Mit Goethe und Schiller in den Job

Mit Goethe und Schiller in den Job

Theaterprojekt soll Migranten den Weg ins Berufsleben ebnen

Ein junger Mann fläzt sich längs aufs Klavier. Frauen und Männer kreischen und laufen wild durcheinander, schlagen mit flachen Händen auf den elfenbeinweißen Flügel. Der Mann am Klavier aber lässt sich nicht beirren. Sargis Arakelyan spielt weiter sein Lied. Der Armenier ist Teilnehmer eines ganz speziellen Theaterprojekts.

„Angekommen!? Willkommen im Land der Dichter und Denker“ heißt das Stück, das Sargis und 16 weitere arbeitslose Migranten und Flüchtlinge aus Minden-Lübbecke seit August vergangenen Jahres einstudieren. Die Projektfabrik Witten will den Teilnehmern „so spielerisch die Einstiege in die deutsche Sprache und den deutschen Arbeitsmarkt ermöglichen“, sagt Bereichsleiter Mark Kewitsch. Finanziell unterstützt wird das Projekt „Jobact Sprachkultur“ vom Jobcenter Minden-Lübbecke. Weitere Kooperationspartner sind das Arbeitslebenzentrum (ALZ) des Kreises Minden-Lübbecke und das Kinder- und Jugendkreativzentrum Anne Frank. Insgesamt läuft das Projekt über neun Monate. Die 17 Teilnehmer kommen vor allem aus Syrien und Irak, aber auch aus Portugal, Russland, Thailand und Armenien. In der ersten Phase erarbeiten die Teilnehmer ein Bühnenstück von der Idee bis zur Premiere – gemeinsam mit Theaterpädagogin Katia Moreira und Theaterregisseur Mathes Dues. Inhaltlich geht es dabei um Liebe, Hoffnung, Heimat und Familie. Das literarische Kulturerbe Deutschlands soll auf die moderne Willkommenskultur treffen. „Das Stück ist eine Mischung aus Zitaten berühmter deutscher Dichter wie Goethe und Schiller und den eigenen Gedanken und Erfahrungen der Teilnehmer“, erklärt Katia Moreira. Weitere Hilfe kommt von Sprachtrainerin Christa Raatz. Die öffentliche Theaterpremiere bildet gleichzeitig Abschluss und Höhepunkt der ersten Projektphase.

Ein Theaterstück als Bewerbung

In der zweiten, viermonatigen Projektphase bekommen die Teilnehmer einen Intensivkurs Deutsch und ein Bewerbungstraining. Läuft alles wie geplant, absolvieren die Schauspieltalente anschließend ein Betriebspraktikum. „Durch das Theaterspielen lernen die Teilnehmer auf spielerischem Weg die deutsche Sprache. Außerdem stärken sie Eigenschaften wie Respekt, Verlässlichkeit, Konfliktbewältigung und steigern ihre Leistungsbereitschaft“, erklärt Mark Kewitsch. So ein Theaterstück sei für potenzielle Arbeitgeber oft aussagekräftiger als ein herkömmliches Bewerbungsgespräch. Das zeige auch die Vermittlungsquote. In den vergangenen Jahren seien viele Teilnehmer im Anschluss an die Theateraufführungen zu sozialversicherungspflichtigen Jobs gekommen. „Ich hoffe, dass sich einige potenzielle Arbeitgeber aus Minden und Umgebung unser Stück im Anne Frank anschauen werden“, sagt Lewitsch.

Aufführungen im Anne Frank am 8. und 9. Februar

Die Premiere von „Angekommen!? Willkommen im Land der Dichter und Denker“ läuft am Mittwoch, 8. Februar und am Donnerstag, 9. Februar, jeweils um 19 Uhr im Kinder- und Jugendzentrum Anne Frank in der Salierstraße 40. Die kostenlosen Eintrittskarten können unter www.projektfabrik.org, per e-Mail an karten@projektfabrik.org (unter Angabe der Stadt und des Datums) oder telefonisch unter 02302-914550 reservieren.