Stadt zeichnet düsteres Bild

Stadt zeichnet düsteres Bild

Harte Kritik am Eigentümer der Obermarktpassage

Im MiKu vom 09. September hat sich der Mindener Projektentwickler Philipp Hausdörffer zuversichtlich gezeigt, die Obermarktpassage in Kürze mit finanzstarken Partnern erwerben und entwickeln zu können. Die Stadt gibt sich pessimistisch und spricht von „Stillstand“ in der Passage. Als Hauptschuldigen macht sie den tatenlosen Eigentümer aus.

Viele Einwohner hätten sich nach dem bestätigten Kaufland-Aus zum 30. September an die Stadt Minden gewandt, erklärt Bürgermeister Michael Jäcke. Die Stadt müsse sich stärker in die Entwicklung der Obermarktpassage einbringen, laute der Vorwurf mancher Bürger. In einem Pressegespräch wies die Verwaltungsspitze jedwede Kritik von sich. „Der Stillstand in der Obermarktpassage liegt nicht an uns. Wir haben alles getan für die Wiederbelebung“, erklären Jäcke und Bau-Beigeordneter Lars Bursian einhellig. Der Ball liege beim Eigentümer, US-Investor Cerberus. Doch der bewege sich nicht. Die Stadt habe ihren Beitrag geleistet, um das Quartier aufzuwerten: Der ZOB wurde gebaut, die Obermarktstraße neu gestaltet. Geschäfte und Restaurants sind hinzugekommen. Nur in die Obermarktpassage will niemand. In den vergangenen Jahren habe es reichlich lokale und auswärtige Projektentwickler, Konzepte und Ideen für die Obermarktpassage gegeben. Zu konkreten Verkaufsverhandlungen sei es entgegen anderslautender Gerüchte aber nie gekommen. „Und das liegt nicht an uns“, erklärt Michael Jäcke. „Wir haben potenzielle Investoren an den Eigentümer vermittelt, aber der macht nichts. Er zeigt kein Interesse, die Passage zu entwickeln oder zu verkaufen.“ Etwa zwei Drittel der Obermarktpassage liegen in den Händen von Cerberus. Der US-Investor hat die Passage im Jahr 2013 erworben, als Teil eines größeren Immobilienfonds. Die Immobilienagentur Jones Lang Lasalle (JLL) vertritt die Interessen von Cerberus gegenüber der Stadt Minden. „Gespräche mit Interessenten müssten daher von JLL geführt werden“, erklärt Susann Lewerenz, Pressesprecherin der Stadt Minden. Doch JLL macht sich genauso rar wie Cerberus. Der Einladung zur Pressekonferenz wurde nicht gefolgt. „Wir haben JLL mehrmals versucht zu erreichen, aber es kam keine Antwort“, erklärt Wirtschaftsförderin Sigrun Lohmeier. Auf MiKu-Nachfrage, warum JLL wiederholt nicht auf die Einladung reagiert habe, weicht Senior PR Manager Peter Lausmann aus: „Über künftige Pläne zu diesem Objekt kann nur Cerberus selbst Auskunft geben.“

Die Stadt Minden wirft einen skeptischen Blick in die Zukunft der Obermarktpassage. Ohne Ankermieter werde es auch für die übrigen Geschäfte schwerer. Es sei nicht auszuschließen, dass sie ebenfalls die Passage verlassen, sagt Jäcke. Für Lebensmittelmärkte sei die Immobilie zu unattraktiv. Für Eigentümer Cerberus bedeutet das Kaufland-Aus indes erhebliche Mieteinbußen. Vielleicht liege ja darin eine Chance, erklärt Jäcke, „und Cerberus entschließt sich zum Verkauf der Passage.“ (ds)