Heringsfängermuseum in Heimsen

Heringsfängermuseum in Heimsen

Im Land der Heringsfänger

Das Museum im Petershäger Ortsteil Heimsen spinnt kein Seemannsgarn, wenn es behauptet, mitten im Heringsfängerland zu liegen. Denn der Landstrich an der mittleren Weser, nördlich von Minden, war einst die Heimat von Männern, die alljährlich in der Nordsee die Netze nach dem „Karpfen der Armut“ auswarfen.

Vom Netz ins Fass

Begonnen hatte alles mit der „Hollandgängerei“: Männer aus den ländlichen Unterschichten – Kleinstbauern, Tagelöhner und Knechte – gingen seit dem 17. Jahrhundert immer häufiger als saisonale Wanderarbeiter in die Niederlande, um sich als Torfstecher, Grasmäher oder Ziegelmacher zu verdingen. Viele heuerten auch auf den niederländischen Heringsfangschiffen an, den sogenannten „Buysen“. Der Hering war ein lukratives Geschäft, denn abgesehen vom „Stockfisch“ war er der einzige Meeresfisch, der sich damals konservieren und ins Binnenland transportieren ließ. Im Museum wird detailliert erläutert, wie in der niederländischen Flotte die Heringsverarbeitung durch das Schlachten und Salzen direkt auf den Fangschiffen revolutioniert wurde.

Die deutsche Heringsfischerei

Im späten 19. Jahrhundert gingen die Männer aus dem Heringsfängerland immer seltener in Holland an Bord. Seit der Gründung des Deutschen Reichs von 1871 arbeiteten sie stattdessen meist für deutsche Fischereigesellschaften, die man unter dem Begriff „Große Deutsche Heringsfischerei“ zusammenfasste. In den Wirtschaftswunderzeiten nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es immer schwerer, Menschen aus dem Binnenland für die Fangreisen zu gewinnen. Das Heringsfängerland wurde allmählich Geschichte.

Die Ausstellung

Das Leben zwischen Binnen und Buten wird im Heringsfängermuseum im Haupthaus und in drei Fachwerkhäusern gezeigt. Im Haupthaus wird die harte Arbeit des Heringsfangs gezeigt. Der Ablauf einer Fangreise wird in 12 Ausstellungssegmenten dargestellt. Im Heimser Haus werden die Prototypen der Trachtengebiete des Heringsfängerlandes ausgestellt. Das Meßlinger Haus zeigt Handwerke, die der Heringsfänger betrieb, wenn er an Land war.
Im Friller Haus stellen sich die Heringsfänger in ihren kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Beziehungen zu ihrer Heimat vor.

Infokasten:

Tag der Heringsfänger am 08. Oktober 2017
An diesem Tag freut sich das Museum über viele interessierte Besucher. Von 14 bis 17 Uhr kann nicht nur das Museum besucht werden, es gibt auch Kaffee und Kuchen sowie musikalische Umrahmung, sodass einem lehrreichen und zugleich unterhaltsamen Sonntagnachmittag nichts im Wege steht.