Anwohner wollen kein Containerdorf

Anwohner wollen kein Containerdorf

Minderheider wollen Bürgermeister „konstruktiv zuarbeiten“

Die Stadt Minden will in Minderheide ein Containerdorf für bis zu 150 neu zugewiesene Flüchtlinge errichten. Nicht überall stoßen die Pläne auf Zustimmung. Anwohner befürchten in der Containeranlage einen Konfliktherd. Sie bemängeln Kosten und Konzept der Containerlösung und wollen der Stadt Alternativen aufzeigen. Die Verwaltung hält weiter fest an ihren Plänen.

„Die Unterbringung von 150 Flüchtlingen in Mietwohnungen statt in Containern ist für alle Beteiligten besser, speziell für die Steuerzahler und die Flüchtlinge selbst“, sagt Boris Schlüter. Der Minderheider spricht nach eigenen Angaben für 14 Anlieger der geplanten Containeranlage an der Großen Heide. Die Anwohner seien ungehalten und würden an der „vermeintlichen Alternativlosigkeit des Containerdorfs zweifeln“, erklärt der Mindener Unternehmer. Mit bis zu 150 neu zugewiesenen Asylbewerbern rechnet die Verwaltung im Laufe des Jahres. Am 26. Januar hatte der Mindener Stadtrat mehrheitlich für die Containerlösung gestimmt. Es gebe nicht genügend verfügbare Wohnungen auf dem Markt, um die Flüchtlinge dezentral unterzubringen. Aufbau und Betrieb sollten voraussichtlich 5,5 Millionen Euro in den nächsten drei Jahren kosten. 2020 würden die Container wieder abgebaut und verschwinden. Boris Schlüter sagt, die Stadt mache es sich hier zu einfach und bemühe sich zu wenig. Kosten und Nutzen der Containeranlage stünden in keinem Verhältnis. Im Mindener Stadtgebiet gebe es genügend Wohnraum für Flüchtlinge. Um das zu untermauern, ist Schlüter selber aktiv geworden und hat bei der Düsseldorfer Wohnungsgesellschaft LEG angefragt. Neun geeignete Wohnungen hat er inzwischen von der LEG vorgelegt bekommen. Sie stünden sofort für Flüchtlinge bereit, sagt Schlüter. Die Wohnungen liegen verteilt in der Stadt, kosten kalt nicht mehr als 500 Euro und sind zwischen 40 und 80 Quadratmetern groß. Wie der Unternehmer sagt, finden 48 Flüchtlinge in den Wohnungen Platz. Kämen wirklich 150 Flüchtlinge bis November, sei es kein Problem, bis dahin genügend weitere Wohnungen zu finden, berichtet Schlüter von Gesprächen mit der LEG. Seinen Rechnungen zufolge kostet es die Stadt in den nächsten drei Jahren etwa 660.000 Euro, würde sie sich für die Wohnungslösung entscheiden. „Kein Vergleich zu 5,5 Millionen Euro.“ Die Anlage berge zudem die Gefahren einer Ghettoisierung. Einen „selbstverschuldeten Konfliktherd“ könnte sich die Stadt an der Großen Heide schaffen. „Wir glauben, dass vernünftige Integration nur gelingen kann, wenn Asylbewerber in Wohnungen leben und nicht geballt an einem Ort, wo sie nur unter sich sind und nicht in Kontakt mit Einheimischen kommen. Ich will mit der Verwaltung sprechen und ihr unsere Vorschläge unterbreiten.“

Auch an der Brücke über der B61 – zwischen Birne und Weserauentunnel – hatten die Anwohner Ende Februar ein Banner angebracht.

Auch an der Brücke über der B61 – zwischen Birne und Weserauentunnel – hatten die Anwohner Ende Februar ein Banner angebracht.

