Minden ist bunt

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Graffiti verursachen enorme Kosten für Stadt und Eigentümer

Ob an Unterführungen, Brücken, Wänden, Stromkästen oder Toiletten – Graffiti zeigen sich überall im Mindener Stadtbild. Besonders gerne verewigen sich die Sprayer mit sogenannten „Tags“ – gekürzten Unterschriften – auf fremdem Hab und Gut. Stadt, Steuerzahler und Eigentümer bezahlen jedes Jahr hohe Kosten, um die Farbschmierereien zu entfernen.

Die Mauer der Domschule ist mit Schmierereien übersät.

Die Mauer der Domschule ist mit Schmierereien übersät.

Mal sind es Hakenkreuze, mal sind es Hammer und Sichel. Seit einigen Wochen besprühen unbekannte Täter öffentliche Mindener Gebäude mit politischen Parolen – so auch geschehen am 19. Januar. Am Vortag hatte die AfD Minden-Lübbecke zu einem Vortrag ins Kleine Theater am Weingarten eingeladen. Im Anschluss an die Veranstaltung prangte „Rassismus bleibt nicht ungestraft – AfD aus der Stadt jagen!!! Antifa Crew“ an der Fassade. Wie die Mindener Pressesprecherin Susann Lewerenz mitteilt, habe die Stadt 1.142, 40 Euro für die Entfernung des Graffito bezahlt. Politische Graffiti würden sofort von heimischen Unternehmen beseitigt, erklärt Lewerenz. Unverfänglichere Tags werden häufig erst nach einigen Wochen entfernt. Wie viel die Stadt insgesamt jährlich für die Beseitigung von Graffiti ausgibt, kann Susann Lewerenz nicht genau sagen. „Die Stadt Minden unterscheidet nicht zwischen Graffiti und anderen Vandalismusschäden. Vandalismus wird in seiner Gesamtheit erfasst. Die Kosten hierfür beliefen sich 2016 auf 60.325 Euro. 2015 waren es 45.300 Euro.“ Besonders ärgerlich: Erst im vergangenen Frühjahr hatten die Städtischen Betriebe alle Brücken, Stadteingänge und das Weserglacis für 30.000 Euro von Farbschmierereien befreit. Im August allerdings waren die Weserbrücke und ein Brückenpfeiler in der Unterführung zur Schlagde bereits wieder bemalt. Um insgesamt 85 Sachbeschädigungen an öffentlichen Flächen musste sich die städtische Gebäudewirtschaft voriges Jahr kümmern. Der Ordnungsbehörde zufolge sind gerade die Innenstadt, der Zentrale Omnibusbahnhof und Schulgebäude beliebte Angriffsziele illegaler Sprüher. Um Schmierereien vorzubeugen, wird die Innenstadt inzwischen von Sicherheitskräften patrouilliert. An Schadensschwerpunkten arbeitet die Stadt zudem mit Videoüberwachung. Sobald neue Schmierereien auftauchen, werden die betroffenen Hauseigentümer benachrichtigt. „Wir empfehlen, die Graffiti so schnell wie möglich entfernen zu lassen, weil die Erfahrung zeigt, dass neue Werke auch neue Sprayer anziehen“, erklärt Susann Lewerenz.

„Die Kosten durch Vandalismusschäden betrugen für die Stadt im vergangenen Jahr 60.325 Euro“, sagt Susann Lewerenz, Pressesprecherin der Stadt Minden.

„Die Kosten durch Vandalismusschäden betrugen für die Stadt im vergangenen Jahr 60.325 Euro“, sagt Susann Lewerenz, Pressesprecherin der Stadt Minden.

Beliebtes Ziel der Sprayer: Das Parkhaus in der Hellingstraße.

Beliebtes Ziel der Sprayer: Das Parkhaus in der Hellingstraße.

Eigentümer bleiben meist auf Kosten sitzen

Eigentümer bleiben „Graffiti sind ein wirkliches Übel für Hauseigentümer“, sagt Thorsten Post, Geschäftsführer von Haus und Grund Minden. 3.500 Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer gehören dem Verein an. Immer mehr Mitglieder klagen über Schmierereien an ihren Wänden, wie Post berichtet. Das sieht nicht nur unschön aus, sondern ist auch teuer. Geschädigte Eigentümer bleiben im Regelfall auf den Reinigungskosten sitzen und „müssen dafür pro Quadratmeter Fassade mit 500 bis 1.000 Euro Kosten rechnen“, erklärt Post. Es sei denn, der Sprüher wird auf frischer Tat ertappt und kann zur Rechenschaft und Kasse gebeten werden. Das passiere aber fast nie, denn die Täter würden meist den Schutz der Nacht suchen. Wie die Stadt rät auch Thorsten Post geschädigten Eigentümern, die Graffiti „umgehend innerhalb von 48 Stunden entfernen zu lassen. Sonst kommen die Nächsten und übermalen den alten Schriftzug mit ihren Initialen, um den anderen Sprüher zu übertrumpfen.“

„Antifa Crew 32“ ist inzwischen auch an der Mauer des Gemeindehauses Marienstift zu lesen.

„Antifa Crew 32“ ist inzwischen auch an der Mauer des Gemeindehauses Marienstift zu lesen.

Kein Kavaliersdelikt

Graffiti bezeichnen „Malereien im öffentlichen Raum, mit Spraydosen auf Wandflächen, an Bussen und Bahnen, an denen der Sprayer keine Rechte hat.“ Ein Graffito besteht zumeist aus dem Namen oder dem Namenskürzel (Tag), einem Logo sowie Begriffen, mit denen der Sprayer seine Botschaft vermitteln will. Werden die Täter erwischt, kann es sehr teuer für sie werden. Die Sprayer machen sich nicht nur strafbar, sondern verursachen schnell einen Schaden von mehreren Tausend Euro. Wird ein 16-Jähriger beim illegalen Sprayen erwischt, kann er bis zu seinem 46. Lebensjahr dafür zur Kasse gebeten werden. Denn die zivilrechtlichen Ansprüche des Geschädigten gegenüber dem Täter gelten 30 Jahre lang.

Thorsten Post, Geschäftsführer von Haus und Grund Minden-Lübbecke, rät Eigentümern Schmierereien so schnell es geht zu entfernen.

Thorsten Post, Geschäftsführer von Haus und Grund Minden-Lübbecke, rät Eigentümern Schmierereien so schnell es geht zu entfernen.