Altendorfs verlassen Altendorf

Altendorfs verlassen Altendorf

Investor übernimmt Mehrheit an Mindener Familienunternehmen

Die Wilhelm Altendorf GmbH ist nicht mehr in Familienhand. Der niederländische Investor Avedon Capital Partners hat die Mehrheit an dem Mindener Hersteller für Formatkreissägen erworben. Die Gründerfamilie zieht sich komplett zurück. Die Jobs der 250 Beschäftigten in Minden und China seien sicher, teilt die Geschäftsführung mit.

Der niederländische Investor Avedon Capital Partners hat sich die Mehrheit an der Wilhelm Altendorf GmbH & Co. KG gesichert. Die beiden langjährigen Geschäftsführer Jörg F. Mayer und Wolfgang Ruhnau haben sich als Gesellschafter beteiligt. Zum Kaufpreis und weiteren Details der Transaktion wollen sich Avedon und Altendorf nicht äußern. „Wir wollen und müssen wachsen, um gegen die starke Konkurrenz bestehen zu können“, erklärt Mayer die Übernahme. Der Verkauf erfolge aus einer „Position der Stärke“. Altendorf stehe wirtschaftlich gut da. Allerdings seien massive Investitionen in Vertrieb, Service und neue Produktbereiche nötig. Investitionen, die Avedon stemmen kann – im Unterschied zur Familie Altendorf. Wilfried und Tom Altendorf waren zuletzt in dritter und vierter Generation in der Geschäftsführung und im Beirat des Unternehmens aktiv. Mit einem zweistelligen Millionenbetrag will Avedon das Produktportfolio von Altendorf erweitern. Das Unternehmen soll breiter aufgestellt werden und nicht mehr nur Kreissägen für den Premiumbereich anbieten. Weitere Gelder sollen in die Digitalisierung der Produkte und in den Dienstleistungsbereich fließen. Der Investor kauft die Mehrheitsanteile. Die Gründerfamilie steigt nach 110 Jahren Firmengeschichte komplett aus. „Wilfried und Tom Altendorf konnten sich nicht vorstellen, nur noch über einen Minderheitsanteil zu verfügen. Für sie gibt es nur ein ganz oder gar nicht“, sagt Mayer. Seit mehreren Jahren bereits sei die Führungsriege des Unternehmens auf der Suche nach einem starken Investor gewesen, der weiteres Wachstum verspreche. Vor zehn Monaten hätten die Verkaufsgespräche mit Avedon begonnen. Die Niederländer sehen sich als Wachstumsinvestor, der seine Gelder gezielt in Nischenmarktführer wie Altendorf stecke. Die Kontinuität spiegle sich auch in der Zusammensetzung der Geschäftsführung wider, erwähnt Mayer, der seit etwa 15 Jahren bei Altendorf arbeitet. Gemeinsam mit Wolfgang Ruhnau beteiligt er sich als Gesellschafter. Der neue Mehrheitseigner agiert künftig im Beirat und zeigt sich zufrieden, wie Hannes Hinteregger, Partner bei Avedon, betont: „Die Altendorf-Gruppe ist ein gesundes, profitables Unternehmen und ein absoluter ‚Hidden Champion‘ mit erheblichem Wachstumspotenzial – national und international.“

Mitarbeiter sollen bleiben

Die Belegschaft wurde am Montag über die Übernahme informiert. „Die Mitarbeiter sind natürlich überrascht gewesen über den Schritt“, sagt Mayer. Trotzdem sei die Stimmung nicht schlecht. „Natürlich sind Sorgen unter den Mitarbeitern nicht von der Hand zu weisen“, räumt der Geschäftsführer ein, „aber ein Arbeitsplatzabbau steht absolut nicht zur Debatte.“ Es würden eher neue Jobs entstehen als alte verloren gehen, prognostiziert Mayer.

40 Millionen Euro Umsatz

Die Altendorf-Gruppe ist eigenen Angaben zufolge Weltmarktführer für die Herstellung von Sägen zur handwerklichen Holz-, Metall-, und Kunststoffverarbeitung. Weltweit arbeiten mehr als 250 Mitarbeiter für das Unternehmen. Die zwei Produktionsstätten befinden sich am Stammsitz in Minden und in Qinhuangdao in China. 2016 lag der Umsatz bei etwa 40 Millionen Euro. Altendorf blickt auf eine über 110-jährige Geschichte zurück. Bekanntestes Produkt ist die Formatkreissäge F 45, weltweit auch bekannt als „Die Altendorf“.