Welt ohne Bargeld - geht das?

Welt ohne Bargeld – geht das?

Lihra meint…

In den letzten Wochen gibt es diese Diskussion immer häufiger: Soll Bargeld abgeschafft werden? Was sagt der Volksmund? Cash ist King – Bargeld lacht – nur Bares ist Wahres. Dass Volk liebt Bargeld. Ja, ich auch. Doch Bargeld hat auch viele Feinde: die Banken, den Staat, die Wirtschaftspolitik. Die Frage, ob Bargeld abgeschafft werden soll, wird leidenschaftlich und kontrovers diskutiert. Erst neulich hat die Sparda Bank in Minden die Diskussion wieder befeuert. Ihre These: Bargeld ist ineffizient und fürchterlich teuer. Also nehmen wir keine Münzen mehr an und geben auch keine mehr heraus.

Die Menschen in Deutschland lieben aber das Bargeld. 79 Prozent aller Transaktionen werden mit Bargeld getätigt. Gut die Hälfte aller Umsätze im Einzelhandel wird mit Bargeld abgewickelt. Teuer ist Bargeld vor allem für die Banken, die sich gern Kassen, Geldautomaten und Bargeldtransport sparen würden. Diese Kosten tragen die Banken, nicht der Kunde. Bei bargeldlosem Zahlungsverkehr ist das anders. Dann werden die Kosten auf den Handel und die Endverbraucher umgelegt.

Die größten Feinde sind jedoch in der Politik anzutreffen. Mit den großen Scheinen würden Drogen gekauft, Menschenhandel finanziert und Beamte bestochen. Und darum sollen die 500 Euro-Scheine als erstes abgeschafft werden. Ach, ja, so ist das? Und was ist mit den 200 Euro-Scheinen, den 100er oder den beliebten 50 Euro-Schein? Damit nicht? Es ist doch absurd zu glauben, dass mit dem Bargeld das Böse verschwindet.

Es geht doch in Wirklichkeit um die Total Überwachung des Bürgers. Wer Zigaretten kauft oder fettiges Essen, erhält einen Eintrag bei seiner Krankenkasse und zahlt zukünftig einen Gesundheitszuschlag. Der Preis für eine Welt ohne Bargeld ist hoch. Verbraucher müssten dafür teuer bezahlen. Was passiert mit den Datenmengen? Wie sind sie vor Missbrauch geschützt?

Zwar ist Bargeld auch nicht ganz ungefährlich. Es kann gestohlen werden. Aber das geht auch, wenn ich im Internet meinen Zahlungsverkehr abwickele. Hacker räumen immer öfter die Konten leer. Und es gibt eine andere Gefahr: unbares Zahlen verleitet dazu, Geld auszugeben, das man gar nicht hat. Das kann den Weg in die Verschuldung ebnen. Echte Scheine und Münzen geben die Sicherheit, ordentlich zu haushalten. Viele haben so ihre tatsächlichen Mittel besser im Griff.

Es gibt also Argumente für und gegen Bargeld. Aber ohne Bargeld leben ist meiner Meinung nach kaum möglich. Eine Oberkante zu schaffen, sehe ich auch nicht als gut an. Verkaufen Sie doch einmal Ihr Auto privat. Der Käufer zahlt dann alles in 50 oder 100 Euro-Scheinen? Blödsinnig. Und Bargeldlos ist es auch nicht möglich. Es sei denn, er zahlt im Voraus und das Geld ist Ihrem Konto gutgeschrieben. Wer macht das schon?

Damit nicht genug. In der Stadt Kleve am Niederrhein hat der Einzelhandel das Gegenteil gemacht. Nicht die großen Scheine begrenzen, sondern die kleinen Münzen. Seit dem 01. Februar 2016 wird dort auf- oder abgerundet. Preise werden in Kleve auf die nächsten 5 Cent gerundet. Also aus 1,91 und 1,92 werden 1,90 und aus 1,93 und 1,94 werden 1,95. Entsprechend werden aus 1,96 und 1,97 dann 1,95 und aus 1,98 und 1,99 werden 2,00 Euro. Ein Schelm, wer sich Böses dabei denkt. Was meinen Sie, wieviel Preise mit 1,91; 1,92; 1,96 und 1,97 Euro ausgezeichnet sind und wie viel mit 1,99? Fazit: Wir benötigen Bargeld, denn bargeldlos kann nicht gerundet werden! Egal was die Sparda Bank oder demnächst auch andere Kreditinstitute dazu sagen. Der Kunde wird sich schon entscheiden, ob er dort bleibt oder nicht. Und da wirbt man unter dem Slogan: Wohlfühl Bank! Schön, dass Sie da sind. Manchmal kann man wirklich nur den Kopf schütteln.