Weiche Ruhekissen

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Die Gehälter und Pensionen der Sparkassenchefs

Zu hohe Gehälter, übertriebene Pensionen: Die NRW-Sparkassenleiter werden kritisiert, seit sie ihre Bezüge offenlegen müssen. Finanzexperten und der Bund der Steuerzahler sprechen von unangemessenen Bezahlungen. Der Sparkassenverband wehrt sich. Bei der Sparkasse Minden-Lübbecke sind die Vorstandsgehälter und Pensionslasten in den vergangenen Jahren gestiegen.

Laut einer Studie der Frankfurt University of Applied Sciences liegen Gehälter und Pensionen der Sparkassenvorstände deutlich höher als bei Genossenschafts- und Privatbanken. Demzufolge zahlt mehr als jede zweite Sparkasse über 20 Prozent des Jahresgewinns an ihre Vorstände. Bei der Deutschen Bank und bei der Commerzbank würden die Werte bei nur etwa zwei Prozent liegen, sagt der Frankfurter Finanzprofessor und Autor Ralf Jasny. Sparkassenchefs würden durchschnittlich fünfmal so viel verdienen wie die Leiter privater Institute – obwohl sich die Sparkassen in öffentlich-rechtlicher Hand befinden, wie Jasny moniert. „Was auf den Konten der Sparkassenvorstände ankommt, wird vom Gewinn der Institute abgezogen und fehlt letztlich in den Kommunen.“ Auch der Bund der Steuerzahler kritisiert die Bezüge der roten Bankenchefs. „Die Gehälter sind völlig übertrieben und müssen runter“, erklärt Verbandssprecherin Bärbel Hildebrand auf MiKu-Anfrage. „Sparkassen sind kommunale Einrichtungen. Dann kann es doch nicht sein, dass ein Vorstand deutlich mehr bekommt als der Bürgermeister der Stadt.“ Wolfgang Kirschbaum, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Minden-Lübbecke, hat 2015 ein Grundgehalt von 312.000 bezogen. Zum Vergleich: Bürgermeister von 60.000 bis 100.000 einwohnerstarken Städten – Minden hat 83.000 – verdienen jährlich etwa 104.000.

Sparkassenverband verteidigt hohe Gehälter

Der Sparkassenverband Westfalen-Lippe (SVWL) lehnt Quervergleiche mit Politikern ab. „Das sind unterschiedliche Berufe mit unterschiedlichen Anforderungen“, sagt SVWL-Sprecher Volker Willner. „Natürlich verdienen Sparkassenvorstände viel Geld“, räumt er ein, „aber die Gehälter sind vergleichen mit Volks- und Raiffeisenbanken marktgerecht und notwendig, um qualifizierte Leute zu gewinnen.“ Die Sparkassen in Westfalen-Lippe würden mit über sechs Millionen Kunden zu den erfolgreichsten Geldhäusern in Europa zählen. „Vergütung und Alterseinkommen berücksichtigen die hohen fachlichen Anforderungen. Sparkassenvorstände leiten vor dem Hintergrund sehr strenger gesetzlicher Vorgaben selbstständige Kreditinstitute“, erklärt Willner. Im Gegensatz zu Bankkonzernen seien Sparkassen dezentral organisiert und übers Land verstreut. Bei der Deutschen Bank und der Commerzbank gebe es noch viele weitere Beschäftigte unterhalb des Vorstandes, die höhere Bezüge bekämen als Sparkassendirektoren. „In jedem Euro Sparkassenbilanz steckt also ‚mehr Vorstand‘ als in der Vergleichszahl eines Bankkonzerns“, argumentiert der Verbandssprecher.

