„Jede Wahl ist eine Herausforderung“

„Jede Wahl ist eine Herausforderung“

500 Wahlhelfer in 53 Wahlbüros setzen sich ein

„Nach der Wahl ist vor der Wahl“. Am Ende bemühen Helmut Kruse und Regine Bonk ein bekanntes Zitat der Fußballtrainerlegende Sepp Herberger – leicht abgewandelt, versteht sich. Kruse, Leiter des Bereiches Bürgerdienste bei der Stadt Minden, und Bonk vom Team Wahlbüro zeichneten verantwortlich für den Ablauf der Landtagswahl in Minden.

Ein langer (Wahl-)Sonntag liegt hinter ihnen. Und eine noch längere (Wahl-)Vorbereitung. Während im Bürgerbüro noch die letzten Protokolle der Wahlvorstände aus den 53 Wahllokalen und der zehn Briefvorstände geprüft, die Stimmzettel in Bündel verpackt, sortiert und verstaut werden, denken Regine Bonk und Helmut Kruse schon einen Schritt weiter: An die Bundestagswahl am 24. September. Schon bald müssen wieder erste Bekanntmachungen veröffentlicht werden, 500 Wahlhelfer gewonnen, ein Wählerverzeichnis aufgestellt und 10.000 Wahlscheine für die Briefwähler ausgestellt werden.

Einsatzplan fürs ganze Wochenende

500 ehrenamtliche Wahlhelfer und 30 Mitarbeiter der Stadt sind bei der Landtagswahl im Einsatz. „Für das gesamte Wahlwochenende wird ein Einsatzplan erstellt“, erzählt Kruse. Im Dienst sind auch Mitarbeiter in der Informationstechnik (IT) und in der Ordnungsbehörde, um ab 18 Uhr für die Entgegennahme der Schnellmeldungen aus den 53 Wahllokalen und der zehn Briefwahlvorstände bereit zu sein. „Kilometer machen“ an diesem Sonntag vor allem die Kollegen, die die Briefwahlräume vorbereiten. Im Einsatz sind auch die Hausmeister und Mitarbeiter der Poststelle, um Briefkästen zu leeren, Getränke bereit zu stellen und ab 18 Uhr knapp 10.000 blaue Umschläge mit der Maschine aufzuschlitzen. „Hiervon haben wir leider nur noch zwei. Deshalb müssen diese in den Briefwahlvorständen weitergereicht werden“, bedauert Helmut Kruse. Auch in der Pressestelle gibt es eine Ansprechpartnerin, um die Medien mit aktuellen Informationen zu versorgen und Pressemeldungen ins Internet zu stellen.

Zehn Briefwahlvorstände kümmern sich um 10.000 Briefwahlumschläge.

Zehn Briefwahlvorstände kümmern sich um 10.000 Briefwahlumschläge.

Vorbereitung für Wahlgeschäft

Die Vorbereitungen beginnen bereits am Freitag. Das Bürgerbüro sieht an diesem 12. Mai aus, als würde ein Umzug anstehen. Überall stehen – wohl geordnet nach Nummern – Kartons auf dem Boden. Diese sind bestückt mit Packpapier, Lochern, Heftern, Schere, Tesafilm, Briefschlitzer und weiterem Büromaterial. Am Samstag vor der Wahl ist das Wahlbüro ebenfalls von 9 bis 13 Uhr geöffnet, weil dann noch Wahlscheinanträge gestellt werden können – wegen plötzlicher Erkrankung. Ab 12 Uhr kommen die Wahlvorsteher der Urnenwahlbezirke, um ihre Wahlunterlagen abzuholen, die in den am Freitag vorbereiteten Kartons fertig verpackt sind.

Am Wahltag gilt es für Regine Bonk krankheitsbedingte Ausfälle in den Besetzungen der Wahlvorstände mit weiteren Freiwilligen und so genannten Springern auszugleichen. So fehlen in einem Briefwahlvorstand gleich drei Personen. Immer gibt es an diesem Wahlsonntag Fälle zu klären, wie zum Beispiel die Frage eines Bürgers nach dem rechtmäßigen Aufstellen von Wahlplakaten vor Wahllokalen.

Der Sonntag beginnt für die Wahlhelfer um 7.30 Uhr. Die Wahlvorstände haben an das Bürgerbüro eine Meldung abzugeben, dass sie da sind und es um 8 Uhr mit dem Wahlgeschäft losgehen kann. 52 Meldungen liegen bis 8 Uhr vor – eine fehlt, weil der Vorsteher die Meldung erst später absetzen kann, da gleich zu Beginn der Wahlhandlung schon Wähler im Wahllokal anwesend waren. Ein weiterer Fall: Vor der Öffnung wird von einem Wahlvorstand mitgeteilt, dass das Wahllokal noch verschlossen ist. Nach diversen Telefongesprächen aus dem Wahlbüro, kann das Problem kurz vor 8 Uhr gelöst werden. „Auch das gehört dazu“, so Kruse, der seit 20 Jahren die Wahlen vorbereitet.

Verzögertes Wahlergebnis aus Minden

Erst um 21.52 Uhr steht das vorläufige Endergebnis für Minden fest. Dieses Mal „hakte“ es bei einem Briefwahlvorstand, der mehr als 900 Stimmzettel zu zählen hatte. „Hier war einfach der Wurm drin. Es gab auch nach mehrfachem Zählen eine größere Differenz zwischen den Stimmen und den Wahlscheinen“, berichtet Kruse. Das konnte letztendlich zu später Stunde aufgelöst werden: Der Fehler lag in der Addition der Stimmen.

Nachbereitung

Am Montag bleibt das Bürgerbüro für den Publikumsverkehr geschlossen werden. Die Mitarbeiter prüfen noch einmal die Vollständigkeit der Unterlagen, zum anderen werden die von den Briefwahlunterlagen eingelagert. Alle Unterlagen der Landtagswahl 2017 werden dann bis kurz vor der nächsten Landtagswahl – also voraussichtlich 2022 – an einem sicheren Ort aufbewahrt.

Letzte Aktion: Die Wahlkästen der Wahlvorsteher werden für die bevorstehende Bundestagswahl wieder neu aufgerüstet und zentral abgestellt. „Dann ist diese Wahl zunächst einmal abgeschlossen und es geht ohne Pause in die Vorbereitung der nächsten Wahl am 24. September“, erklärt Kruse.