Sicherheit durch Sichtbarkeit

Sicherheit durch Sichtbarkeit

Kinder sind in der dunklen Jahreszeit besonders gefährdet im Straßenverkehr

Sonntag wird die Zeit umgestellt. Die dunkle Jahreszeit beginnt und die Sichtverhältnisse im Straßenverkehr werden schlechter. Gerade für Erstklässler wird der Schulweg nun immer gefährlicher, denn sie sind oft erstmals im Dunkeln unterwegs. Polizei und ADAC geben Tipps, wie die Sicherheit unserer schwächsten Verkehrsteilnehmer erhöht werden kann.

Werden die Tage dunkler, wird die (Un-)Sichtbarkeit im Straßenverkehr zum Problem. „Gerade mit Beginn der herbstlichen Jahreszeit steigt für Fußgänger und Radfahrer das Risiko, nicht oder nur schlecht von Autofahrern wahrgenommen zu werden“, erklärt der Mindener Polizeihauptkommissar Thomas Bentsch. Laut der Polizei ereignen sich 27 Prozent aller Straßenverkehrsunfälle bei Dunkelheit. Fußgänger unterliegen einem dreifach höheren Unfallrisiko und bilden mit 23 Prozent die zweitgrößte Gruppe der Getöteten – nach PKW-Nutzern. Zudem würden Nachtunfälle – verglichen mit Unfällen am Tag – deutlich schwerere Folgen nach sich ziehen.

Eltern sollten mit gutem Beispiel vorangehen

Kinder sind die schwächsten Verkehrsteilnehmer und am stärksten gefährdet, sobald es dunkler wird. Die Anzahl der im Kreis Minden-Lübbecke verunglückten Kinder unter 15 Jahren hat sich 2016 im Vergleich zum Vorjahr von 99 auf 127 Personen erhöht. Das ist ein Anstieg von 28,3 Prozent. In den vergangenen zehn Jahren wurden jährlich durchschnittlich 122,7 Kinder bei Verkehrsunfällen verletzt und getötet. 18 Kinder in Minden-Lübbecke wurden im vergangenen Jahr auf ihrem Schulweg verletzt, wenn sie zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs waren. Drei Kinder wurden schwer verletzt. Seit 2013 klärt die Polizei Minden-Lübbecke über die Gefahren im Straßenverkehr bei Dunkelheit auf – das Konzept lautet „Sichtbarkeit bringt Sicherheit!“ Der Ursprung des Programms liegt in einer Verkehrsunfallserie zum Jahresende 2013, als kreisweit sechs Fußgänger in nur vier Wochen tödlich verletzt wurden. „Den sogenannten schwächeren Verkehrsteilnehmern möchten wir verdeutlichen, wie wichtig das Tragen gut sichtbarer Kleidung und die Kenntlichmachung durch Reflektoren ist“, erklärt Thomas Bentsch in einer offiziellen Mitteilung der Polizei. Auffällige und farbige sowie kontrastreiche Kleidung sollte über den ganzen Körper verteilt werden, um gut erkannt werden zu können. „Je schneller die Person gesehen wird, desto früher setzt die Reaktionszeit ein“, sagt der Polizeihauptkommissar. Erwachsene sollten dabei als gute Beispiele vorangehen. Die Polizei appelliert an die Autofahrer, vorsichtig und rücksichtsvoll zu fahren. „Die herbstliche und winterliche Jahreszeit mit Dunkelheit, Laubabfall, Regen und Schnee verlangt eine angepasste Fahrweise an die schlechteren Sicht- und Straßenverhältnisse, um Fußgänger und Radfahrer besser zu schützen.“

Besser zu erkennen durch Sicherheitswesten

Laut ADAC ist 2014 deutschlandweit alle 18 Minuten ein Kind im Straßenverkehr verletzt worden. 28.674 Kinder unter 15 Jahren verunglückten im Straßenverkehr. 71 Kinder ließen ihr Leben. Bei den Grundschülern sei die Bilanz ähnlich: 7.636 Kinder waren 2014 in Unfälle verwickelt, 14 von ihnen erlagen ihren Unfallverletzungen. „Grundschulkinder nehmen ihre Umwelt anders wahr, haben wegen ihrer Körpergröße nicht den erforderlichen Überblick und sind sich der Gefahren im Straßenverkehr oft nicht bewusst. Auch das Richtungshören ist noch nicht ausgeprägt“, erklärt Ralf Collatz von der Pressestelle des ADAC Ostwestfalen-Lippe. Kinder müssten das richtige Verhalten im Straßenverkehr erst erlernen. „Die schwächsten Verkehrsteilnehmer“ würden jede Hilfe brauchen. Die Eltern müssten ihre Sprösslinge ausführlich aufklären. Der schulische Verkehrsunterricht müsse interessant gestaltet werden. „Dann sind sich die Kinder der Gefahren bewusster“, erklärt Collatz. Der ADAC will seinen Teil leisten, um die Sicherheit der Kinder zu erhöhen. Im September wurden 760.000 leuchtend gelbe Sicherheitswesten an Erstklässler an 16.000 Grundschulen in Deutschland verteilt. „Mit Sicherheitswesten können Kinder von Autofahrern im Scheinwerferlicht bereits aus einer Entfernung von 140 Metern wahrgenommen werden, in dunkler Kleidung erst ab 25 Metern. Muss ein Auto eine Notbremsung aus 50 Kilometern die Stunde machen, beträgt der Anhalteweg etwa 28 Meter. Deswegen ist die frühe Sichtbarkeit so wichtig“, erklärt Collatz.