Gemeinschaft auf Augenhöhe

Gemeinschaft auf Augenhöhe

„Hope hilft“ unterstützt Flüchtlinge beim Start in ihrer neuen Heimat

Sie sind Weltverbesserer nach Feierabend. Sie arbeiten ehrenamtlich als Deutschlehrer und Möbelpacker, Behördenexperten und Brückenbauer. Die Mitglieder von „Hope hilft“ unterstützen Flüchtlinge beim Start in ihr neues Leben in Deutschland. Der Mindener Verein sucht Helfer, Paten – und ein neues Zuhause.

Von „Hope“ zu „Hope hilft e.V.“. Von der Kleiderkammer zum Kulturzentrum. Beides in nur etwas mehr als einem Jahr. „Das hat sich ganz natürlich so ergeben“, blickt „Hope hilft“-Vorsitzender Volker Höltkemeier auf die Entwicklung des Vereins zurück. Gemeinsam mit Elke Bikowski vom evangelischen Kirchenkreis hatte Höltkemeier „Hope“ geplant und eröffnet im Januar 2016. Damals noch als reine Kleiderkammer, in einem leerstehenden Supermarkt am Schwabenring. Zwischenzeitlich sortierten und verteilten etwa 170 Frauen und Männer gespendete Kleidungsstücke an Flüchtlinge, denen es am Nötigsten fehlte. Schnell sahen sich die ehrenamtlichen Helfer mit weiteren Aufgaben konfrontiert. „Die Flüchtlinge fragten uns um Rat, wenn sie Formulare nicht verstanden hatten und ausfüllen mussten, oder wie sie und wo sie ein Busticket ziehen können“, sagt Elke Bikowski. Rasche, unbürokratische Hilfe hätten die Flüchtlinge benötigt. Notunterkünfte, Behörden und Beratungsstellen aber seien mit den vielen Anliegen schlicht überfordert gewesen und mussten entlastet werden, erzählt Höltkemeier. „Hope“ sprang ein – und entwickelte sich zur Anlaufstelle für die alltäglichen Sorgen und Nöte der Neuankömmlinge. Neun Monate unterstützten die Helfer die Flüchtlinge, wo sie konnten. Bis zum ersten Rückschlag im Spätsommer 2016. Das Gebäude am Schwabenring sollte abgerissen werden. Im September musste „Hope“ ausziehen. Doch der Auszug sollte kein Abschied von Dauer werden, da waren sich Helfer und Flüchtlinge einig. Gemeinsam begaben sie sich auf die Suche nach einer neuen Bleibe. Mit Erfolg. Im November des vergangenen Jahres konnte „Hope“ zwei leerstehende Ladengeschäfte im Rathausinnenhof beziehen. Seitdem firmiert die Gruppe als Verein, als „Hope hilft“. Die Stadt Minden stellt die Räume kostenlos bereit. Der Verein beteiligt sich an den Nebenkosten, finanziert durch Geldspenden. Montags, mittwochs, donnerstags und freitags von 14.30 Uhr bis 17.30 Uhr öffnet die soziale Einrichtung ihre Türen und „hilft, wo der Schuh drückt“, wie Höltkemeier sagt. Viele Flüchtlinge würden sich Sinn und Struktur für ihren oft eintönigen Alltag in der neuen Heimat wünschen. Genau dort setzt Hope an. In den etwa 150 Quadratmetern großen Räumen geht es mal gemütlich, mal lebendig zu. Die ehrenamtlichen Helfer geben niederschwelligen Sprachunterricht für all diejenigen, die bis dato in keinem Deutschkurs untergekommen sind. Kinder bekommen an Schultagen Hilfe bei ihren Hausaufgaben. Möbel und Kleidung werden angenommen, gesäubert, sortiert und verteilt. Gemeinsam werden bürokratische Hürden wie Asylgesuche und Kursanträge gemeistert. „Hope on Tour“ plant Ausflüge, um die neue Heimat zu erkunden – zu Fuß, mit Fahrrad, Bus und Bahn. Und natürlich wird auch viel gequatscht und gelacht. Etliche Kunden und Spender wurden inzwischen selber zu tatkräftigen Unterstützern. „Jeder ist willkommen“, betonen Elke Bikowski und Volker Höltkemeier unisono. Die beiden Initiatoren sprechen bei „Hope hilft“ gerne von einer „Gemeinschaft auf Augenhöhe“. Denn nicht nur die Flüchtlinge profitieren. Auch die Helfer selber wachsen mit ihren Aufgaben. Manch einer von ihnen sei Flüchtlingen einst skeptisch begegnet. Durch die Arbeit und Erfahrungen habe sich das geändert, sagt Höltkemeier. Der direkte Austausch baue gegenseitige Vorurteile ab. „Es geht nur miteinander. Nur wenn die Menschen aufeinander zugehen, funktioniert Integration“, pflichtet ihm Bikowski bei.

 Die 18-jährige Abiturientin Kara unterrichtet Flüchtlinge einmal in der Woche in Deutsch.

Die 18-jährige Abiturientin Kara unterrichtet Flüchtlinge einmal in der Woche in Deutsch.

Helfer und Paten gesucht

30 Helfer aus aller Herren Länder und allen sozialen Milieus sind aktuell im Dauereinsatz für „Hope hilft“. Und es dürfen gerne mehr sein, erklärt Elke Bikowski. „Viele Schultern können vieles stemmen.“ Für jeden gebe es Chancen, sich einzubringen. Wer sich an Flüchtlingshilfe herantasten möchte, könne über leichte Arbeiten wie Kaffeekochen und Fegen einsteigen. Die Teams „Transport“, „Hilfestellung“, „Deutschunterricht“ und „Übersetzung“ seien froh über jede Hilfe. Auch und gerade Paten für Flüchtlinge würden händeringend gesucht, sagt Bikowski. „Patenschaft bedeutet, den Flüchtlingen beispielsweise bei Anmeldungen für Deutschkurse, Kindergarten und Sportvereinen zu helfen. Aber auch, dass man gemeinsam kocht und isst und etwas erlebt. Patenschaft bedeutet, das Leben dieser Menschen zu verbessern und ihre Integration zu erleichtern.“

Neues Zuhause gesucht

Von der Kleiderkammer am Schwabenring zum Kulturzentrum im Herzen Mindens. Höltkemeier und Bikowski zeigen sich stolz über die Entwicklung von „Hope hilft“. Ein Manko treibt den beiden jedoch Sorgenfalten auf die Stirn. Der gemeinnützige Verein darf die Räume am Rathausinnenhof nicht mehr lange nutzen. Die Stadt Minden braucht die leerstehenden Geschäfte im November dieses Jahres zurück – und „Hope hilft“ wird eine neue Bleibe benötigen. „Wir suchen bereits“, sagt Höltkemeier. Kostenfrei und groß genug müsse das neue Zuhause sein, und so etwas in Minden zu finden, sei nicht leicht. „Aber wir haben so viele Helfer und Freunde, die unbedingt weitermachen wollen. Irgendeine Lösung finden wir bestimmt, denn wir sind einfach eine coole Truppe!“, versprüht der Vorsitzende Optimismus.