Sorge um die Marienkirche

Sorge um die Marienkirche

Kirchturm bröckelt auseinander

Egal aus welcher Richtung man nach Minden kommt – eines der ersten Dinge, das man erblickt ist der über 60 Meter hohe Turm der Marienkirche, der seit Jahrhunderten über den Dächern der Stadt thront. Doch das Mindener Wahrzeichen ist in die Jahre gekommen; an mehreren Ecken herrscht Sanierungsbedarf. Den Mängeln an der Stützmauer hat sich die Stadt angenommen, doch nun ist auch der Turm in Not. Anfang September stürzte ein sieben Kilogramm schwerer Stein in der Nacht vom Turm auf den Parkplatz – und hinterlässt große Sorgen bei der Kirchengemeinde. Denn das Geld für eine umfassende Sanierung ist nicht vorhanden, und noch ist unklar, vorher die nötige Finanzierung kommen wird.

Aus etwa 40 Metern Höhe ist Anfang September ein Stein vom Turm gefallen.

Aus etwa 40 Metern Höhe ist Anfang September ein Stein vom Turm gefallen.

1000 Jahre Geschichte

Laut dem Kirchenkreis markiert die Marienkirche mit ihrem Turm den ältesten Siedlungsort in Minden und rund 1000 Jahre kirchliches Leben. Der Baubeginn der Kirche war zwischen den Jahren 1022 und 1036, um das Jahr 1255 etwa wurde mit dem Bau des Turmes begonnen. Bereits 1483 musste der Turm saniert werden, Graf Albert von Leteln spendete hierfür damals 40 Mark und durfte im Gegenzug sein Familienwappen auf der Südseite des Turmes anbringen. Zwei Brände in den Jahren 1669 und 1696 beschädigten den Turm enorm, sodass Steinturm und Holzhaube erneuert werden mussten. „So kam der Turm zu seiner heutigen Haube, dem kleineren Turmhelm, der eigentlich gar nicht so richtig zum Rest passt“, erklärt Frieder Küppers, Pastor der St. Marienkirche, auf Miku-Anfrage. Der heutige Turm ist bis zu der Spitze mit dem Stern 67 Meter hoch.

Bis zur Turmspitze mit dem Stern sind es ungefähr 67 Meter.

Bis zur Turmspitze mit dem Stern sind es ungefähr 67 Meter.

Kirchturm bröckelt

Zuletzt wurde in den achtziger Jahren eine Dachneueindeckung an der Kirche sowie eine Turmsanierung vorgenommen, die Kosten hierfür beliefen sich damals auf über 400.000 Deutsche Mark. In den vergangenen Jahren habe die Kirchengemeinde den Sanierungsbedarf am Kirchenschiff beseitigt, doch nun bereite der Turm wieder Sorgen, so Küppers weiter. Anfang September war in der Nacht ein sieben Kilogramm schwerer Stein aus 40 Metern Höhe von Turm auf den Parkplatz gefallen. Doch bereits davor wurde der Sanierungsbedarf des Turmes ersichtlich: Im Jahr 2006 gründete sich der Kirchenbauverein St. Marien, um weitere Bausanierungen durch Spenden finanzieren zu können. Bereits zu diesem Zeitpunkt bereitete der Turm den Mitgliedern Sorge, denn Witterung und Umweltbelastungen zehrten schon da am Wahrzeichen der Stadt. Laut dem Kirchenkreis Minden bröckelte der Sandstein sichtbar ab, Dachrinnen, Blitzableiter, Bleiabdeckung und Reliefschmuck müssten erneuert werden. „Vorsichtige Schätzungen von vor fünf Jahren beliefen sich auf Sanierungskosten von etwa einer Million Euro, wenn wir die jetzigen Beschädigungen und Preissteigerungen mitrechnen, kommen wir bestimmt auf eine Summe von 1,5 Millionen Euro“, berichtet Frieder Küppers. Der Turm müsse komplett eingerüstet werden, hinzu kämen statische Herausforderungen, die mit den bescheidenen Mitteln und den vorherigen Anschaffungen aus der Vergangenheit nicht zu bewältigen wären. „Hier muss tatsächlich eine Fachfirma ran“, fasst Küppers den Zustand der Kirche zusammen. Anfang November soll ein Schadenkataster erstellt werden, dann sei klar wie hoch der Bedarf sei und ob es noch weitere Schäden gebe, die bisher nicht bekannt seien.

