Ausbildungsstart im Minden-Lübbecke

Ausbildungsstart im Minden-Lübbecke

Zahlreiche unbesetzte Stellen im Kreis

Anfang August startete das neue Ausbildungsjahr. Und obwohl sich im Landkreis Minden-Lübbecke der Ausbildungsmarkt in den vergangenen Jahren gut entwickelt hat, stehen viele Unternehmen vor dem Problem, dass sie nicht alle Auszubildenenstellen besetzen können. Rechnerisch ist der Ausbildungsmarkt ausgeglichen – es gibt nur eine kleine Differenz zwischen den angebotenen Stellen und der Anzahl der Bewerber. Dennoch gibt es ebenfalls zahlreiche junge Menschen, die noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben und noch nach einer Alternative suchen.

Ausgeglichener Ausbildungsmarkt

Bis Ende Juli seien im Kreis Minden-Lübbecke zum Start des Ausbildungsjahres 2017/2018 insgesamt 2.426 Ausbildungsstellen gemeldet worden, berichtet Janine Billerbeck, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit in Herford. Davon seien noch 612 Stellen unbesetzt. Gleichzeitig hätten sich bis zum gleichen Zeitpunkt 2.407 Bewerber auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit gemeldet. Hiervon seien bis zum jetzigen Zeitpunkt 814 Jungen und Mädchen noch unversorgt und hätten keinen Ausbildungsplatz oder eine Alternative. Betrachte man die Zahlen von angebotenen Stellen und ausgeschriebenen Bewerbern, könne man von einem rechnerisch ausgeglichenen Ausbildungsmarkt in Minden-Lübbecke sprechen, so Billerbeck weiter. Swen Binner, Geschäftsführer Berufliche Bildung bei der IHK, erklärt, dass sich der Ausbildungsmarkt auch in den IHK-Berufen positiv entwickelt habe. Aktuell seien mehr unbesetzte Stellen im Kreis ausgeschrieben als es Bewerber gebe. Im Kreis liege aber im Vorjahresvergleich ein Minus an 2,4 Prozent der neu eingetragenen Ausbildungsverträge vor. Laut IHK-Zahlen seien demnach 1.129 neue Ausbildungsverträge eingetragen worden. Anzumerken sei aber, dass weder Betriebe noch die Jugendlichen zu einer Meldung bei Arbeitsamt verpflichtet seien. Die Unternehmen würden im Allgemeinen jedoch bis zu 98 Prozent der Ausbildungsstellen melden, da auch die Kammern ihre Betriebe dazu anhalten würden, erläutert Janine Billerbeck. Die Jugendlichen seien da wesentlich freier in ihrer Entscheidung, eine Berufsberatung in Anspruch zu nehmen und sich bei der Agentur für Arbeit zu melden. Daher würden sich die Berufsberater bemühen, so viele von ihnen wie möglich durch eine Berufsberatung, unter anderem auch an Schulen, zu fördern.

 Janine Billerbeck, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit in Herford: „Für Bewerber und Unternehmen ist es wichtig, in Hinblick auf die Zukunft über den Tellerrand zu blicken.“

Janine Billerbeck, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit in Herford: „Für Bewerber und Unternehmen ist es wichtig, in Hinblick auf die Zukunft über den Tellerrand zu blicken.“

