Lihra meint...

Lihra meint…

Widersprüche!?

In Münster haben sich die Bürger gegen verkaufsoffene Sonntage entschieden. 250.000 Bürgerinnen und Bürger waren zur Wahl aufgerufen, aber nur rund 55.000 gingen hin und davon entschieden sich 52,79 Prozent gegen die Öffnung der Geschäfte an einem Sonntag. Das bedeutet 11,6 Prozent der Bevölkerung Münsters haben sich gegen verkaufsoffene Sonntage ausgesprochen. Bedeutet das im Umkehrschluss, dass 88,4 Prozent der in Münster lebenden Menschen gern an einem Sonntag einkaufen gehen möchten? Oder dass sie keine Meinung dazu haben? Man kann die Zahlen lesen wie man sie gern haben möchte. In jedem Fall widersprüchlich.

Nun fragen Sie mich, was das denn mit Minden zu tun hat. Was geht uns Münster an? Ganz viel. Denn was in Münster geschieht, geschieht in NRW und dann wahrscheinlich auch bald in Minden! Und das kann man ganz unterschiedlich sehen. Die Gewerkschaften und auch die Kirchen frohlocken. Sie sind natürlich für die Abschaffung der verkaufsoffenen Sonntage. Auch das kann man gegenteilig sehen. Ich selbst bin aktiver Christ und gehe am Sonntag in die Kirche. Ob nun verkaufsoffener Sonntag ist oder nicht. Davon lasse ich mich nicht abhalten. Außerdem öffnen die Geschäfte in Minden an diesen Tagen ja auch nicht am Vormittag. Genug Zeit also für den Gottesdienst. Und andere aus der Bevölkerung, die mit Kirche nichts am Hut haben, gehen auch dann nicht in die Gottesdienste, wenn die Läden dicht sind. Widersprüche!

Dann zu den Betroffenen. Die Gewerkschaften argumentieren, dass der Sonntag der Familie gehört und der Entspannung dienen soll. Okay. Da stimme ich voll zu. Aber dass alle Verkäuferinnen und Verkäufer am Sonntag nicht arbeiten möchten, ist nicht ganz richtig. An unseren Küsten gibt es die Bäderregelung. Da haben in der Saison die Geschäfte geöffnet. Nun gab es ab 2014 eine gesetzliche Änderung. Gegenüber der Vorgängerregelung hat sich die kalendarische Öffnungszeit jährlich um acht bis zehn Sonntage reduziert, die Tagesöffnungszeiten um zwei Stunden. Nicht mehr zehn Stunden, sondern acht. Ich habe dort, als diese Neuerung in Kraft trat, eine Verkäuferin gefragt, ob sie darüber froh sei. Ihre überraschende Antwort: „Nein, absolut nicht. Ich werde jetzt weniger verdienen und ich bin auf das Geld angewiesen. Ich würde gerne arbeiten.“ Andere im Einzelhandel Beschäftigte sehen das wiederum ganz anders. Und der Kunde? Die Zahlen in Minden beweisen, dass die Innenstadt an diesem Tag gut besucht ist. Meine Frau wiederum sagt: „Ich bin froh, dass am Sonntag die Geschäfte geschlossen sind. Sonst würde ich wahrscheinlich meinen Wochenendeinkauf nicht mehr tätigen, sondern auch am Sonntag meine Lebensmittel kaufen. Das finde ich persönlich fürchterlich.“ Widersprüche!

Ein weiterer Punkt: Die Geschäfte bleiben am Sonntag geschlossen, aber der Onlinehandel boomt. Die dort getätigten Umsätze gehen dem Einzelhandel in der Mindener Innenstadt verloren. Die City wird weiter geschwächt. Widersprüche! Wenn der „geschlossene Sonntag“ konsequent umgesetzt würde, gäbe es auch keine Brötchen, geschlossene Tankstellen und Gaststätten und viele Dinge mehr. Das will aber keiner. Widersprüche!

Was kann Minden jetzt tun, um aus diesem Dilemma herauszukommen? Es ist doch Aufgabe von Politik & Co. sich aktiv einzubringen, für ordentliche rechtliche Grundlagen zu sorgen, dass es zu einem Konsens kommt. Es gibt hier viele Möglichkeiten. Familientage in der Innenstadt, Veranstaltungen für Jugendliche und Kinder auch mit Beteiligung der Kirchen, Altstadtfeste, Künstler in der City und Vieles mehr. Tage, an der die Familie gemeinsam in die Innenstadt kommt um Erlebnisse zu haben, Einkäufe zu tätigen und die Vielfalt unserer schönen Stadt genießt. Wenn Minden nichts unternimmt, machen es Städte wie Rinteln mit Sicherheit. Lösen wir die Widersprüche auf und gehen in die Gemeinsamkeit über.