Stichlings-Gala vor ausverkauftem Haus

Stichlings-Gala vor ausverkauftem Haus

Stichlinge für Nils Heinrich, „Suchtpotenzial“ und Bernd Gieseking

Aus Bronze ist er und schwer: der Mindener Stichling. Drei Exemplare der von Katja Hausmann-Seeger geschaffenen Skulptur standen auf der Bühne im Stadttheater und warteten auf die Vergabe an die Preisträger. „Als ich 2008 die Auszeichnung bekommen habe, war ich überrascht, wie viel dieser wiegt – mindestens vier bis fünf Grimmepreise“, witzelte Moderator und Kabarettist Moritz Netenjakob zum Auftakt der Gala, die alle zwei Jahre zur Vergabe des städtischen Kabarettpreises dem Theater ein ausverkauftes Haus beschert.


Sonderpreis für Lokalmatador Bernd Gieseking

Die gewichtige Auszeichnung der Stadt Minden, die seit 1994 vergeben wird, erhielten Nils Heinrich und das Duo „Suchtpotenzial“. Der Sonderpreis zum 50. Geburtstag der „Stichlinge“ ging an den gebürtigen Kutenhauser und überzeugten Ostwestfalen Bernd Gieseking. Alle drei präsentierten Auszüge aus ihren aktuellen Programmen boten zwei Stunden hochkarätige Unterhaltung. Der gut aufgelegte Moderator Moritz Netenjakob glänzte unter anderem mit zwei Variationen des Märchens „Hänsel und Gretel“ – einmal verpackt als Sportreportage, das zweite Mal als Ansage eines Flugkapitäns.

„Welche Flüchtlinge sind gemeint?“

Nils Heinrich trat mit einer ungewöhnlichen Gitarre auf, die „gerade noch ein Klapprad war“. Nach dem ersten Song berichtet er, dass er wurde vielfach aufgefordert wurde, doch mal was zu Flüchtlingen zu machen. „Nur welche sind gemeint?“, fragt er sich. Die Tamilen und Vietnamesen, die in den 80er Jahren nach Deutschland kamen? Oder die Aussiedler aus den osteuropäischen Staaten, die Mitte der 90er Jahre von Helmut Kohl eingeladen wurden? Oder doch die, die jüngst willkommen geheißen wurden? Die Frage bleibt offen.

„Suchtpotenzial“ provoziert und begeistert

Einen bleibenden Eindruck beim Mindener Publikum hinterließ auch das Duo „Suchtpotenzial“, das den Gruppen-Preis erhielt. Julia Gámez Martin (Gesang, Berlin) und Ariane Müller (Piano, Schwaben) schlugen eine Brücke zwischen Rock ‘n Roll, Hip Hop und Kabarett, nahmen dabei auch „kein Blatt vor den Mund“. Die Disney-Lüge wird im ersten Stück auseinander genommen, dann sucht Julia Gámez Martin einen „Bauern zum Mann“. „Suchtpotenzial“ besticht mit gegenseitigen Provokationen und frechen Texten. Beide singen und sinnieren mit viel Ironie über den Alltag und das Frau-Sein. 

Gefühlvolle Ostwestfalen

Die 500 Zuhörer im Saal und auf den Rängen hatte Lokalmatador Bernd Gieseking schon zu Beginn seines Auftritts auf der Seite. Donnernder Applaus für seine Ausführungen zur Emotionsfähigkeit der hiesigen Bevölkerung: „Ja, wenn einer seine Gefühle zeigen kann, ist das der Ostwestfale!“ Kurze Pause und dann nach Stirnrunzeln im Publikum die Auflösung: „Allerdings gehen unsere Gefühle niemanden etwas an.“


Melitta und Sparkasse stiften Preisgeld

Das Preisgeld für den Solisten und die Gruppe – je 4000 Euro – stifteten erneut die beiden Sponsoren, die Unternehmensgruppe Melitta und die Sparkasse Minden-Lübbecke. Das Geld für den Sonderpreis (2000 Euro) kam vom Mindener Unternehmer Anton Dschida. Die im April 2016 bekannt gegebenen Preisträger hat eine mit Kulturexperten und Journalisten besetzte Jury ausgewählt. Diese tagt wieder im Herbst des kommenden Jahres.