Rumänen zelten in Wald am Stadtrand

Rumänen zelten in Wald am Stadtrand

Ordnungsbehörde erteilt Wildcampern keinen Platzverweis

Plattgelaufene Grashalme weisen den Weg durch das kleine Waldstück am Rande der Stadt. Hinter dichtestem Geäst liegen die sechs Zelte, umzingelt von struppigen Büschen und hüfthohen Brennesselsträuchern, zusammengeschustert aus abgewetzten Plastikplanen und Matratzen. Leere Wasserflaschen, Raviolidosen und verschlissene Turnschuhe zeugen vom kargen Dasein der Bewohner.

Seit Sonntag weiß die Kreispolizeibehörde, dass zehn rumänische Staatsbürger in einem Zeltlager am Rande Mindens in einem Wald kampieren. „Ein Anwohner hatte bemerkt, wie an mehreren Abenden offenkundig ortsfremde Personen durch die Felder liefen und anschließend im Wald ver-schwanden. Er hat seine Beobachtungen dann bei der Polizei gemeldet“, erklärt Polizeipressesprecher Thomas Bensch. Die Beamten gingen dem Hinweis nach, spürten das Zeltlager auf und kontrollierten die Personalien der Bewohner. „Es handelt sich um zehn rumänische Staatsbürger. Neun von ihnen befinden sich im Alter von 18 bis 58 Jahren. Hinzu kommt ein sechzehnjähriger Junge“, sagt Bensch. Wie lange sich die Rumänen bereits in Minden und in dem Waldstück aufhalten, wisse die Polizei nicht. Die Verständigung verlaufe sehr schwierig, da die Rumänen weder ausreichend Deutsch noch Englisch sprechen würden. Tagsüber scheint das Camp leer zu sein. Ihre wenigen Habseligkeiten lassen die Bewohner in den Zelten zurück, wenn sie fort sind. „Sie ziehen offenbar morgens in die Innenstadt und kommen am späten Abend wieder. Das ist nicht untypisch und uns auch aus anderen Städten in Deutschland bekannt“, berichtet Bensch. Nach der Personenkontrolle haben die Beamten das Zeltlager wieder verlassen. „Es liegt kein Ermittlungsgrund vor. Die Bewohner verhalten sich absolut ruhig und unauffällig. Auch das Zeltlager macht keinen verdreckten Eindruck.“ Die Polizei könne nicht ausschließen, dass die Rumänen als Bettler in der Innenstadt unterwegs sind. „Das allein erfüllt aber keinen Straftatbestand. Erst wenn Bettler sich aggressiv und aufdringlich verhalten, schreitet die Polizei ein“, erklärt Bensch.

Polizei bestreitet Gerüchte über Bettlerbanden

Seit das wilde Zeltlager bekannt ist, kursieren wieder Gerüchte über angebliche Bettlerbanden, die in der Innenstadt ihr Unwesen treiben sollen. Zeugen wollen gesehen haben, wie im Glacis Kleintransporter parken, aus denen Personen steigen, um anschließend in der Fußgängerzone zu betteln. Hintermänner würden gegen Abend dann das Geld abkassieren. Die Polizei dementiert die Gerüchte vehement. Es gebe „null Anzeichen“ für organisierte Bettlerei in Minden. „Unsere Bezirksdienstbeamten streifen täglich durch Glacis und Innenstadt. Wenn etwas an solchen Gerüchten dran sein sollte, hätten wir das sicher mitbekommen. Es liegen aber keine Beobachtungen oder Anzeigen vor“, erklärt Bensch.

Katharina Heß, Pressesprecherin der Stadt Minden: ,,Der Eigentümer muss entscheiden, ob auf seinem Grundstück kampiert werden darf."

Katharina Heß, Pressesprecherin der Stadt Minden: ,,Der Eigentümer muss entscheiden, ob auf seinem Grundstück kampiert werden darf.“

Eigentümer entscheidet, ob kampiert werden darf

Grundsätzlich ist in Deutschland das „Wildcampen“ auf öffentlicher Fläche verboten. „Laut § 3 Abs. 2 Nr. 6 der ordnungsbehördlichen Verordnung der Stadt Minden ist es untersagt in den Anlagen und auf Verkehrsflächen zu übernachten“, erklärt die Mindener Pressesprecherin Katharina Heß auf Nachfrage. Das aktuelle Zeltlager aber stehe nicht auf öffentlicher Fläche, sondern befinde sich im Besitz der Bundesfinanzverwaltung. „Der Eigentümer kann bestimmen, ob auf seiner Fläche kampiert werden darf.“

Nur wenn die Rumänen die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährden würden, „zum Beispiel, wenn ein Lagerfeuer im Forst angezündet wird oder das Gelände vermüllt wird“, werde die Ordnungsbehörde aktiv, die eng mit der Polizei zusammenarbeite.

Im Ernstfall dürfe die Ordnungsbehörde Platzverweise für höchstens 24 Stunden erteilen.