Perspektiven

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Perspektiven

Zunächst einmal muss ich zugeben, dass ich ein leicht zu begeisternden Mensch bin. Mich begeistert meine Tätigkeit als Kolumnist, weil er mir ermöglicht, trotz vieler Widrigkeiten immer noch kreativ zu sein. Dass ich mit den Kolumnen die Projekte unserer Stadt Minden nicht nur beleuchten kann, sondern den Bürgern zeigen darf, wie schön ihre Stadt eigentlich ist.
Setzen wir als Bürger doch einmal die Gästebrille auf. Das ist, wie jeder Perspektivwechsel ein Gewinn. Entdecken wir so die Heimat neu, werden wir feststellen, wie schön Minden ist und was für ein Glück es ist, hier zu leben. Bei all den Problemen, denen man sich natürlich stellen muss: Wir leben auf einer Insel der Glückseligkeit in unruhigen Zeiten. Menschen glücklich zu machen, und sei es nur für einen Augenblick, ja, das begeistert mich schon. Den Blick auf Wege zu lenken, die vielleicht ein wenig abseits liegen, das lohnt sich wirklich. Am Ende des Tages ist jeder Mensch Baumeister seiner eigenen Lebensqualität. Schon Leo Tolstoi sagte: „Denke immer daran, dass es nur eine Zeit gibt: Heute. Hier. Jetzt.“ Nur, tun wir das immer?
Was berichtete die Tageszeitung? Die Obermarkt scheint gescheitert zu sein. Kaufland verlässt Minden. Darum sprang der mögliche Investor ab. Ja, liebe Leserinnen und Leser. Das ist die Wahrheit. Ist nüchtern betrachtet richtig. Kein falsches Wort dabei. Nur, wenn man Insiderinformationen hat, weiß man auch, dass Kaufland sich schon lange im letzten Jahr mit dem Abschied aus Minden beschäftigt hat. Nicht Neues also. Es sei denn, man besitzt diese Infos nicht. Natürlich hat der mögliche Investor Kaufland als Ankermieter halten wollen. Das gibt ja auch Sicherheit. Nur, was nicht in der Zeitung stand, war, dass Kaufland die ganze Entwicklungdes Obermarktes eigentlich behindert hat. Dass man ohne Kaufland viel effizienter planen kann. Und dass seit langem zwei Lebensmittelhändler größtes Interesse zeigen, den Laden zu übernehmen. Auch in Kombination miteinander.
Sehen wir doch die guten Seiten der Angelegenheit. Denn eröffnen sich ganz andere, bessere Möglichkeiten. Nämlich die Passage neben einem Fachmarktzentrum zu einem Infotainment-Zentrum auszubauen. Daran wird mit Hochdruck gearbeitet. Von dem Investor, der schon lange mit am Tisch bei den Verhandlungen saß, und jetzt Handlungsspielraum hat. Von einer Spezialfirma für Stadtteilenwicklungen, die schon eingebunden ist. Lassen wir uns doch nicht alles so schwarz malen. Es geschieht etwas am Obermarkt. Denken sie daran: Es gibt nur eine Zeit: Heute. Hier. Jetzt. Und jetzt gerade tut sich viel zu Gunsten unseres schönen Mindens.
Und wissen Sie was? Das ist nicht alles. Ich sehe vor meinem geistigen Auge, dass in den nächsten Jahren ein tolles Projekt im alten Regierungsgebäude entsteht. Das ist noch Zukunftsmusik. Aber gerade große Dinge müssen gut und langfristig geplant werden. Darum ist die Reaktivierung des Obermarkes auch nicht in kürzester Zeit zu schaffen. Es soll doch ein Leuchturmprojek werden, dass in die ganze Region ausstrahlt. Lassen wir uns davon begeistern, auch dann, wenn nicht alles glatt verläuft. Und lassen wir uns nicht verunsichern. Nicht von Zeitungsberichten, nicht von Pressekonferenzen. Manchmal ist es einfach gut, die Perspektive zu wechseln. Versuchen Sie doch einmal den Mindener Dom aus drei Meter Entfernung zu fotografieren. Sie bekommen ihn von dort nicht auf das Foto. Was ist zu tun? Treten Sie ein paar Schritte zurück, wechseln Sie die Perspektive. Dann gelingt das Foto. Und genauso verhält es sich mit der Obermarkt. Treten wir ein paar Schritte zurück. Das ist kein Rückschritt, wie man uns vielleicht weißmann will. Es ist ein Perspektivwechsel, der uns nach vorne bringt.