Multifunktionshalle teurer als gedacht

Multifunktionshalle teurer als gedacht

Erst nach der Sommerpause soll über das Großprojekt entschieden werden

Die geplante Multifunktionshalle auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände in Minden wird teurer als gedacht. Laut ersten Detailplänen sollen die Baukosten für die Arena bei 34,4 Millionen Euro liegen. Bislang war von 22,6 Millionen Euro die Rede. Die Reaktionen aus der Politik fallen unterschiedlich aus.

Nach neuen Berechnungen des Architekturbüros Assmann soll soll der Bau der Multifunktionshalle 25,3 Millionen Euro kosten. Das liege nur wenig über der Mitte 2016 geschätzten Summe von 22,6 Millionen Euro, sagt Mindens Bürgermeister Michael Jäcke, der die Zahlen in der vergangenen Woche vorgestellt hat. Zu den 25,3 Millionen Euro gesellen sich weitere Positionen wie Baukostensteigerungen, Baunebenkosten, Außenanlagen und Parkflächen. „So kommen wir insgesamt auf etwa 34,4 Millionen Euro“, resümiert Jäcke.

Businessplan liegt noch nicht vor

Unklar ist, wie es sich mit den Einnahmen durch die neue Arena verhalten würde. Einen Businessplan gibt es noch nicht. Bis dato ist man von durchschnittlich etwa 100 Veranstaltungen jährlich ausgegangen. Für detailliertere Zahlen wollen Kreis und Stadt jetzt Betreiber ähnlicher Hallen sprechen. Laut des aktuellen Finanzierungsmodells beteiligen sich Kreis und Stadt mit zusammen bis zu acht Millionen Euro an der neuen Halle. Ein ähnlich hoher Anteil soll aus der Wirtschaft kommen, wenn es nach Bürgermeister Jäcke und Landrat Dr. Ralf Niermann geht. So soll alleine die Vergabe der Namensrechte für die Arena einen sechsstelligen Beitrag in die Kassen von Kreis und Stadt spülen. Beide Akteure befinden sich hierfür in Gesprächen mit heimischen Unternehmen. „Es gibt viele positive Signale“, versichert Jäcke. Namen und Zahlen nennt er nicht. Gleichwohl reduziere jeder „eingeworbene Euro“ die Verluste. Ursprünglich sind Kreis und Stadt von 3,5 Prozent Kreditzinsen ausgegangen. „Das sieht derzeit auf dem Markt deutlich besser aus“, erklärt Andrè Gerling, Mitarbeiter in der Projektgruppe der Stadtverwaltung. Die Stadt kalkuliere aktuell mit einem Zinssatz von 1,2 Prozent. Vergünstigungen könnte es auch über die NRW-Bank geben, ergänzt Jäcke. Vom Land NRW könnte es Fördermittel für die Außenanlagen der Halle geben, sagt der Mindener Bürgermeister. Als sicher gilt eine 80-prozentige Förderung der Altlasten-Untersuchung und -Entsorgung auf dem 43.000 Quadratmeter großen Ex-Güterbahnhofsareal. Endgültige Klarheit sollen laufende Untersuchungen bringen.

Die geplante Multifunktionshalle am rechten Weserufer aus der Vogelperspektive.

Die geplante Multifunktionshalle am rechten Weserufer aus der Vogelperspektive.

Kreis macht der Stadt Druck

Der Businessplan für die Multifunktionshalle sollte eigentlich bereits in diesem Frühjahr präsentiert werden. Das verschiebt sich nun auf die Zeit nach den Sommerferien. „Sorgfalt geht vor Eile“, macht Jäcke deutlich. Der zweite Akteur, der Kreis Minden-Lübbecke, macht Druck und wünscht sich eine zügige Entscheidung. Denn erst, wenn der Businessplan vorliegt, können Stadtrat und Kreistag entscheiden, ob die neue Halle kommen soll. Spricht sich die Politik gegen die Arena aus, müsste die sanierungsbedürftige Kampa-Halle umgebaut werden.

 „Sorgfalt geht vor Eile“, sagt Mindens Bürgermeister Michael Jäcke.

„Sorgfalt geht vor Eile“, sagt Mindens Bürgermeister Michael Jäcke.

Reaktionen aus der Politik

Ulrich Pock, Geschäftsführer der SPD-Kreistagsfraktion, zeigt sich nicht überrascht von den neuen Zahlen zur Multifunktionshalle. Die Fraktion gebe dem Projekt eine Chance. „Allerdings wollen wir nicht, dass die Kosten für den Kreis bei der Multifunktionshalle höher sind als bei der Kampa-Halle“, erklärt Pock. Eine endgültige Bewertungsgrundlage liege erst vor, wenn die Stadt Minden belastbare Zahlen und Fakten hat zu den Betriebskosten, Einnahmen und Beteiligungen aus der Wirtschaft. „Und ich bin skeptisch, dass das bereits nach der Sommerpause der Fall sein wird“, sagt Pock.

„Nur mit einer neuen Multifunktionshalle werden wir in Zukunft hochkarätige Veranstaltungen nach Minden-Lübbecke holen können“, sagt Bernd Hedtmann, Bürgermeister von Porta Westfalica. „Auch wenn die Interessen der Kreiskommunen verständlicherweise unterschiedlich ausgeprägt sind und die Verantwortlichen die Kosten im Blick haben müssen, werden wir alle davon profitieren.“ Allerdings gelte es die Machbarkeitsstudie abzuwarten, bevor endgültige Aussagen gemacht werden können, erklärt Hedtmann.

Für den Stemweder Bürgermeister Kai Abruszat ändert sich durch die gestiegenen Kosten für die Multifunktionshalle nichts. Er hatte sich bereits früh gegen eine finanzielle Beteiligung des Kreises an den Folgekosten ausgesprochen. „Ich habe Verständnis für das Projekt – aus der Perspektive der Stadt Minden. Für kleinere Gemeinden wie Stemwede handelt es sich dabei aber um kein Herzensprojekt. Unsere Bürger orientieren sich eher nach Osnabrück als nach Minden“, erklärt Abruszat.

 Für den Stemweder Bürgermeister Kai Abruszat ist der Bau einer neuen Arena „kein Herzensprojekt“.

Für den Stemweder Bürgermeister Kai Abruszat ist der Bau einer neuen Arena „kein Herzensprojekt“.

Eine Halle für bis zu 5.500 Gäste

Die geplante Multifunktionshalle soll auf dem Ex-Güterbahnhofsgelände am Rechten Weserufer gebaut werden. Bei Konzerten soll sie bis zu 5.500 Zuschauern fassen können. Spiele von GWD Minden sollen bis zu 4.000 Zuschauer verfolgen können. An Kongressen könnten 2.500 Menschen teilnehmen. Ausgangspunkte aller Pläne ist die sanierungsbedürftige Kampa-Halle, die der Kreis nur mit Millionenbeiträgen wieder ertüchtigen könnte. Von einer neuen Halle versprechen sich Planer, Stadt und Kreis eine Aufwertung des Rechten Weserufers.