Erntedank: Bauern ziehen Bilanz

Erntedank: Bauern ziehen Bilanz

Landwirte im Mühlenkreis blicken auf bescheidene Ernte

Die Landwirte im Kreis

Minden-Lübbecke blicken in diesem Jahr auf eine bescheidene Ernte. „Dennoch sind wir Bauern hier in unserem Gebiet von wirklichen Missernten verschont geblieben“, sagt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden-Lübbecke Hermann Seeker. 
Die Erträge und Qualitäten seien unterdurchschnittlich bei niedrigen Preisen. Die Ernteergebnisse würden eine große Bandbreite aufweisen, je nach Bodenqualität und lokaler Witterung. „Sie reichen von durchschnittlich bis in einigen Fällen schlechtester Ernte seit Jahren“, erklärt Seeker. Es sei ein schwieriges Erntejahr gewesen. Immer wiederkehrende Regenfälle hätten zu Zwangspausen geführt und die Landwirte auf eine Nervenprobe gestellt. Die kurzen Trockenphasen wurden zum Dreschen genutzt und hohe Feuchtegehalte in Kauf genommen, verbunden mit hohen Trocknungskosten.
 
Gerste am stabilsten

Die Landwirte konnten eine Durchschnittsernte mit zufriedenstellenden Qualitäten einfahren. Der Raps fiel dagegen enttäuschend aus mit niedrigen Erträgen und unterdurchschnittliche Qualitäten. Bei Roggen, Triticale (Kreuzung aus Weizen und Roggen) und Hafer liegen die Ernteergebnisse unter Durchschnitt. Ebenso beim Weizen, hier führte das trockene, heiße Wetter im Juni während der Kornfüllungsphase zu sogenanntem Kümmerkorn. Die Körner sind nur halb so groß. Dann beeinträchtigte der Regen zur Erntezeit die Backeigenschaften des Brotgetreides. „Das Getreide kann vielfach nicht mehr zum Backen, sondern nur noch als Tierfutter verwendet werden, mit entsprechenden Preisabschlägen“, erklärt der Vorsitzende. Ebenfalls nicht zufriedenstellend sei die Preissituation. Während die deutsche Ernte enttäusche, treffe sie auf einen weiterhin gut versorgten globalen Getreidemarkt. „In Verbindung mit den geringeren Erntemengen und -qualitäten bei uns führt dies bei den Ackerbaubetrieben zu einer angespannten wirtschaftlichen Lage“, erläutert Seeker. Auch für die Obstbauern war es ein schwieriges Jahr. Der starke Frost Mitte April nach einem warmen März führte zu großen Schäden in der Region. Neben den Frostschäden kamen dann noch Schäden durch Hagel dazu. Die Apfelanbauer sprechen von einem katastrophalen Jahr. Die Ertragseinbußen liegen bei 70 Prozent bis hin zu Totalausfällen. 

Milchbauern atmen auf

Der Mais habe bis zum Sturmtief Sebastian sehr gut gestanden. Kräftige Windböen hätten ihn dann vielerorts jedoch abgeknickt. Die Schäden seien regional sehr unterschiedlich, die Lagebestände schwierig zu ernten. Blickt man vom Feld in den Stall, so können die Milchbauern aufatmen. Die Auszahlungspreise haben sich inzwischen erholt. Besonders die Nachfrage bei der Butter ist gestiegen. „Butterfett ist wieder in“, sagt der Vorsitzende. Allerdings seien noch längst nicht alle finanziellen Löcher gestopft. Die Milchviehhalter haben die außergewöhnlich lange Preiskrise 2015/16 noch nicht abgeschüttelt.
Dankbarkeit
zum Erntedank

Trotz alldem sei die Stimmung zum Erntedankfest von Dankbarkeit geprägt, sagt Seeker. Die Bauernfamilien konnten zwar nicht die erhoffte Ernte einfahren, „doch wir konnten alle Felder ernten und sind von gravierenden
Unwettern, Starkregen und Überschwemmungen wie in einigen Teilen Deutschlands verschont geblieben.“ (ds)