Stadt Minden weist Vorwürfe zurück

Die Stadt Minden kenne die Vorschläge von Boris Schlüter noch nicht, sagt Pressesprecherin Susann Lewerenz. Die Kostenaufstellung des Mindener Unternehmers liege ebenfalls nicht vor. Die Verwaltung zeigt sich aber gesprächsbereit. „Es soll in der nächsten Zeit einen Termin im Rathaus mit Herrn Schlüter geben“, bestätigt Lewerenz. Auch die Stadt wolle Flüchtlinge lieber in Wohnungen unterbringen. Bisher sei das gut gelungen. Mangelnden Einsatz bei der Wohnungssuche lässt sich die Verwaltung nicht vorwerfen. „Das weisen wir entschieden zurück“, sagt Bürgermeister Michael Jäcke. 320 Wohnungen für etwa 1.400 Flüchtlinge wurden seit Herbst 2015 gefunden. „Das dürfte beispielhaft in der Region sein“, erklärt der Verwaltungschef. Die Wohnungsaufrufe in den vergangenen Monaten hätten aber nicht mehr den gewünschten Erfolg gebracht. „Wir stehen selbstverständlich weiterhin in Kontakt mit allen großen Wohnungsanbietern. Aber von den Gesellschaften gab es zuletzt nur noch wenige Angebote“, erzählt Jäcke. 120 Plätze in Wohnungen kalkuliere die Stadt bereits ein – auch diese Wohnungen müssten zum größten Teil noch angemietet werden. Um das Containerdorf überflüssig machen zu können, benötige die Stadt weitere Angebote für 45 bis 50 Wohnungen. Damit sei aktuell aber nicht zu rechnen, sagt der Bürgermeister. Aufträge für die Containeranlage seien war noch nicht verteilt worden. Gleichwohl aber „hält die Stadt an ihren Plänen fest.“

Wohnungsgesellschaft bestätigt Gespräche

Mischa Lenz, Pressesprecher von LEG Immobilien, bestätigt indes den Kontakt zu Boris Schlüter. Mitte Februar habe dieser nach Wohnungen bei der LEG gefragt. Weitere Auskünfte will das Unternehmen derzeit nicht geben. „Inzwischen befinden wir uns in Gesprächen mit der Stadt Minden bezüglich der Vermietung von Wohnungen an Flüchtlinge“, erklärt Lenz. In Minden verfügt die LEG über 667 Wohnungen. In sechs Wohnungen wohnen bereits Flüchtlinge. Die LEG unterstütze viele verschiedene Kommunen in NRW bei der Unterbringung von Flüchtlingen. „Insgesamt hat die LEG bislang über 190 Wohnungen an Flüchtlinge vermittelt“, sagt Lenz.

 „Wir befinden uns in Gesprächen mit der Stadt Minden, was die Vermietung von Wohnungen an Flüchtlinge angeht“, sagt LEG-Pressesprecher Mischa Lenz.

„Wir befinden uns in Gesprächen mit der Stadt Minden, was die Vermietung von Wohnungen an Flüchtlinge angeht“, sagt LEG-Pressesprecher Mischa Lenz.

„Niemand von uns hat etwas gegen Flüchtlinge“

Ihren ersten Unmut über das geplante Containerdorf äußerten die Anwohner anonym – mit zwei Transparenten an der Großen Heide und an der B61. „Integration ohne Ghetto“ war auf den Bannern zu lesen. Die Proteste bezeichnet Schlüter rückblickend als „unglücklich“. Er ist das Gesicht der Gruppe, hat als einziger den Schritt in die Öffentlichkeit gewagt. Seine Mitstreiter wollen weiter anonym bleiben. Laut Schlüter fürchten viele, in die rechte Ecke gestellt zu werden, wenn sie sich gegen die Containeranlage aussprechen. „Niemand von uns hat etwas gegen Flüchtlinge“, versichert Schlüter. „Wir wollen Michael Jäcke konstruktive und belastbare Alternativen zum Containerdorf aufzeigen. Er ist unser Bürgermeister und verdient unseren vollsten Respekt.“

Die Stadt Minden halte an ihren Plänen fürs Containerdorf weiter fest, sagt Bürgermeister Michael Jäcke.

Die Stadt Minden halte an ihren Plänen fürs Containerdorf weiter fest, sagt Bürgermeister Michael Jäcke.