Mehr Mädchen für MINT-Berufe begeistern

Mehr Mädchen für MINT-Berufe begeistern

Kreis Minden-Lübbecke fördert Interesse junger Frauen

Laut aktuellen MINT-Report fehlen in Deutschland über 200.000 Arbeitskräfte in MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Laut einer Studie von KRC-Research fühlen sich vor allen Dingen Mädchen nicht genug gefördert auf diesem Gebiet. In Minden-Lübbecke jedoch gibt es zahlreiche Projekte, Institutionen und Veranstaltungen, um mehr Mädchen für MINT-Berufe zu begeistern.

Der Girls‘ Day in Minden-Lübbecke

Allein im Rahmen des „Girls‘ Days“ am 27. April 2017, haben im Kreis Minden-Lübbecke zahlreiche junge Mädchen in unbekannte Berufswelten herein geschnuppert. Für den Kreis wurden offiziell 184 Plätze bei 21 unterschiedlichen Unternehmen angeboten, davon allein im Mindener Stadtgebiet 84 Plätze bei sechs Unternehmen. Unter anderem gab es für 25 Mädchen das Angebot der Fachhochschule Bielefeld am Campus Minden den Beruf der Ingenieurin kennen zu lernen (www.fh-bielefeld.de).
Bettina Wittbecker, Gleichstellungsbeauftragte aus Minden, berichtete über regelmäßig gute Erfahrungen mit dem Girls‘ Day. „Unsere Angebote sind immer ausgebucht“, so Wittbecker. Zusätzlich habe es auch das Angebot „Mädchen werden Ingenieurinnen“ gegeben, eine Informationsveranstaltung zu den MINT-Studiengängen (am Campus Minden: Bauingenieurswesen, Elektrotechnik, Informatik, Infrastrukturmanagement, Maschinenbau, Projektmanagement Bau- und Wirtschaftsingenieurwesen). „Die Resonanz auf dieses Angebot ist sehr gut. Der Tag ist im Hochschulkalender fest verankert“, erklärte Wittbecker auf MiKu-Anfrage.

Am Campus Minden ist der Anteil der weiblichen Studierenden leicht gestiegen.

Am Campus Minden ist der Anteil der weiblichen Studierenden leicht gestiegen.

Steigender Anteil weiblicher Studenten

Allgemein habe sich der Anteil der weiblichen Studierenden erhöht, jedoch unterscheide sich der Frauenanteil in den einzelnen Fächern erheblich, berichtete Bettina Wittbecker. Gerade im MINT-Bereich seien Frauen immer noch unterrepräsentiert: im Fachbereich der Ingenieurswissenschaften und der Mathematik habe sich im letzten Semester der Frauenanteil auf 14 Prozent belaufen. Am Campus Minden sei der Anteil der weiblichen Studierenden leicht gestiegen auf 23.7 Prozent. Generell habe die Hochschule bereits zahlreiche Initiativen gestartet und führe diese seit Jahren durch. Dazu würden neben dem Girl’s Day auch Schulbesuche, Initiativen von Professorinnen für Schülerinnen und das „zdi-Probestudium Mädchen testen MINT“ zählen, so Wittbecker weiter. „Ingenieurstudiengänge sind bei Frauen umso beliebter, desto interdisziplinärer das Fach ausgerichtet ist. Daher sind sogenannte Bindestrich-Studiengänge wie Medieninformatik, Biotechnologie, Umwelttechnik oder Wirtschaftsingenieurwesen auch stärker bei Mädchen nachgefragt.“

Bettina Wittbecker: ,,Die Hochschule hat regelmäßig gute Erfahrungen mit dem Girls' Day gemacht“

Bettina Wittbecker: ,,Die Hochschule hat regelmäßig gute Erfahrungen mit dem Girls‘ Day gemacht“

