Mann lebt zwei Wochen neben totem Bekannten

Mann lebt zwei Wochen neben totem Bekannten

Polizeibekannte Mindener aus der Drogenszene

Polizisten am Montag in ein Mehrfamilienhaus in der Herderstraße gerufen wurden, bot sich ihnen ein schreckliches Bild. Sie fanden die Leiche eines stark verwesten 44-jährigen Mannes, der zu Füßen des 42-jährigen Mieters lag. Zwei Wochen hatte der Mieter mit dem Toten in der Wohnung verbracht. Laut Polizei gibt es keine Indizien für ein Verbrechen.

Eine Nachbarin hatte sich in den vergangenen Tagen mehrmals beim Mieter über den beißenden Verwesungsgeruch beschwert, der aus seiner Wohnung strömte. Als am Montag Fliegenmaden unter der Tür hervorkrochen, meldete die Bewohnerin sich bei der Polizei. Mit mehreren Beamten rückte die Polizei Minden-Lübbecke zu der kleinen Dachgeschosswohnung in der Herderstraße aus. Als auch nach mehrmaligem Klopfen niemand die Haustür öffnete, riefen die Beamten einen Schlüsseldienst, der das Schloss aufbrach. „Der Mieter saß wohl behalten auf seinem Sofa. Die Leiche lag vor ihm auf dem Boden“, sagt Polizeisprecher Ralf Steinmeyer. Die Identität des Toten konnte nicht mehr festgestellt werden, er war bereits zu stark verwest. Der Mieter gab an, mit dem befreundeten Mann Alkohol getrunken und Drogen konsumiert zu haben. Beide Männer seien im Laufe des Abends eingeschlafen. Am nächsten Morgen sei sein Freund nicht mehr aufgewacht. Das war vor zwei Wochen. „Der Mieter konnte nicht plausibel erklären, warum er den Fall niemandem gemeldet hatte“, sagt Steinmeyer. Die Beamten nahmen den Mann mit in die Dienststelle, um ihn weiter zu befragen. Der Tote wurde mittlerweile identifiziert. „Bei beiden Männern handelt es sich um langjährige polizeibekannte Drogenkonsumenten.“ Die Obduktion am Dienstag lieferte keine Hinweise für ein Verbrechen. Die Beamten brachten den Mieter am selben Tag zurück in seine Wohnung, die allerdings vorübergehend unbewohnbar ist, weil sie gereinigt wird. Verwandte sollen den Mann abends abgeholt haben.

Auch nach der Obduktion ist weiter unklar, woran der 44-jährige gestorben ist. Die Leiche sei zu stark verwest gewesen, um sie auf Spuren hin zu untersuchen, sagt Steinmeyer. Ein toxikologisches Gutachten der Rechtsmedizin Münster soll nun Aufschluss bringen. Bis die Ergebnisse vorliegen, dürften allerdings noch einige Monate vergehen.