Unversorgte Bewerber

Als unversorgt gelten junge Menschen, wenn sie bis zum 30.9. noch keine Ausbildungsalternative gefunden haben. Von den versorgten Bewerbern würden 805 Personen eine geförderte oder ungeförderte Berufsausbildung beginnen; 10,2 Prozent der gesamten Bewerber (245 Personen) hätten sich für eine weitere Schulbildung, ein Studium oder ein Praktikum entschieden. Des weiteren würden 6,9 Prozent der Bewerber (165 Personen) ohne eine Berufsausbildung in die Erwerbstätigkeit starten und weitere 1,1 Prozent (16 Personen) würden entweder in den gemeinnützigen Dienst oder in einer der Fördermaßnahmen der Agentur für Arbeit eintreten, berichtet Billerbeck. Die „beliebteste“ Alternative stelle also die Gruppe der weiteren Schulbildung dar. Für die unversorgten Bewerber sei es wichtig, sich nicht nur auf einen Beruf zu versteifen und nach weiteren Alternativen, wie zum Beispiel ähnlichen Ausbildungsberufen, zu suchen und sich gegebenenfalls auch über die Kreisgrenzen hinweg zu orientieren. Des weiteren rät Janine Billerbeck, dass die jungen Menschen, die bisher keine Ausbildung gefunden haben, sich von den Berufsberatern der Agentur für Arbeit beraten lassen sollen. Es gebe noch weitere vielfältige Fördermaßnahmen, wie die Möglichkeit eines Auslandsjahres oder eines langen Praktikums. Diese Lösungen könnten individuell gestaltet werden und zeigen den Jugendlichen oft Möglichkeiten auf, die sie bis dahin noch nicht wahrgenommen haben. Auch Swen Binner berichtet über vielfältige Orientierungsmöglichkeiten und Nachvermittlungsverfahren, in denen Bewerbern weitere Perspektiven angeboten werden würden. So gebe es oft noch die Chance, im Oktober oder November mit einer Ausbildung zu beginnen oder nachzurücken, wenn aktuelle Ausbildungsverträge noch während der Probezeit aufgehoben werden würden. Hierbei stelle das Nachholen des Berufschulstoffs die größte Herausforderung dar.

Swen Binner, Geschäftsführer Berufliche Bildung der IHK: „Das Problem, offene Ausbildungsstellen nicht besetzen zu können, steigt.“

Swen Binner, Geschäftsführer Berufliche Bildung der IHK: „Das Problem, offene Ausbildungsstellen nicht besetzen zu können, steigt.“

Offene Stellen besetzen

„Das Problem, offene Stellen nicht besetzen zu können, steigt“ erklärt Swen Binner. In einigen Branchen würden sich die Unternehmen zunehmend Sorgen um den Fachkräftenachwuchs machen. Die duale Ausbildung stelle die beste und zielgerichtetste Möglichkeit dar, diesen Fachkräftemangel zu decken. Bei den IHK-Berufen seien das Gastgewerbe, die Kunststoffverarbeitung, die Logistikerberufe und das Speditionsgewerbe massiv davon betroffen. In diesen Bereichen sollten Binners Meinung nach die von Kreis koordinierten Übergangsmaßnahmen intensiviert werden, um über Berufsfelderkundungstage etwa den Jugendlichen die vielfältigen und hervorragenden Perspektiven dieser Berufsbilder zu vermitteln. Auch Janine Billerbeck berichtet, dass in den Bereichen Verkauf, Lebens- und Genussmittelherstellung, Lagerwirtschaft, Post- und Güterumschlag sowie in der Fahrzeugführung und im Tiefbau noch zahlreiche Stellen unbesetzt seien. Daran, dass es zu wenig Bewerber gebe, hätte dies nicht gelegen. Oft seien Passungsprobleme der Auslöser, dass eine Stelle unbesetzt bleibe. Entweder würden die Bewerber nicht die Anforderungen des Betriebs erfüllen oder sie hätten einen anderen Berufswunsch und würden sich einfach nicht auf freie Stellen bewerben. „Für die Unternehmen ist nun vor allem wichtig, in die Ausbildung zu investieren, auch wenn das mal bedeutet, nicht den idealen Bewerber einzustellen“, erläutert Billerbeck. Die Agentur für Arbeit empfehle den Unternehmen, nicht nur auf die Noten der Bewerber zu schauen, sondern die Person erstmal zum Gespräch einzuladen und kennen zu lernen. Bei schlechten Noten oder anderen Defiziten könne die Agentur für Arbeit vielseitige Unterstützung leisten. „Nur sowas wie Motivation können wir den Bewerbern nicht antrainieren“, so Billerbeck abschließend.