Neuer Lebensmittelladen für die Innenstadt?

Neuer Lebensmittelladen für die Innenstadt?

Mindener Kaufleute planen kleinen Nahversorger im Bereich der Bäckerstraße

Seit Kaufland dichtgemacht hat, gibt es in der Mindener Innenstadt keinen Supermarkt mehr. Die Zentrumsflucht trifft gerade Menschen ohne Auto und Senioren, die jetzt auf den Nahverkehr, Freunde oder Verwandte angewiesen sind, um sich mit Dingen des täglichen Bedarfs versorgen zu können. Dagmar und Jens-Uwe Müller wollen diese Versorgungslücke schließen.

Das Ehepaar verfolgt ehrgeizige Pläne. Sie wollen einen Lebensmittelladen in der Mindener Innenstadt eröffnen. Seit etwa einer Woche gibt es bereits Obst, Gemüse, Butter, Joghurt und Quark im Feinkosthaus der Müllers am Großen Domhof. Geht es nach den Mindener Kaufleuten, soll es nicht dabei bleiben. „Wir wollen einen Lebensmittelladen an der Bäckerstraße aufmachen und die Grundversorgung der Innenstadtbewohner sichern“, sagt Dagmar Müller. „Die Idee dazu hatten wir schon länger.“ Das Kaufland-Aus und das „Nah und Gut“-Konzept der Edeka hätten ihre Pläne weiter bestärkt. „Nah und Gut“-Märkte finden sich häufig in Innenstädten. Selbstständige Kaufleute arbeiten dabei mit der Edeka zusammen. Auf Verkaufsflächen von bis zu 600 Quadratmetern gibt es Frischwaren und mehrere Hundert Artikel des täglichen Bedarfs. Die Produkte werden je zur Hälfte von ortsnahen Lieferanten und von der Edeka-Hausmarke „Gut und günstig“ bezogen. „Das Konzept wäre ideal für uns“, sagt Jens-Uwe Müller.

Mit einem kleinen Grundsortiment wollen sie speziell die Menschen ansprechen, die nicht extra losfahren können oder wollen, um ein paar kleine Besorgungen zu erledigen.

Die Müllers haben konkrete Vorstellungen: Der neue Laden soll sich im Umkreis von etwa 250 Metern zur Bäckerstraße befinden und werktags von 8.30 Uhr bis 19 Uhr geöffnet haben, samstags von 8 bis 14 Uhr. Die Größe der ebenerdigen Verkaufsfläche soll zwischen 150 und 250 Quadratmetern liegen. Mehrere Objekte würden dafür infrage kommen, sagt Dagmar Müller. Die Bäckerstraße selber spiele keine Rolle mehr in den Plänen. Die verlangten Mieten für die teilweise leerstehenden Objekte seien schlichtweg viel zu hoch. Zwischen 17 und 25 Euro würden die Eigentümer verlangen, bei denen es sich oft um weit verstreute Erbengemeinschaften handle. Zu viel für die Lebensmittelbranche, deren Gewinnspannen sich häufig nur im einstelligen Prozentbereich bewegen würden. „Außerdem sind viele der Immobilien in der Bäckerstraße stark sanierungsbedürftig. Die Eigentümer wollen aber nicht investieren. Die Kosten belaufen sich mehrere Hunderttausend Euro und müssten von den neuen Mietern reingesteckt werden. Das ist für Privatleute wie uns nicht zu stemmen“, erzählt Jens-Uwe Müller.

Standortanalyse der Edeka

Die Müllers zeigen sich trotzdem optimistisch, denn die Edeka unterstütze ihre Pläne. Wo der Laden stehen soll, hänge nun von der Standortanalyse des Lebensmittelunternehmens ab. „Die Edeka schaut sich mehrere Objekte im Umfeld der Bäckerstraße an“, sagt Jens-Uwe Müller. Dabei gehe es nicht nur um Lage und Zustand des Gebäudes. Auch die Anlieferung muss gewährleistet sein. „Und das ist mit 40 Tonnen schweren LKW in der Innenstadt nicht so einfach.“ In zwei Wochen sollen erste Ergebnisse der Standortanalyse vorliegen. Reckt die Edeka ihren Daumen nach oben, würden sie sich sofort ans Werk machen, versichern Dagmar und Jens-Uwe Müller. „Wir würden das Geschäft gerne im Frühjahr eröffnen.“ Der Zeitpunkt der Eröffnung hänge aber auch von den nötigen Umbauten und erforderlichen Genehmigungen ab, erklären die Kaufleute.

Stadt Minden begrüßt Pläne

Die Stadt Minden werde Familie Müller bei erforderlichen Bauanträgen für Nutzungsänderungen unterstützen, erklärt Bürgermeister Michael Jäcke auf MiKu-Nachfrage. Grundsätzlich seien fast alle ebenerdigen Flächen in der Innenstadt als Einzelhandelsflächen oder Gastronomieflächen ausgewiesen, „sodass es hier wenig Probleme geben dürfte“, sagt Jäcke. „Wir begrüßen das Engagement der Familie Müller, einen Nahversorger im Zentrum zu eröffnen. Vor allem für nicht so mobile und ältere Menschen ist das sehr wichtig.“