Karl-Friedrich Lihra meint...

Karl-Friedrich Lihra meint…

Obermarktpassage – eine Seifenblase?

Irgendwie hängt einem das Thema zum Hals heraus. Was habe ich selbst schon allein darüber geschrieben. Eigentlich habe ich keine Lust mehr, mich darauf einzulassen. Denn alles was dazu geschrieben wurde, ist im nächsten Augenblick schon Makulatur. Was heute gilt, ist morgen Vergangenheit. Scheinbar wie eine bunte Seifenblase schön anzusehen, aber bald schon zerplatzt. Seifenblasen sehen wirklich schön aus, lassen einen träumen, regen die Phantasie an. Aber wenn wir sie auf die Kleidung bekommen, hinterlassen sie mitunter Flecke.

Die Obermarktpassage scheint mir langsam auch so eine Seifenblase zu sein. Sie regt die Phantasie an, was man alles damit machen könnte. Wie schön könnte sie sein, wenn sich ein starker Investor finden würde. Wie sehr könnte sie den Obermarkt beleben und auch die Geschäfte in der Obermarkstraße. Wie toll wäre ein Kino dort für Minden. Und mit welchem Leben könnten diese Besucher das ganze Viertel erfüllen. Wie schön wäre es, wenn Rewe und Aldi dort wirklich im bald ehemaligen Kaufland-Markt ihre Geschäfte eröffnen würden. Der Bürgermeister müsste nicht in Rodenbeck einkaufen, wie zu lesen war. Wäre, könnte, alles Konjunktiv. Nichts Reales. Träume, Seifenblasen. Heute gedacht – morgen schon Vergangenheit, gestern.

Seifenblasen hinterlassen Flecke auf der Kleidung. Die bisherige Seifenblase Obermarktpassage hinterlässt bei mir auch Flecke. Immer wieder habe ich in meinen Kolumnen darüber geschrieben. Hoffnung gemacht, da ich diese ja selber habe. Oder gehabt habe? Ich weiß es nicht wirklich. Auf jeden Fall bekam ich in letzter Zeit dazu einige persönliche E-Mails in denen sinngemäß stand: „Herr Lihra, das ist doch alles Blödsinn, was sie da schreiben. Wir haben Ihnen geglaubt, uns Hoffnung gemacht. Und was ist passiert? Nichts! Gar nichts! Das sind doch alles nur Hirngespinste, Träume, Seifenblasen. Wachen Sie endlich auf.“ Liebe Leser, solche Mails verursachen Flecke bei mir. Die tun auch ein wenig weh. Und den Schreibern kann ich es auch nicht verdenken. Sie kommen zum Teil aus dem Quartier und haben durch meine Kolumnen zu diesem Thema die Hoffnung gehabt, es würde sich alles zum Guten wenden. Sie merken, schon wieder Konjunktiv. Würde!

Heute ist morgen schon gestern. Das bedeutet: Alles, was heute zu der Obermarktpassage berichtet und geschrieben wird, ist morgen schon Vergangenheit. Bedeutet das aber auch, dass es nicht Realität geworden ist? Zurzeit werden wieder Hoffnungen geweckt. Potenzielle Investoren sollen vor Ort gewesen sein und von dem neuen Konzept überzeugt sein. Unter den Partnern herrsche Einigkeit. Man wolle investieren, nur nicht um jeden Preis. In den nächsten Wochen stünden Verhandlungen an, zwischen dem Besitzer Cerberus und den möglichen Investoren. Man sei sehr zuversichtlich. Sollen gewesen sein, wolle investieren, stünden an. Nichts wirklich Greifbares – Seifenblasen?

Kann ich persönlich noch daran glauben? Ich weiß es nicht mehr. Ich möchte es ja. Aber wie oft sind bei diesem Projekt die Träume schon zerplatzt, wie eine Seifenblase. Aber soll ich darum die Hoffnung fahren lassen? Nach meiner Überzeugung sind die Planungen so gut, dass ich hoffe, sie werden umgesetzt werden können. Ich hoffe, dass nicht all das Gute, was angedacht worden ist, wie eine Seifenblase zerplatzt. Sie wissen doch, wenn die Kerze Hoffnung ausgeblasen wird, gibt es nichts mehr, was noch ein Licht in unsere Welt bringen kann. Darum stirbt die Hoffnung zuletzt. Ich hoffe auch, dass wir in Zukunft die Obermarktpassage erleben werden, die ich hier oftmals beschrieben habe. Ich hoffe, dass man sich über den Verkaufspreis einigen wird. Ich hoffe, dass die Instandsetzungskosten nicht so hoch werden, dass der Investor abspringt. Ich hoffe, dass das Obermarktquartier zu dem wird, was es sein könnte: ein lebens- und liebenswertes Stadtviertel mit Leben und hoher Qualität. Ich hoffe, dass das keine Seifenblase ist, sondern Realität wird. Und dass damit die Flecken wieder verschwinden. Ich werde diese Hoffnung nicht aufgeben.