Fehlt uns der Respekt?

Fehlt uns der Respekt?

Lihra meint…

Diese Frage habe ich mir gestellt, als ich mich mit der Stadt Minden beschäftigt habe. Als ich mir die Infos durch den Kopf gehen ließ, die ich in der letzten Zeit bekam. Eigentlich ist Minden eine wunderbare Stadt.

Toll, in einer wunderbaren Landschaft gelegen, voller Historie, mit netten Menschen. Und trotzdem schwillt einem der Kamm, wenn man daran denkt, was in letzter Zeit alles so vorgefallen ist. Fehlt mir der Respekt? Bin ich undankbar?

Jeden Tag könnte ich eine neue Schlagzeile schreiben. So hörte ich, Originalton: Das sind schon fast kriminelle Methoden, wie die Verwaltung mit den Teileigentümern im Rathaus umgeht. Fehlt uns der Respekt? Sind wir undankbar? Sollten wir nicht eher dankbar sein, dass wir ein neues Geschäftshaus am Scharn bekommen, mit eventuell einem zusätzlichen Drogeriemarkt? Der fehlt uns doch in der besten Lage! Wo bleibt da unser Respekt vor der Leistung der Verwaltung? Was ist überhaupt Respekt? Lilly Becker klärte das in einer Fernsehshow auf. Bei „Global Gladiators“, einer dieser Shows, der man problemlos auch ohne Abitur folgen kann, sagte Oliver Pocher mit einem fiesen Grinsen: „Wäre Lilly Becker nicht mit Boris Becker verheiratet, würde man sich einen Scheißdreck für sie interessieren“. Sie stellte das klar: „Ich bin mit einem der besten Sportler in Deutschland verheiratet. Also hab bitte ein bisschen Respekt vor mir.“

Warum hat Pocher keinen Respekt? Hält er es für keine Leistung, wenn Lilly den Becker ehelicht? Warum haben wir keinen Respekt vor der Mindener Verwaltung? Halten wir es für keine Leistung ein solches Geschäftshaus in bester Lage am Scharn zu erstellen? Warum sind wir undankbar gegenüber manchem Geschäftsmann? Halten wir es für keine Leistung, im Sahnestück der Innenstadt einen Woolworth – Markt zu integrieren und nichts anderes? Brauchen wir solch einen Plünnenladen nicht doch, genau gegenüber einem zusätzlichen Drogeriemarkt? Sind die Geschäftsinhaber am Weser Tor undankbar, wenn sie darüber meckern, dass diese Baustelle nicht wirklich weitergeht? Dass dort rotweiße Barrieren aufgebaut sind, der Brunnen nicht fertig wird, dass die Besucher der Eisdiele mitten in der Baustelle sitzen müssen? Ist es denn eine Unverfrorenheit, wenn ein darunter leidender Geschäftsmann der Stadt anbietet, auf eigene Kosten die Baustelle dort fertig stellen zu lassen, damit es vorwärts geht? Und die Verwaltung dieses ablehnt? Fehlt uns der Respekt vor diesen Leistungen? Sind wir Mindener undankbar?

Franz Beckenbauer würde jetzt wahrscheinlich nicken. Aber er kann sich trösten, denn scharenweise hat unser letzter Kaiser auch in diesen herben Zeiten noch treue Untertanen. Selbst wenn er Dinge sagt wie „Jo mei, ich hab halt alles unterschrieben“, rufen sie eisern: Der Franz, der darf das, der Franz ist der Franz.

Aber ist Minden noch unser Minden? Ist die Verwaltung noch unsere Verwaltung? Die Frage bricht uns das Herz. Wir wären so gerne dankbar. Wir würden so gerne Respekt zeigen.