Wir haben einen Analphabeten und 33 Schüler mit geringen Sprachkenntnissen in zwei Sprachförderklassen, die stundenweise in den Regelunterricht integriert werden. Dazu kommen Schüler, die eigentlich mit der Realschule überfordert sind und eine Hauptschule besuchen sollten. Die Probleme werden noch verstärkt durch erheblichen Raummangel“, erklärt die Lehrerin. Unter solchen Voraussetzungen würden Kinder deutscher Eltern schnell zur Randgruppe werden. Gezielte Förderungen seien kaum mehr möglich, moniert Linnemöller. „Ein System, das Schnelle langsamer, Langsame aber nicht schneller macht, ist nicht zukunftsfähig.“ Gemeinsam mit ihren FDP-Parteikollegen plädiert sie für eine Kurskorrektur. Das Aus für die Hauptschule Todtenhausen solle rückgängig gemacht – oder zumindest aufgeschoben werden.