Shaghajegh, Fareshta und Nasrin

Shaghajegh, Fareshta und Nasrin

Drei afghanische Frauen wissen genau was sie wollen und genießen die Freiheit

Ihre Namen klingen wie aus 1001 Nacht, ihre Geschichten sind längst nicht märchenhaft orientalisch, sondern traurig und tragisch. Shaghajegh Sultani kam im November 2015 aus Kabul in Afghanistan nach Deutschland, zeitgleich mit Fareshta Ghadiri. Beide schlossen in der Gemeinschaftsunterkunft in Bückeburg Freundschaft und verfolgen ein Ziel: „Wir wollen Altenpflegerinnen werden!“

Dazu gehen sie in die Berufsbildenden Schulen Rinteln, lernen die deutsche Sprache, sind fleißig und zuverlässig. Fareshta ist mit ihren Eltern und zwei Geschwistern aus Afghanistan geflohen. Sie sollte in ihrer Heimat zwangsverheiratet werden: „Mein Onkel wollte, dass ich seinen Sohn heirate!“ Mädchen dürften in Afghanistan nicht mitbestimmen, wen sie heiraten. Ihr Onkel verbot ihr, in die Schule zu gehen, hatte gute Kontakte zu den Taliban und vor allem Geld, um sich in seiner Region einen gewissen Status zu erwerben. „Ich habe viel geweint und meinem Vater gesagt, dass ich mich selbst töten werde, wenn ich den Jungen heiraten müsse“, sagt Fareshta, die im Gespräch in der Berufsschule selbstbewusst wirkt. Auch die Polizei in ihrem Land habe ihr nicht helfen können: „Mein Onkel hatte großen Einfluss!“ Ihre Eltern sahen keinen Ausweg mehr. Zwei Wochen Flucht zu Fuß Richtung Iran, dann eine weitere Woche in die Türkei. Über Bulgarien und Serbien gelangte die Familie nach Deutschland: „Hier ist alles gut, es ist für mich wie ein Traum. Ich darf zur Schule gehen und kann danach eine Ausbildung machen!“ Die Ausbildung schützt vor Abschiebung. Müsste sie zurück nach Afghanistan, drohte ihr die Zwangsehe: „Und wenn ich nicht zurückkomme, sondern nur meine Eltern mit meiner Schwester, dann muss sie ihn heiraten!“

Anders die Geschichte von Shaghajegh Sultani. Sie floh zusammen mit ihren Eltern und zwei Geschwistern vor den Bombennächten in Kabul. „Zur Schule konnten wir nur manchmal gehen, wenn es ein wenig sicher war!“ Sie hörte viele Bombeneinschläge, sah viele Tote, hatte ständig Angst: „Einkaufen war schon gefährlich, man wusste nie, ob man wieder nach Hause kommt!“ Für Shaghajegh auch schwer: „Ich konnte kein Sport machen. In Bückeburg habe ich das erste Mal Fußball beim VfL gespielt!“ Deutschland sei für Mädchen ein gutes Land. Sie machte ein Praktikum bei einem Frauenarzt und der hätte die junge und hochmotivierte Frau am liebsten gleich behalten: „Ich habe einen Platz für eine Ausbildung bekommen.“ Vorher muss sie nur noch in der Berufseinstiegsklasse ihren Hauptschulabschluss nachholen. Auf der Flucht über den Iran und die Türkei habe sie besonders viel Angst gehabt vor der Fahrt über das Mittelmeer: „Meine Familie und ich können nicht schwimmen!“

Nasrin Mohammadis Vater war in Kundus Schneider. Als die Taliban in sein Haus kamen und Polizeiuniformen haben wollten, weigerte er sich. Dann kamen zwei Männer mit Masken auf Motorrädern, schlugen Nasrins Bruder den Kiefer kaputt, so dass der einen Monat lang im Krankenhaus bleiben musste. Nasrins Vater wusste, dass er seine Kinder nicht vor den Taliban schützen kann und floh mit seinen drei Kindern und der Frau. In der Türkei wurde die Familie getrennt. Während der Vater mit Nasrin und einem ihrer Brüder weiter nach Deutschland durfte, musste die Mutter mit zwei ihrer Kinder zurück nach Afghanistan. Mittlerweile ist sie erneut geflohen und wartet in der Türkei auf eine Einreisegenehmigung nach Deutschland. Familie Mohammadi wechselte in Deutschland ihren Glauben vom Islam zum Christentum: „Ich wollte nicht mehr in den Zwängen des Islams leben und glauben“, so Nasrin selbstbewusst. Für sie und ihre Familie heißt das aber auch: „Wir haben keinen Kontakt mehr zu unserer großen Familie in der Heimat!“ Allen drei jungen Frauen ist eines gemeinsam: „Sie sind hochmotiviert, zuverlässig und wollen lernen!“ Wie es sich anfühlt, Teil der Gesellschaft zu sein und auch einmal die Gelegenheit zu haben, sich der Öffentlichkeit vorzustellen und im Mittelpunkt zu stehen, das erlebten sie bei der Veröffentlichung eines Fahrradkurses für Flüchtlinge mit dem ADFC. Das SW berichtete davon und die Sonderbeilage „TU HUS“ war so schnell vergriffen, dass einige nachgeordert werden mussten: „Danke dafür“, heißt es von den jungen Frauen, die eine echte Bereicherung für die Gesellschaft sind!

BNUZ I(Frau mit rotem Oberteil)
Nasrin Mohammadi floh mit ihren Eltern vor der Gewalt der Taliban. Ihre Familie wurde in der Türkei voneinander getrennt.
BUZ II (Frau mit gepunktetem Oberteil)
Für Fareshta Ghadiri ist das Leben in Deutschland ein Traum: „Hier darf ich zur Schule gehen, hier werde ich nicht zwangsverheiratet!“
BUZ III (Frau mit Brille und T-Shirt)
Shaghajegh Sultani durfte in Afghanistan keinen Sport betreiben: „Hier habe ich erst einmal Fußball gespielt!“