Motorjacht explodiert im Hahler Hafen

Motorjacht explodiert im Hahler Hafen

Waren die Batterien des Hybridbootes der Auslöser?

Im Hahler Hafen ist am Dienstagabend eine Motorjacht explodiert. 15 Feuerwehrmänner und ein Polizist wurden zum Teil schwer verletzt. Die Explosionsursache ist unklar. Bei der Jacht handelt es sich um ein batteriebetriebenes Hybridboot, eine Greenline 33. Das gleiche Modell ist vor etwa fünf Jahren in Mecklenburg-Vorpommern explodiert. Damals war die Batterie schuld.

„Ich habe so etwas in meinen 36 Berufsjahren noch nicht erlebt“, gestand Heino Nordmeyer, Leiter der Mindener Feuerwehr, auf der Pressekonferenz zur Jachtexplosion im Hahler Sportboothafen MYC Minden. Am späten Dienstagabend um 22.23 Uhr ging eine Meldung bei der Leitstelle der Mindener Feuerwehr ein: Von der Motorjacht „Gina“ im Hahler Hafen steigt Rauch auf. Prompt rückten die freiwilligen Feuerwehren Hahlen, Kutenhausen, Stemmer und die Mindener Berufsfeuerwehr zum Einsatzort am Mittellandkanal aus. „Als wir eintrafen, stieg weißer Rauch im vorderen Teil des Bootes auf. Es waren aber kein Feuer und kein Brand zu sehen. Das hat uns sehr gewundert“, sagte Nordmeyer. Zwei Kameraden der Löschgruppe Hahlen erkundeten das Boot, wollten herausfinden, was es mit dem Rauch auf sich hat. Ein weiterer Kollege beobachtete die Szene vom Uferrand aus. Die beiden auf der Jacht forderten eine Wärmekamera an, um zu sehen, ob noch mehr Personen an Bord waren. „Plötzlich aber verfärbte sich der Rauch schwarz“, erzählte Nordmeyer, „und dann knallte es.“ Das Schiff explodierte. Ohne Vorwarnung. Den Feuerwehrmännern blieb keine Zeit zu reagieren. Die Druckwelle katapultierte die Männer von der Jacht. Trümmerteile schleuderten bis zu 30 Meter in die Luft, begruben einen Feuerwehrmann und drückten sein Gesicht ins Kanalwasser. Zwei Kollegen sprangen ins kalte Kanalwasser, zogen ihren verletzten Kameraden wieder an Land und retteten sein Leben. Zwei weitere Männer wurden schwer verletzt. Zwölf weitere Feuerwehrleute und ein Wasserschutzpolizist kamen mit leichten Verletzungen davon. Die drei Schwerverletzten liegen auf der Intensivstation des Johannes Wesling Klinikums, sagte der leitende Notarzt Dr. Gunter Veit. Sie erlitten Knochenbrüche und Gesichtsverletzungen. Lebensgefahr besteht bei keinem mehr. Vier Leichtverletzte wurden auf die Krankenhäuser Minden und Lübbecke verteilt. Viele Feuerwehrleute standen unter Schock. Sie wurden noch vor Ort psychisch betreut. „Ich habe dann weitere Einsatzkräfte der freiwilligen Feuerwehr angefordert, die die Kollegen ersetzt haben“, erklärte Nordmeyer. Der Einsatzleiter zeigte sich betroffen – gleichzeitig aber auch erleichtert, dass nichts Schlimmeres passiert ist: „Es grenzt an ein Wunder, dass alle Beteiligten diesen Einsatz überlebt haben.“

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Sind die Batterien explodiert?

Warum die Jacht plötzlich explodierte, ist den Experten weiter unklar. „Der Entstehungsbrand war nicht größer als eine Plastikkiste“, erklärte Nordmeyer. Von der eigentlichen Jacht ist nur noch der Rumpf übrig. Auch das erschwert die Ermittlungen für die zuständige Wasserschutzpolizei Duisburg.

Die Beamten können nicht ausschließen, dass die Batterien des Hybridschiffs Schuld an der Explosion waren. Wie die Wasserschutzpolizei dem MiKu inzwischen bestätigte, handelt es sich bei der zerstörten Jacht um eine Greenline 33, ein Hybridboot des slowenischen Bootsbauers Seaway. Bereits 2012 ist ein solches Modell im mecklenburgischen Waren an der Müritz in Flammen aufgegangen: Die Ursache war eine explodierte Batterie, wie sich später herausstellen sollte. Die Greenline 33 kann sowohl mit Strom als auch mit Kraftstoff gefahren werden. Bei höheren Geschwindigkeiten wird der Diesel eingesetzt. Im Elektrobetrieb kann die Greenline 33 laut Hersteller eine Geschwindigkeit von bis zu sechs Knoten erreichen. Der elektrische Antriebsmotor braucht eine Spannung von 48 Volt und wird über eine Lithium-Polymer-Batteriebank mit 240 Amperestunde (AH) aufgeladen. Lithium-Polymer-Akkus (LiPo-Akkus) werden auch in Mobiltelefonen und Notebooks eingesetzt. LiPo-Akkus sind leistungsfähig, können sich aber relativ schnell entzünden, wenn sie defekt sind, überhitzen oder falsch geladen werden. In solchen Fällen können sich die Akkus aufblähen, zu brennen beginnen oder sogar explodieren.