Holzhauser Mark wird zum NABU-Projekt

Holzhauser Mark wird zum NABU-Projekt

Eine Sandgrube für Amphibien

Was früher eine Sandgrube und zwischenzeitlich sogar ein Festivalplatz für etwa 100.000 Besucher war, wird in Zukunft ein großes Biotop vor ortsansässige Amphibien und Reptilien. Seit Dezember vergangenen Jahres hat der NABU mit den Aufräumarbeiten in der ehemaligen Sandgrube Rüter in der Holzhauser Mark begonnen.

Bis in die 1970er-Jahre wurde in der Grube der Holzhauser Mark Sand der Firma Rüter abgebaut. Ende der 70er diente das Areal zwei Jahre hintereinander dem Umsonst & Draussen Kultur Verein, der dort seine legendären Festivals feierte. Bereits im zweiten Jahr besuchten rund 100.000 die Veranstaltung: ein kleines Woodstock in Porta Westfalica. Das Umland wurde zum Katastrophengebiet erklärt. Vom Platz aus sendete der Schwarzsender RADIO FREE PORTA WESTVLOTHICA. Etwa zehn Jahre später wurde das Gebiet im Jahr 1992 unter Naturschutz gestellt. Es wurden zwar Entwicklungsziele formuliert, eine Aufwertung erfolgte jedoch kaum. Das rund 20 Hektar große Gebiet wurde sich selbst überlassen, Bäume und Büsche wuchsen, die ehemalige Sandgrube war kaum noch zu erkennen. Sie war zu einem Waldgebiet geworden. Kein optimaler Lebensraum für Amphibien. Doch der NABU sieht das anders: „Durch die ehemaligen Sandabgrabungen ist der Boden relativ nährstoffarm, eine gute Voraussetzung für offene Biotope“, erklärt Christian Höppner, Projektmitarbeiter der NABU-Niedersachsen. Denn durch den fehlenden Dünger, wie er auf anderen Flächen oft zu finden ist, verbusche die Fläche nicht so schnell. Ein trockenes Biotop sei wichtig für Amphibien und Reptilien, da diese temporäre Gewässer ermöglichen.

Im Dezember 2016 begann der NABU mit den Aufräumarbeiten in der alten Sandgrube.

Im Dezember 2016 begann der NABU mit den Aufräumarbeiten in der alten Sandgrube.

Zahlreiche Gewässer geplant

„Temporäre Gewässer sind kleine Tümpel, die zwischenzeitlich wieder austrocknen. Diese nutzen Molche und zum Beispiel Kröten zum Laichen, da hier weniger Fressfeinde für den Nachwuchs zu finden sind“, führt Höppner weiter aus. Und von diesen Gewässern soll es zukünftig viele geben. Doch um ein solches Biotop zu gewährleisten, muss der NABU erst einmal zu Werke schreiten. Seit Mitte Dezember wurden etwa sechs Hektar Holz entfernt. Diese werden zum Teil gehäckselt und später weiter verwertet. Mit dem bloßen Auge ein richtiger Kahlschlag, der aber einen Sinn ergibt, wie Höppner erklärt: „Die großen Pappeln mussten zur Verkehrssicherung weichen, andere für die geplanten Gewässer und den trockenen Lebensraum von beispielsweise Reptilien. Dafür eignen sich besonders die Südhänge der Grube. Wir haben aber einiges an Totholz stehen lassen, da es für Spechte und andere Tiere sehr wertvoll ist. Auch Edellaubhölzer bleiben erhalten. Das Ganze ist ein groß angelegtes Artenschutzprojekt, bei dem sich vielleicht auch wieder die seltene Sandstrohblume ansiedeln wird, die es hier früher schon einmal gab.“ Wie Höppner berichtet leben in der Umgebung bereits der Berg- und Teichmolch, der Feuersalamander als Lurch des Jahres 2017, Gras- und Grünfrösche und die Erdkröte. Unter den Reptilien sind die Zaun- und Waldeidechse zu finden als auch die Blindschleiche. Das alles seien zwar Allerweltsarten, die aber unter Populationsverlusten leiden. „Viellicht ist es uns sogar möglich in der nächsten Saison die seltene Gelbunke hier anzusiedeln“, liebäugelt Höppner. Dieses Projekt sei aber noch davon abhängig wie gut sich das Biotop entwickle.

NABU ist neuer Eigentümer des Gebiets

Vor etwa zwei Jahren konnte das gesamte Naturschutzgebiet vom NABU durch beantragte Fördergelder erworben werden. Es dient als wichtiger Trittstein für Amphibien im Rahmen des vom Bundesamt für Naturschutz geförderten Projektes „Stärkung und Vernetzung von Gelbbauchunken-Vorkommen in Deutschland“. Der Vorschlag zum Kauf des Gebiets kam von der unteren Landschaftsbehörde, die das Kooperationsprojekt zusammen mit der Stadt Porta und dem NABU führt. Wenn das Projekt fertiggestellt ist, soll es zukünftig im Sommer auch geplante Exkursionen für interessierte Bürger geben. „Der Ort hier wird sehr artenreich sein“, freut sich Dr. Holger Buschmann, Landesvorsitzender des NABU-Niedersachsen. „Der Südhang ist ein wunderbares Areal für ein Trockenbiotop. Hier wird es Schmetterlinge, Heuschrecken und viele andere Tiere geben.“ Auch eine Aussichtsplattform für Spaziergänger sei an der Südseite geplant, die einen wunderbaren Blick auf das Biotop mit seinen vielen kleinen Gewässern und Tierarten bieten soll.
Noch sehe es zwar etwas durcheinander aus, wenn die gefällten Bäume entsorgt und das Biotop angelegt ist, werde sich dem Beobachter aber ein wunderschöner Anblick bieten. Im Februar soll das Areal fertiggestellt sein.