Ohne Dach über dem Kopf

Ohne Dach über dem Kopf

Weniger Wohnungslose in Minden-Lübbecke, dennoch steigende Zahlen in OWL

Wohnungslosigkeit hat viele Gesichter: die häufigsten Ursachen liegen im Verlust der Arbeitsstelle oder dem Zerbrechen einer Beziehung oder der Familie, aber auch Gewalt und Erkrankungen können im schlimmsten Falle zum Verlust der eigenen Wohnung führen. Das Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales in Nordrhein Westfalen hat in ihrer jüngsten Wohnungsnotfallberichterstattung die Zahlen zu Obdachlosen in Kommunen und Kreisen in NRW veröffentlicht. Mit dem Ergebnis: die Zahl der Wohnungslosen in OWL steigt stetig an. Erfreulicherweise ist die Anzahl der Obdachlosen im vergangenen Jahr in Minden-Lübbecke jedoch gesunken.

Weniger Wohnungslose in Minden
Für das Jahr 2016 wurden im Kreis Minden-Lübbecke 195 wohnungslose Personen verzeichnet. Im Vorjahr waren es noch 287 Personen ohne festen Wohnsitz. Dies bedeutet, dass rund 32 Prozent weniger Obdachlose im Kreis (92 Personen weniger) registriert worden sind als im Vorjahr. Man muss jedoch erwähnen, dass in den Jahren 2014 und davor deutlich niedrigere Zahlen an Wohnungslosen verzeichnet wurden; der deutlichste Anstieg fand im Zeitraum 2014 bis 2015 statt, in dem sich die Anzahl der wohnungslosen Menschen im Kreis mehr als verdoppelt hatte (2014: 123 Wohnungslose; 2015: 287 Wohnungslose in Minden-Lübbecke). Insgesamt kommen im Jahr 2016 auf 10.000 Einwohner sechs wohnungslose Personen. Hiervon wird ein Drittel durch die Kommunen betreut, zwei Drittel durch freie Träger der Wohnungslosenhilfe. Im gesamten Regierungsbezirk Detmold ist die Anzahl der Obdachlosen von 2096 (2015) auf 2773 (2016) angestiegen, den größten Anstieg an Wohnungslosen gab es in der Stadt Bielefeld von 1060 (2015) auf 1683 (2016) Personen.
Von den 195 Obdachlosen im Kreis Minden-Lübbecke werden 57 Personen betreut beziehungsweise sind untergebracht durch die Kommunen, 138 Personen werden betreut durch freie Träger der Wohnungslosenhilfe. Ansprechpartner für Menschen in Wohnungsnot im Kreisgebiet sei die „Fachstelle Wohin“ in der Hermannstraße in Minden, erklärt Sabine Ohnesorge, Pressesprecherin des Kreises Minden-Lübbecke, auf Miku-Anfrage. Die Fachstelle erhalte finanzielle Zuschüsse durch den Kreis und den Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Darüber hinaus gebe es noch das Rudolf-Winzer-Haus als Anlaufstelle für Menschen ohne festen Wohnsitz. Generell seien die örtlichen Sozialämter zuständig für die Übernahme von Mietkosten und -schulden sowie die Finanzierung des Lebensunterhalts für bedürftige Personen. Des Weiteren würden einzelne Kommunen über Obdachlosenunterkünfte verfügen. Die Stadt Minden besitzt beispielsweise drei solcher Einrichtungen zur vorübergehenden Unterbringung von obdachlosen Personen: Am Weserstadion, in der Bruchstraße und im Schülerweg. Diese öffentlich-rechtlichen Einrichtungen unterstehen der Aufsicht und Verwaltung des Bürgermeisters beziehungsweise der Stadt Mindens. Falls Personen von Obdachlosigkeit bedroht werden, können sie sich frühzeitig an die Stadtverwaltung Mindens wenden. Mit Hilfe der Verwaltung kann dann versucht werden, die derzeitige Wohnung zu erhalten oder rechtzeitig eine andere Wohnung zu beschaffen, sodass es gar nicht erst zu einer Wohnungslosigkeit kommt.

Ursachen und Handlungsansätze
„Die häufigsten Ursachen für Wohnungslosigkeit sind Arbeitslosigkeit und Trennung“ berichtet Sabine Ohnesorge. Ähnlich erklärt es auch die Einrichtung der Diakonie Stiftung Salem, das Rudolf-Winzer-Haus, auf seiner Website. Gründe für Wohnungslosigkeit können vielfältig sein und haben zumeist persönliche Hintergründe. Daher setzt die Arbeit des Rudolf-Winzer-Hauses bei Maßnahmen an, die die individuellen Lebenssituationen von Hilfesuchenden verbessern sollen und im besten Falle den Weg zurück in ein selbstständiges Leben in der eigenen Wohnung ermöglichen sollen. Das Rudolf-Winzer-Haus bietet ein stationäres Wohnungsangebot für alleinstehende männliche Personen, die bereit sind an der Veränderung ihrer Lebenssituation mitzuwirken. Dort erhalten sie eine Unterkunft und hauswirtschaftliche Versorgung und werden bezüglich Sozialleistungen, gesundheitlicher Versorgung und Tagesgestaltung beraten. Die betreffenden Personen werden zudem bei der Wohnungssuche und der Entwicklung beruflicher Perspektiven unterstützt. Seit 2014 bietet das Rudolf-Winzer-Haus zudem einen besonderen Leistungstyp für junge Männer an. Diese jungen Erwachsenen leben dann gemeinsam in Wohngruppen mit bis zu sechs Personen und werden unterstützt bei der Bewältigung ihres Alltags sowie bei der Wohnungssuche und der Entwicklung beruflicher Perspektiven. Seit 2009 gibt es zudem auch die Fachstelle „Wohin” im Kreis Minden-Lübbecke. Das ehemalige Modellprojekt des Landes NRW „Aufsuchende Beratung zur Vermeidung von Wohnungsnotlagen von Frauen in ihren Lebensbezügen” als regionale Beratungsstelle zur Vermeidung und Behebung von Wohnungsnotlagen ist durch den Landschaftsverband Westfalen-Lippe nach dem zwölften Gesetzbuch anerkannt. Hier werden Menschen unterstützt dabei ihre Wohnung zu erhalten und gar nicht erst wohnungslos zu werden, aber auch bereits wohnungslose Menschen erhalten hier Hilfe und Unterstützung auf dem Weg zurück zu einem geregeltem Leben und einem festen Wohnsitz.

Das Rudolf-Winzer-Haus findet sich im Schwarzen Weg 22 in 32423 Minden, Telefon: 0571 388388 911.
Die „Fachstelle Wohin“ findet sich in der Hermannstr. 4 in 32423 Minden sowie am Bartlingshof 12, Telefon: 05 71- 941 968 0. Offene Beratung: Dienstag von 14.00 – 16.00 Uhr und Donnerstag von 9.00 -11.00 Uhr.
Des Weiteren gibt es eine Anlaufstelle in Minden-Rodenbeck, Wilmersdorfer Weg 5 in 32429 Minden, Telefon: 0571 3856891. Offene Beratung für Frauen : Montag von 9.00 -10.00 Uhr.