Frieder Küppers, Pastor der Marienkirche in Minden:„Im schlimmsten Fall müsste der Turm entfernt werden. Das wäre die letzte und traurigste Möglichkeit, die natürlich verhindert werden soll“.

Frieder Küppers, Pastor der Marienkirche in Minden:„Im schlimmsten Fall müsste der Turm entfernt werden. Das wäre die letzte und traurigste Möglichkeit, die natürlich verhindert werden soll“.

Handlungsbedarf

„Der Kirchenbauverein St. Marien ist die einzige Institution, die sich wirklich verantwortlich für den Erhalt der Kirche fühlt. Dabei ist sie doch für uns alle von Bedeutung“, sagt Frieder Küppers weiter. Land und Landeskirche hätten sich bisher nicht zuständig gefühlt, zumindest mit der Stadt Minden und dem Bürgermeister sei Anfang Oktober ein Termin geplant. Bürgermeister Michael Jäcke habe bereits Gesprächsbereitschaft zu diesem Thema signalisiert. Die Stadt Minden und die Städtischen Betriebe sanieren aktuell noch bis voraussichtlich Ende Oktober die Stützmauer der Kirche an der Marienstraße zwischen Hufschmiede und Marienwall. Auf Miku-Anfrage berichtet Susann Lewerenz, Pressesprecherin der Stadt Minden, dass in Absprache mit dem Fachbereich Stadterneuerung und Denkmalschutz bis zum 30. Oktober das Natursteinmauerwerk erneuert werde. Die Kosten für diese Maßnahme würden sich auf etwa 75.000 Euro belaufen. Mit der neuen Regierung in Düsseldorf gebe es auch die Hoffnung, dass mehr Mittel für den Denkmalschutz bereitgestellt werden, führt Küppers weiter auf. Bisher habe die deutsche Stiftung für Denkmalschutz auf Anfragen der Marienkirche immer Absagen geschickt. Generell steht die Marienkirche und der Turm unter Denkmalschutz, daher könne die Kirchengemeinde auch nicht frei sanieren. Auch auf eine Anfrage bezüglich der Förderung der Turmsanierung habe es keine Zusage des Landesdenkmalamtes und der unteren Denkmalbehörde gegeben. Daher liege momentan die Aufgabe bei den Gemeindemitgliedern, die Sanierung zu stemmen.

Aktuell wird bis Ende Oktober die Stützmauer an der Marienkirche von der Stadt Minden saniert.

Aktuell wird bis Ende Oktober die Stützmauer an der Marienkirche von der Stadt Minden saniert.

Hoffnung auf Hilfe

„Im schlimmsten Fall müsste der Turm entfernt werden. Das wäre die letzte und traurigste Möglichkeit, die natürlich verhindert werden soll“. Doch Küppers zeigt sich auch zuversichtlich, vor allen Dingen bezüglich des Termins mit dem Bürgermeister: „Jäcke hat durchblicken lassen, dass er für eine Zusammenarbeit von Kirche und Kommune stehe, und die Marienkirche mehr als nur eine ’normale‘ Kirche sei“. In der Vergangenheit hätte die Kirche aus ihren eigenen Mitteln und der Unterstützung aus öffentlichen Geldern Kindergärten eröffnet, diese Mittel würden der Kirche natürlich am anderen Ende heute fehlen. „Wir arbeiten gerne mit der Kommune zusammen, doch in diesem Fall benötigt die Kirche die Hilfe seitens der Kommune“, meint Frieder Küppers abschließend.

Die Marienkirche blickt auf gut 1000 Jahre Geschichte zurück.

Die Marienkirche blickt auf gut 1000 Jahre Geschichte zurück.