Sparkasse verlangt Minuszinsen von Firmenkunden

Sparkasse verlangt Minuszinsen von Firmenkunden

Privatkunden sind bisher nicht betroffen

Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) belastet die deutschen Banken. Viele Geldhäuser geben die Minuszinsen jetzt weiter. Auch die Sparkasse Minden-Lübbecke verlangt von großen Geschäftskunden inzwischen Strafzinsen von 0,4 Prozent auf Einlagen ab 500.000 Euro. Privatkunden bleiben vorerst verschont.

Immer mehr Banken haben in den vergangenen Monaten Strafzinsen an große Geschäftskunden weitergegeben. Jetzt zieht auch die Sparkasse Minden-Lübbecke nach. Seit Mitte dieses Jahres sollen Firmenkunden 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen, wenn sie hohe Einlagen beim kreisweit größten Geldhaus besitzen. Die Sparkasse selber spricht von „Verwahrungsentgelten“ – statt von Minus- oder Strafzinsen. „Die Sparkasse Minden-Lübbecke muss für die eigene Liquidität, die sie bei der EZB beziehungsweise bei der Bundesbank oder den Landesbanken vorhält, selber 0,4 Prozent Strafzinsen jährlich zahlen. Vor diesem Hintergrund müssen diese Aufwendungen zumindest zum Teil an größere Firmenkunden, die wiederum selbst bei der Sparkasse hohe Guthaben unterhalten, bis auf weiteres weitergegeben werden“, erklärt Gerald Watermann, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit bei der Sparkasse Minden-Lübbecke. Die Negativzinsen würden für die größten Firmenkunden gelten – „mit einem Umsatzvolumen von mehreren Millionen Euro und einem Durchschnittsguthaben von über 500.000 Euro.“ Wie viel Prozent aller Firmenkunden schlussendlich von der neuen Regelung betroffen sein werden, wisse die öffentlich-rechtliche Bank nicht. Auch wie lange die Strafzinsen erhoben werden, könne nicht gesagt werden. Würde die EZB von ihrer aktuellen Zinspolitik abrücken, müssten vermutlich auch die Geldinstitute keine Negativzinsen mehr verlangen. „Wir können aber nicht beurteilen, wie lange die EZB ihre diesbezügliche Politik beibehält“, sagt Watermann. Die Sparkasse befinde sich derzeit mit allen Betroffenen in individuellen Gesprächen über die Berechnung und den Zeitpunkt, ab wann die Minuszinsen erhoben werden. Wirklich verwundert scheint von den Strafzinsen offenbar kein Kunde gewesen zu sein. „Die durch die EZB ausgelöste Problematik ist im Firmenkundenbereich allseits bekannt und diesbezügliche Gespräche mit den Banken sind nicht überraschend“, erklärt Watermann. Von Privatkunden will die Sparkasse keine Strafzinsen verlangen. „Im Privatkundenbereich gibt es bisher keine Überlegungen, Verwahrungsentgelte einzuführen.“

Sparkasse muss Kosten senken

Klar ist: Der Kostendruck auf die Sparkasse Minden-Lübbecke nimmt zu – speziell wegen der Niedrigzinspolitik der EZB. Das hat Vorstandsvorsitzender Wolfang Kirschbaum bei der Jahresbilanzpressekonferenz im Februar dieses Jahres bestätigt. Zuvor wurde bekannt, dass die Sparkasse kreisweit über die Hälfte ihrer Filialen schließen wird. Bis 2020 sollen jährlich bis zu dreieinhalb Millionen Euro eingespart werden – zwei Drittel durch verringerte Personalkosten, der Rest durch Sachkosten. Der Sparkassenverband Westfalen-Lippe empfiehlt den Geldhäusern inzwischen, die hohen Pensionsansprüche ihrer Vorstände neu zu bemessen und damit weiteres Geld zu sparen (MiKu berichtete am 29. April). Andere Institute versuchen ihre Kosten durch Fusionen zu senken. Vergangenen Monat haben die Verwaltungsräte der Stadtsparkassen Porta und Bad Oeynhausen einem Zusammenschluss der beiden Häuser zugestimmt. Für die Sparkasse Minden-Lübbecke sei ein solches Modell derzeit aber kein Thema, sagt Gerald Watermann.