Knipsen verboten!

Knipsen verboten!

Freibäder setzen auf Vorbeugung, um Kinder und Frauen vor Spannern zu schützen

Zücken, anvisieren, abdrücken. Dank Smartphones sind Fotos und Filme heute schnell gemacht. Doch die Technik birgt auch Nachteile. Hessische Freibäder haben strikte Verbote eingeführt, um vor allem Frauen und Kinder vor Spannern zu schützen. In den Schwimmbädern in Minden-Lübbecke gelten ebenfalls Foto- und Videoverbote – wenngleich mit Einschränkungen.

„Bei uns lassen die Gäste ihre Smartphones vorher in der Kabine. Sie sollen schließlich zum Schwimmen und nicht zum Fotografieren kommen“, erklärt Jennifer Meyer, Sprecherin des Melittabads auf MiKu-Nachfrage. Zwei Schilder im Eingangsbereich und in den Umkleiden weisen auf das Foto- und Filmverbot im Melittabad hin. Alle Mitarbeiter seien sensibilisiert, speziell, wenn Kinder und Frauen fotografiert würden, sagt Meyer. Zusätzlich seien durchgängig zwei Sicherheitskräfte unterwegs, die die Anlage beaufsichtigen und kontrollieren. Wenn sich die Gäste gestört fühlen durch Fotoaufnahmen, können sie die Mitarbeiter ansprechen. Beschwerden würde sofort nachgegangen werden. „Ab und zu machen wir aber auch Ausnahmen und erlauben es zu fotografieren. Zum Beispiel, wenn eine Mutter ihr Kind bei den ersten Schwimmversuchen fotografieren will oder eine Familie fürs Geburtstagsfoto zusammen auf dem Sprungbrett posiert. In allen Fällen müssen die Gäste das aber vorher mit unserem Personal absprechen“, erklärt die Sprecherin. Etwa 244.000 Besucher verzeichnete das Melittabad im vergangenen Jahr. „Wenn das Bad voll ist, darf nicht fotografiert werden. Dann ist die Chance zu groß, dass fremde Personen unfreiwillig auf den Fotos auftauchen und das Persönlichkeitsrecht verletzt wird.“

Hinweise und Mitarbeiter erinnern an Verbote

Das Sommerbad und das Lahder Freibad vertrauen ebenfalls auf Piktogramme und sensibilisierte Mitarbeiter, die auf die Foto- und Videoverbote im Schwimmbereich hinweisen. Mit den Ausnahmen halten beide es ähnlich wie das Melittabad. „Wenn die Mutter ein Foto von ihrem rutschenden Kind machen will, darf sie das natürlich, wenn sie uns vorher fragt und niemand dadurch belästigt wird“, sagt Rainer Redeker, Bademeister in Lahde. Nur Unterwasserfotos seien in Lahde ganz klar verboten. Im Mindener Sommerbad setzen die Verantwortlichen auf die Kompetenz ihres Personals, wenn Gäste die Verbote missachten. „Dann erinnern wir sie freundlich ans Verbot. In der Regel verstehen die das dann auch sofort“, sagt Andreas Farber, Schwimmmeister im Sommerbad, das seit dem 16.05. wieder geöffnet hat. Laut Farber handelt es sich bei den Fotografen häufig um ausländische Gäste, die die Verbote nicht kennen.

In Hessen werden Kameras abgeklebt

Einige Schwimmbäder in den hessischen Großstädten Frankfurt und Offenbach haben in diesem Jahr absolute Film- und Videoverbote eingeführt. Selbst Familienschnappschüsse sind tabu. Die Gäste haben die Wahl: Entweder lassen sie ihre Smartphones in der Tasche oder sie verkleben ihre Kameralinse mit einem Siegel, das an der Kasse ausgegeben wird. Wer sich nicht an die Spielregeln hält und von den Mitarbeitern erwischt wird, fliegt raus. Die strikten Verbote sollen verhindern, dass Spanner leichtbekleidete Menschen oder nackte Kinder fotografieren und die Bilder vielleicht sogar im Internet verbreitet.

Anderes Publikum als in Großstädten

Auch Porta Westfalica ist vorigen Mittwoch in die neue Freibadsaison gestartet. Bis zu 3.500 Menschen strömen an heißen Tagen ins Portabad, um sich abzukühlen, sagt die stellvertretende Badleiterin Christiane Scholz-Plöger. Seit Jahren achte das Fachpersonal bereits darauf, dass keine unerlaubten Fotos und Videos gemacht würden. Kamerasiegel werden im Portabad nicht verteilt. „Das ist bei uns nicht nötig. Wir sind ein Familienbad. Unser Publikum unterscheidet sich stark von dem in Großstädten wie Frankfurt und Offenbach“, vermutet Scholz-Plöger. In Porta sei es nie zu Konflikten gekommen. Wer den Eintritt bezahle, akzeptiere automatisch das Fotografierverbot, das in der Haus- und Badeordnung des Portabads festgehalten ist. Und wenn doch jemand ohne Einverständnis einen Fremden ablichtet? „Dann würden wir die Person um die Herausgabe des Bildmaterials bitten. Weigert sie sich, rufen wir die Polizei“, erklärt Scholz-Plöger.