Kontrasteffekte

Kontrasteffekte

Lihra meint…

Sind Sie mit der Stadt Minden zufrieden? Oder sind Sie der Meinung, da müsste doch noch mehr gehen? Warum geht, bei aller Mühe, es nicht wirklich vorwärts? Was ist am Markt los? Ein Leerstand nach dem anderen in der dortigen Gastronomie. Sind die schönen Pläne für die Innenstadt nur Makulatur? Ich stelle jetzt noch eine Frage: Haben Sie schon einmal etwas von Kontrasteffekten gehört? Nein? Genau darin kann das Problem mit Minden liegen.

In seinem Buch „Einfluss“ beschreibt Robert Cialdini die Geschichte von zwei Brüdern, Sid und Harry, die im Amerika der 1930er-Jahre ein Kleidergeschäft betreiben. Sid war für den Verkauf zuständig, Harry leitete das Schneideratelier. Immer wenn Sid bemerkte, dass dem Kunden, der vor dem Spiegel stand, der Anzug wirklich gefiel, stellte er sich ein bisschen schwerhörig. Wenn der Kunde nach dem Preis fragte, rief Sid seinem Bruder entgegen: „Harry, wieviel für diesen Anzug?“ Harry sah von seinem Schneidertisch auf und rief zurück: „Für diesen schönen Baumwollanzug 42 Dollar“, ein damals komplett überhöhter Preis. Sid tat so, als hätte er nichts verstanden: „Wie viel?“ Und Harry wiederholte den Preis: „42 Dollar!“ Jetzt drehte Sid sich zu seinem Kunden um: „Er sagt 22 Dollar!“ An diesem Punkt legte der Kunde schleunigst 22 Dollar auf den Tisch und eilte mit dem teuren Stück aus dem Laden, bevor der arme Sid den „Fehler“ bemerken würde.
Liebe MiKu-Leser, wir beurteilen etwas schöner, teurer, größer und so weiter, wenn wir zugleich etwas Hässliches, Billiges, Kleines vor uns haben. Wir haben Mühe mit absoluten Beurteilungen. Der Kontrasteffekt ist ein häufiger Denkfehler. Wie ist das, können wir diese Kontrasteffekte nun für Minden übernehmen oder nicht? Wir holen uns ganz viele neue Geschäfte und auch neue Gastronomie nach Minden. Damit stechen wir alle umliegenden Gemeinden, wie Porta, Stadthagen, Rinteln, Herford, etc.aus. Dann kommen die Kunden.
Die Sparkasse Minden-Lübbecke ist im Moment auf dem gegenteiligen Trip. Sie reduziert ihre Filialen nach dem Motto: weniger ist mehr! Sieht den großen Vorteil in der Kostenersparnis. Die Menschen gehen nicht mehr in die Filialen sondern nutzen das Onlinebanking. Ja, da ist etwas dran. Aber was ist mit den älteren Kunden, die nicht mit einem Computer aufgewachsen sind. Die brauchen den persönlichen Kontakt. Aber das ist ja kaum noch möglich. Wie soll eine Kundin aus dem nördlichen Kreisgebiet, ohne Auto, die fünf Kilometer zur nächsten mit Menschen bestückten Filiale laufen? Nicht alles ist so einfach zu erklären. Wirtschaftlichkeit muss gegeben sein. Aber Menschlichkeit auch!

Wie geht es nun weiter in Minden? Sollen wir den Slogan des neuen amerikanischen Präsidenten Trump, Amerika first!, für Minden umwandeln? Minden first? Kann dieses Denken am Ende zum Erfolg führen? Die entscheidende Frage bleibt doch, was einer Stadt wirklich nützt. Die einfachen Antworten sind nicht immer die besten Antworten, auch wenn sie zunächst verfangen. Minden benötigt eine gesunde Entwicklung. Daran müssen wir arbeiten – und daran wird gearbeitet. Manchmal müssen wir uns nur gegenseitig die Augen öffnen. Ja, wir brauchten die Sanierung der Innenstadt mit neuem Pflaster, neuem Marktplatz, etc. Dabei gab es Verluste, siehe gastronomische Leerstände auf dem Markt. Aber dieses wird nicht so bleiben. Kontrasteffekte müssen her. Nehmen wir das Wesertor. H & M allein reicht nicht. Dann der Scharn. Kontrasteffekte durch das neue Geschäftshaus? Nein, die wird es so nicht geben. Aber wird die Kepa-Immobilie incl. der Martini-Treppe zu neuem Leben erweckt, dann erhalten wir Kontrasteffekte. Dann hat Minden den Nutzen. Dann haben wir alle den Nutzen. Andere Städte und Gemeinden sehen dann im Vergleich zu Minden „alt“ aus. Dann kommt Minden zuerst, an die erste Stelle in dieser Region.