Pensionslasten steigen weiter an

In der Öffentlichkeit wird besonders die Altersversorgung kritisch gesehen. Ähnlich wie Beamte haben Sparkassenleiter nach bereits fünf Jahren im Job einen Ruhegehaltsanspruch. Je nach Dienstjahren bekommen sie 40 bis 55 Prozent ihres letzten Gehalts als Alterseinkommen. Bärbel Hildebrand vom Bund der Steuerzahler bezeichnet das als „unzeitgemäß und viel zu hoch“. Finanzexperten mahnen, dass Sparkassen die Altersbezüge drosseln sollten, um ihr Geschäftsmodell nicht zu gefährden. Denn um die Pensionszusagen für ihre Vorstände erfüllen zu können, müssen die Sparkassen Bares beiseite legen. Und zwar umso mehr Geld, je niedriger die Zinsen sind. Wegen der aktuellen Niedrigzinsen müssen die Geldhäuser also immer höhere Pensionsrückstellungen bilden. Im Jahr 2015 hat die Sparkasse Minden-Lübbecke 997.000 Euro für die Pensionen ihrer drei Vorstandsmitglieder zurückgelegt, 91.000 Euro mehr als noch 2014. 590.000 Euro wurden 2015 an frühere Vorstandsmitglieder und deren Hinterbliebene gezahlt. Im Jahr zuvor waren es noch 240.000 Euro weniger. Der SVWL empfiehlt den Sparkassen inzwischen die Vorstandsrenten neu zu bemessen. Pensionszusagen von bis zu 55 Prozent des früheren Festgehalts sollen nicht mehr die Regel sein, sagt SVWL-Sprecher Volker Willner. Stattdessen sollen die Vorstände höhere Gehälter bekommen, mit dem sie selbst für das Alter sparen können. Dann würden auch die teuren Rückstellungen wegfallen, erklärt er. Die neuen Empfehlungen allerdings gelten nur für Vorstände, die seit dem 1. März neu eingestellt wurden – und es bleibt den Verwaltungsräten der Sparkassen überlassen, ob sie ihnen folgen.

Sparkasse Minden-Lübbecke will Zahlen nicht kommentieren

Die Sparkasse Minden-Lübbecke ist das kreisweit größte Geldhaus. Im Jahr 2015 hat die Bilanzsumme bei 2,461 Milliarden Euro gelegen. Der Gewinn betrug 5,2 Millionen Euro und war um 7,1 Prozent niedriger als 2014. Gesamtvergütungen der drei Vorstandsmitglieder stiegen um 2,5 Prozent auf 929.000 Euro. Boni wurden keine gezahlt. Gehälter und Pensionsrückstellungen summierten sich 2015 auf 2,5 Millionen Euro. 2,1 Millionen Euro des Gewinns wurden an die Träger ausgeschüttet. Die

Vorstandsvorsitzender Wolfgang Kirschbaum bezog 2015 ein Grundgehalt von 312.000 Euro. Dazu gesellten sich 11.000 Euro an sonstigen Vergütungen, die hauptsächlich die private Nutzung von Dienstfahrzeugen betreffen. Das ergibt ein Gesamtgehalt von 323.000 Euro. Als Altersvorsorge bekommt Kirschbaum 55 Prozent seines Gehalts – neben der gesetzlichen Rente. Kirschbaums Pensionsanspruch liegt bei jährlich etwa 172.000 Euro. Im Monat sind das zirka 14.300 Euro. Dieselbe Summe bekäme er übrigens auch, wenn sein Dienstvertrag unverschuldet nicht verlängert würde. Die Sparkasse Minden-Lübbecke wollte die Zahlen auf MiKu-Nachfrage nicht weiter kommentieren.

Gehälter und Pensionszusagen der Vorstände der Sparkasse Minden-Lübbecke (2015)

Wolfgang Kirschbaum, Vorstandsvorsitzender Grundgehalt: 312.000 Euro Sonstige Vergütungen: 11.000 Euro Gesamtvergütung: 323.000 Euro Pensionszusage: rund 172.000 Euro

Wolfgang Kirschbaum, Vorstandsvorsitzender
Grundgehalt: 312.000 Euro
Sonstige Vergütungen: 11.000 Euro
Gesamtvergütung: 323.000 Euro
Pensionszusage: rund 172.000 Euro

Georg Droste, stellvertretender Vorstandsvorsitzender Grundgehalt: 298.000 Euro Sonstige Vergütungen: 11.000 Euro Gesamtvergütung: 309.000 Euro Pensionszusage: rund 164.000 Euro

Georg Droste, stellvertretender Vorstandsvorsitzender
Grundgehalt: 298.000 Euro
Sonstige Vergütungen: 11.000 Euro
Gesamtvergütung: 309.000 Euro
Pensionszusage: rund 164.000 Euro

Volker Böttcher, Vorstandsmitglied Grundgehalt: 284.000 Euro Sonstige Vergütungen: 13.000 Euro Gesamtvergütung: 297.000 Euro Pensionszusage: rund 156.000 Euro

Volker Böttcher, Vorstandsmitglied
Grundgehalt: 284.000 Euro
Sonstige Vergütungen: 13.000 Euro
Gesamtvergütung: 297.000 Euro
Pensionszusage: rund 156.000 Euro

Autor: Dennis Salge