Grundschüler können nicht schwimmen

Grundschüler können nicht schwimmen

Stadt, Schulen und Schwimmbäder kooperieren bei Schwimmförderung

Im Sommer zieht es Kinder in die Freibäder und an die Badeseen. Richtig schwimmen aber können nur wenige. Der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) zufolge können fast 60 Prozent der sechs- bis zehnjährigen Kinder nicht sicher schwimmen. Das Mindener Sportbüro, heimische Bäder und Schulen stellen sich dem Problem.

2.000 Personen wurden für die Umfrage im Auftrag der DLRG zu ihren Schwimmfähigkeiten befragt. Das Ergebnis: Nur 40 Prozent der Grundschüler besitzen das Jugendschwimmabzeichen in Bronze. Sie können mindestens 200 Meter in 15 Minuten schwimmen. 77 Prozent haben das Seepferdchen in der Tasche. Sie können sich auf einer Strecke von 25 Metern über Wasser halten. „Das Seepferdchen reicht nicht aus, um als sicherer Schwimmer zu gelten. Es handelt sich dabei nur um eine Wassergewöhnung“, erklärt Achim Haag, Vizepräsident der DLRG. Auf die Frage „Wo haben die Kinder schwimmen gelernt?“ hätten nur 27 Prozent der Eltern „In der Schule“ gesagt. Haag nimmt daher speziell die Grundschulen in die Pflicht. Trotz gesetzlichen Auftrags falle der Schwimmunterricht an vielen Schulen weg, weil sich keine Schwimmbäder in der Nähe befinden würden. „Geht das so weiter, wird Deutschland zu einem Land der Nichtschwimmer“, warnt Haag.

Stadt unterstützt Grundschulen

Schwimmbäder findet man reichlich im Mühlenkreis. Allein in Minden gibt es das Sommerbad, das Fritz-Homann-Bad und das Melittabad. Trotzdem gebe es auch hier viele Grundschulkinder, die nicht schwimmen können, sagt Annette Amann vom Sportbüro der Stadt Minden. „Wir haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Maßnahmen zur Schwimmförderung in Minden initiiert. Seit 2009 arbeiten hier der Stadtsportverband Minden, das Sportbüro und die elf Mindener Grundschulen zusammen.“ Konkret heißt das: Die Schulen bekommen von der Stadt eine zusätzliche Fachkraft zugeteilt, die sich in den Schwimmstunden gezielt um die Nichtschwimmer kümmert. Angesichts immer mehr Nichtschwimmer „eine nicht wegzudenkende Maßnahme“, erklärt Amann. Aktuell würden im Melittabad drei zweiwöchige Ferienschwimmkurse stattfinden, in Kooperation mit der DLRG. Angesprochen würden Schüler der dritten bis sechsten Klassen. Das bestätigt auch Mark Stankowitz, Betriebsleiter und Schwimmmeister im Melittabad: „Die Kurse sind ganz wichtig für die Kinder. Häufig melden auch die Eltern die Kinder an“. Auch die Mitarbeiter des Melittabads bemerken, dass immer weniger Kinder sicher schwimmen können. „Die Schulklassen zum Beispiel halten sich häufiger im Nichtschwimmerbecken auf.“ Zu Unfällen sei es in den vorigen Jahren aber glücklicherweise nicht gekommen. „Unsere Mitarbeiter passen gut auf. Außerdem verteilen wir Schwimmflügel an alle, die sich im Wasser nicht sicher fortbewegen können“, sagt Stankowitz.

Domschule belohnt gute Schwimmer

Marita Stein-Willemsen, Schulleiterin der Domschule in Minden, sieht auch die Eltern in der Verantwortung, ihren Kindern das Schwimmen beizubringen. „Am besten wäre es, wenn die Eltern es ihren Kindern vor der Einschulung schon beibringen. Zumindest das Seepferdchen sollte dann abgeschlossen sein“, sagt sie. In der Domschule würde dokumentiert werden, welche Kinder am Schulschwimmunterricht teilgenommen haben und welche nicht. So behalte die Schule die Übersicht. „Die Eltern der Schüler, die noch nicht schwimmen können, werden von uns direkt angeschrieben und auf die nächsten Kurse aufmerksam gemacht“, erklärt Stein-Willemsen. An allen NRW-Grundschulen ist der Schwimmunterricht verbindlich. In welchem Schuljahr er absolviert werden muss, entscheiden die Schulen. Die Domschüler lernen in der dritten Klasse zu schwimmen. Einmal in der Woche geht es für eine Doppelstunde ins Melittabad. „Vier Lehrkräfte begleiten dabei zwei Schulklassen, die gleichzeitig Unterricht bekommen“, sagt die Schulleiterin. Die Kinder können das Schwimmabzeichen in Bronze, Silber und Gold erlangen. Um auch die Schwimmfauleren unter ihnen zu erreichen, gibt es an der Domschule seit diesem Jahr einen besonderen Anreiz: Auf dem Halbjahreszeugnis der vierten Klasse werden alle erbrachten Schwimmleistungen vermerkt. „Dann geben sich die Schüler vielleicht mehr Mühe im Schwimmunterricht“, erhofft sich Marita Stein-Willemsen dadurch einen Motivationsschub für die Kinder.