Leichte Erholung für die Landwirtschaft

Leichte Erholung für die Landwirtschaft

Positive Entwicklungen, aber auch neue Sorgen für Bauern in Minden-Lübbecke

Der Sommer ist endlich angekommen, und die ersten Erntemaschinen rollen bereits über die Felder, um Gerste und Weizen zu ernten. Das Wetter machte auch in diesem Jahr vielen Landwirten zu schaffen, und auch die neue Düngeverordnung verursacht Bedenken. Doch daneben gibt es auch zahlreiche positive Entwicklungen, die nach den vergangenen Jahren den Landwirten im Landkreis Minden-Lübbecke Hoffnung auf Erholung machen.

Die Sorgen der vorherigen Jahre

Es liegen ein paar trockene Jahre hinter den Landwirten in Minden-Lübbecke. Aber nicht nur das Wetter machte den Landwirten in der Region zu schaffen, auch anhaltend niedrige Preise für Milch und Fleisch bereiteten den Bauern große Sorgen. ,,Glücklicherweise haben wir momentan zufriedenstellende Preise für Milch und Fleisch. Der Milchpreis hat angezogen, doch eine weitere Steigerung um drei bis fünf Cent wäre wünschenswert. Der Absatz ist flott, sodass der Markt das hergeben sollte“, berichtet Hermann Seeker, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden-Lübbecke. „Die Erlöse von Ferkeln und Mastschweinen sind zufriedenstellend. In den letzten Jahren waren die Preise im Keller, sodass diese ‚Dellen‘ erstmal wieder einzuholen sind“, erklärt Seeker weiter. Dem schließt sich auch Werner Weingarz, Geschäftsführer von der Landwirtschaftskammer NRW, an: „Seit Beginn des Wirtschaftsjahres 2017 setzte eine Preiserhöhung für Vieh, Fleisch und Milch ein. Nach zwei Jahren deutlichen Einkommensverlustes sind nun wieder leichte Zuwächse zu verspüren.“ Doch im Milchviehsektor gebe es einerseits sich erholende Märkte, aber andererseits auch noch nicht unerhebliche Mengen eingelagerter Milchprodukte, die auf den Markt gebracht würden. Angesichts der steigenden Milchpreise werde auch eine merklich höhere Milchanlieferung erwartet. „Dies könnte den Markt wieder belasten, man muss abwarten ob die Nachfrage Schritt hält und das Milchpreisniveau zu einer finanziellen Entspannung beiträgt“, erläutert Weingarz auf MiKu-Anfrage.

Bei Milch und Fleisch gibt es endlich wieder höhere Preise.

Bei Milch und Fleisch gibt es endlich wieder höhere Preise.

Große Trockenheit

Und auch in diesem Jahr hat das Wetter den Landwirten nicht immer positiv mitgespielt. Das Frühjahr sei sehr trocken gewesen, sagt Hermann Seeker. 
Besonders das Getreide habe sehr darunter gelitten, sodass mit Ertragseinbußen zu rechnen sei. Besonders bei der Gerste seien die Erträge nicht zufriedenstellend, die preisliche Situation sei aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar. Voraussichtlich sei mit einer Steigerung von fünf bis zehn Prozent zu rechnen, so Seeker weiter. Dies bestätigt auch Werner Weingarz: „Insbesondere im Ackerbau sind anhand der bisherigen Preisentwicklungen bei Getriede und Silomais Umsatzabnahmen zu erwarten“. Die Preis- und Ertragsentwicklung bei Hackfrüchten, also bei Kulturpflanzen, die während des Wachstums mehrmaliges Bearbeiten des Bodens benötigen, würden zu Erlöszuwächsen führen, sodass für diese Betriebe ein leicht verbessertes Ergebnis zu erwarten sei. Auch der Frost im Frühjahr habe Schäden hinterlassen. Hermann Seeker erläutert, dass vor allen Dingen die Obstbauern an den Hanglagen im Wiehengebirge Einbußen erlitten hätten. „Das war dann auch nichts mehr zu retten. Was weg ist, ist weg“.

Hermann Seeker, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kriesverbandes: ,,Es wäre wünschenswert, dass mehr regionale Lebensmittel gekäuft würden."

Hermann Seeker, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kriesverbandes: ,,Es wäre wünschenswert, dass mehr regionale Lebensmittel gekäuft würden.“

Strengere Auflagen für Landwirte

Hermann Seeker erklärt außerdem, dass es trotz positiver Entwicklungen im Preissektor auch noch andere Dinge gebe, die den Landwirten Kopfzerbrechen bereiten würden. Seit diesem Jahr hätten die Landwirte die neue Düngeverordnung „vor der Brust“. Das bedeute, dass von nun an Landwirte vor dem Ausbringen von Dung und Dünger auf der Erntefläche erst eine Düngeplanung für das nächste Jahr erstellen müssen. „Dies benötigt erstmal viel Dokumentation und Berechnung; bei solchen strengen Vorgaben ist es schwierig weiterhin Top-Erträge zu erzielen“, so Seeker weiter. Die „stringente Begrenzung“ der Düngeverordnung werde von der Landwirtschaftskammer kontrolliert und führe immer noch bei den Landwirten zu Bedenken, denn vieles, was in der Planung berücksichtigt werden müsse, zum Beispiel das Wetter, sei oft nicht im Voraus absehbar. Daher sei auch die Beratung und Information der Landwirte durch die Landwirtschaftskammer und den Kreisverband unerlässlich. Zu einer geplanten Informationsveranstaltung seien im Zuge dessen über 200 Landwirte aus der Region erschienen.

Prognose für die Zukunft

Unterm Strich sehe die Bilanz bis dato durchwachsen aus, erklärt Seeker. Die positive Preissituation bei Fleisch und Milch lasse hoffen, doch sei ebenfalls schwer abzuschätzen, was noch komme. Seeker vermisse die Wertschätzung der Menschen gegenüber Lebensmitteln und würde sich wünschen, dass mehr regional gekauft werde, anstatt auf die günstigeren Lebensmittel aus dem Ausland zurück zu greifen. Auch Werner Weingarz stellt eine durchwachsene, wenn auch leicht positive Prognose: „ In der Veredelungswirtschaft bestehen erfreuliche Marktaussichten, hier lassen sich bessere Betriebsergebnisse erwarten. Hinsichtlich des Einkommensniveaus der letzten Jahre und zunehmenen Belastungen wäre in allen Betriebsformen dringend eine spürbare und anhaltende Trendwende erforderlich. Diese Ziele können aber allein in diesem Jahr nicht erreicht werden“.