Vorbildfunktion weiblicher Lehrkräfte

Neben diesen Initiativen werde angestrebt, vermehrt weibliche Lehrkräfte und wissenschaftliche Mitarbeiterinnen in MINT-Bereichen einzusetzten, die somit eine Vorbildfunktion einnehmen könnten, erläuterte FH-Gleichstellungsbeauftragte Prof. Dr. Michaela Hoke. Daher gebe es auch ein Programm zur Finanzierung weiblicher studentischer Hilfskräfte in technischen Bereichen, eine Förderung weiblicher Lehrbeauftragter sowie das Bemühen, den Frauenanteil unter den Professorinnen in MINT-Studiengängen zu erhöhen. Ebenfalls habe die Hochschule gute Erfahrungen gemacht bei der Sensibilisierung junger Mädchen für MINT-Fächer mit den Aktivitäten des“zdi-Schülerinnen und Schülerlabors experiMINT“, welches im Fachbereich Ingenieurswissenschaften und Mathematik angesiedelt sei, berichtete Bettina Wittbecker.

Vernetzung regionaler Partner

Das zdi-Zentrum Minden-Lübbecke vernetze zahlreiche Partner in der Region zur MINT-Förderung von jungen Menschen; 2016 hätten mehr als 2.000 Kinder und Jugendliche an den Veranstaltungen des zdi-Zentrums und seiner Partner teilgenommen, erklärte Carmen Ruffer, zdi-Koordinatorin. „52 Prozent davon waren Mädchen“. Das zdi-Zentrum organisiere ebenfalls unterschiedliche Angebote speziell für Mädchen, angefangen beim Girl’s Day und dem Girl’s Engineering Day bei WAGO bis hin zu einem mehrwöchigen MINT-Girls-Projektkurs bei ABB, so Ruffer weiter. Desweiteren werde in Kooperation mit dem Campus Minden der FH Bielefeld das Studienorientierungsprojekt „zdi-Campus“ angeboten.

Carmen Ruffer: „Familie und Freunde raten jungen Mädchen fünfmal häufiger von MINT-Berufen ab.“

Carmen Ruffer: „Familie und Freunde raten jungen Mädchen fünfmal häufiger von MINT-Berufen ab.“

Herausforderungen bei der Förderung

Carmen Ruffer berichtete, dass Familie und Freunde jungen Mädchen fünfmal häufiger von MINT-Berufen abrieten, daher würde sich jede Dritte gegen einen technischen Beruf entscheiden. Außerdem fehle es häufig an Informationen zu den Berufen und den vielfältigen Perspektiven. In dieser Unsicherheitssituation kämen dann auch traditionelle Vorstellungen von Männer- und Frauenberufen stärker zum Tragen, so Ruffer weiter. Hier setze das zdi-Zentrum an und biete die Möglichkeit, das eigene MINT-Talent zu entwickeln. Bei Projekten für Kindergärten, Schulklassen und MINT-AGs sowie Angeboten für Ferien und Freizeit stehe der Ausbau der eigenen MINT-Kompetenz im Vordergrund. Die Partnerunternehmen des zdi’s würden ebenfalls vermehrt in ihren Projekten erfolgreiche Frauen in MINT-Berufen einsetzen, da diese die jungen Mädchen besonders begeistern können.

Auch in diesem Jahr machten wieder zahlreiche junge Mädchen beim Girls' Day mit.

Auch in diesem Jahr machten wieder zahlreiche junge Mädchen beim Girls‘ Day mit.

Anhaltende Begeisterung schaffen

Eine gute MINT-Förderung berücksichtige immer die spezifischen Interessen der Mädchen, daher werde die MINT-Kompetenz in vier Diensionen gefördert: MINT nutzen, wissen, gestalten und reflektieren, erläuterte Carmen Ruffer. Durch die spezifischen Angebote ergebe sich die Chance, auf Perspektiven in der MINT-Branche aufmerksam zu machen und überkommende Vorstellungen zu erneuern. Und tatsächlich seien viele junge Frauen richtig gut in diesen Fächern. „Immer mehr Studienanfängerinnen entscheiden sich für ein MINT-Studium. In einigen Ingenieurswissenschaften studieren bereits über 30 Prozent Frauen. Ebenso gibt es in vielen MINT-Ausbildungsberufen eine steigende Tendenz“, so Carmen Ruffer abschließend. Auch in den Bereichen Mechatronik, Automatisierungs- und Umweltschutztechnik würden die weiblichen Beschäftigungsanteile überproportional wachsen.