Landrat besucht Flüchtlingsklassen beim Ludwig-Steil-Hof in Espelkamp

Landrat besucht Flüchtlingsklassen beim Ludwig-Steil-Hof in Espelkamp

373 Schüler aus 33 Nationen am Ludwig-Steil-Hof

In viele junge, hoffnungsvolle Augen schauten Landrat Dr. Ralf Niermann, Kreisdirektorin Cornelia Schöder und Schulamtsleiterin Antje Gieselmann bei einem Besuch mehrerer sogenannter Auffangklassen an der Bischof-Hermann-Kunst-Schule des Ludwig-Steil-Hofs in Espelkamp. Zurzeit gehen hier insgesamt 373 Schüler aus 33 Nationen zur Schule, neben den deutschen Schülern kommen die meisten aus Syrien, Afghanistan und Irak.

Sprachliche und soziale Probleme

„Der Aufwand wird unterschätzt“, sagt Pfarrer Stefan Bäumer, Vorstand des Ludwig-Steil-Hofes. Junge Menschen, die oft zum ersten Mal überhaupt eine Schule besuchen und noch Deutsch lernen müssen, können sich nach zwei Jahren zwar gut verständigen, sind aber von einer beruflichen Qualifikation noch weit entfernt. „Wer kann schon nach vier, fünf Jahren Krieg in Syrien erwarten, dass es eine Schulpflicht gab?“, sagt Schulleiter Dieter Gerecke. „Es ist im ersten Schritt richtig, dass wir die Kinder hier beschulen, aber wenn wir uns jetzt nicht anders aufstellen, haben wir in ein paar Jahren ein Problem.“ Die Bischof-Hermann-Kunst-Schule ist darauf eingerichtet, junge Menschen mit den unterschiedlichsten Biografien, Sprachen und Kulturen zu integrieren. „Bei uns können wir immerhin modular arbeiten“, so Gerecke. „Das heißt, wir können Klassen nach unterschiedlichem sprachlichen Leistungsniveau zusammenfassen. Aber die Kinder haben oft noch ganz andere, auch soziale Probleme. Wir erweitern unser Angebot andauernd.“ Dabei steht die Bischof-Hermann-Kunst-Schule kreisweit im Erfahrungsaustausch mit den öffentlichen Schulen und deren Schulträgern in der Region, die sich ebenso den Aufgaben der Beschulung der Neuzuwanderer engagiert stellen.

Häufig fehlen Vorbilder im privaten Umfeld

„Wir brauchen politische Bildung, damit diese Jugendlichen sich mit unseren demokratischen Werten identifizieren und unser Staatssystem stützen können“, sagt Bäumer. Denn gerade wenn die Schüler schon älter sind und aus einem ganz anderen Umfeld kommen, kennen sie das System zu wenig, als dass sie sich problemlos daran orientieren könnten. „Wir müssen ihnen auch vermitteln, dass die Menschen hier aus eigenem Antrieb etwas leisten und erreichen wollen“, sagt Gerecke. Im eigenen sozialen Umfeld fehle den Jugendlichen dabei häufig das Vorbild, hier seien die Schulen in besonderem Maße gefordert. „Die nächste Diskussion, die wir führen müssen, ist eine Qualitätsdiskussion“, so Gerecke. Er würde sich wünschen, dass Schulleiter aus ganz Nordrhein-Westfalen gemeinsam an einem Tisch sitzen und eine professionelle und sachliche Diskussion führen. Die Probleme müssten klar benannt werden, wenn man sie lösen wolle. Die Anwesenden sind sich einig: „Wenn wir gemeinsam verantwortungsvoll mit diesem Thema umgehen, sind die Herausforderungen, die auf uns zukommen, auch zu bewältigen.“ Dr. Niermann, der auch Vorsitzender des Schulausschusses beim Landkreistag Nordrhein-Westfalen ist, nimmt diese Anregungen auf: „Wir müssen uns fragen: Was können wir hier vor Ort tun und wo können wir an anderer Stelle einen Dialog zum dem Thema anregen.“ Den Schülern in den Klassen gibt er mit auf den Weg: „Mir ist wichtig, dass wir uns alle gegenseitig respektieren. Euch wünsche ich, dass ihr viele gute Fortschritte macht. Und wenn es nicht gut läuft, lasst euch nicht entmutigen, sondern macht weiter.“