Hofkapellmeister vom Schloss Bückeburg Richard Sahla lebt wieder auf

Hofkapellmeister vom Schloss Bückeburg Richard Sahla lebt wieder auf

Der größte Violinist seiner Zeit

Die Ähnlichkeit ist unverkennbar: Peter Sahla war noch ein kleiner Junge, als er gemeinsam mit seiner Großmutter im Schloss Bückeburg wohnte. An seinen berühmten Großvater, den Schaumburg-Lippischen Hofkapellmeister Richard Sahla, kann er sich nicht erinnern, nur an die vielen Erzählungen seiner Großmutter Anna Ruth.

„Er ist für mich ein Phänomen und hat immer bei mir gelebt“, sagt Peter Sahla. Seine Großmutter habe ständig über ihn gesprochen, doch leider sei er damals in einem Alter gewesen, in dem er „zu wenig zugehört habe“. Der Enkel der fast vergessenen Musikgrößte Richard Sahla ist Ehrenpräsident der International Richard Sahla Society (IRISAS), die im August 2013 in Bückeburg gegründet wurde. Natürlich ist Alexander zu Schaumburg-Lippe auch Mitglied.
Richard Sahla war nicht nur Hofkapellmeister von Schloss Bückeburg sondern auch der größte Violinist seiner Zeit (1855 – 1931). Warum aber ist ein so bedeutender Mensch heute relativ unbekannt? Wie Enkel Peter Sahla erzählt, existieren von seinen Kompositionen keinerlei Tonaufzeichnungen. Großmutter Anna Ruth war Amerikanerin und weil Amerika damals moderner gewesen sei als es Deutschland war, überredete sie ihren Mann in ein Studio zu gehen. Es dauerte nicht lang, da verließ Richard Sahla wutentbrannt das Studio. „Damals musste man sich noch selbst aussteuern“, erklärt Enkel Peter Sahla. Dass habe seinem Großvater nicht gepasst. Und so kam es nie zu Tonaufnahmen, die heute an ihn erinnern könnten. Richard Sahlas Kompostionen leben trotzdem weiter. Gedruckte Notenaufzeichnungen befinden sich noch im Niedersächsischen Staatsarchiv Bückeburg und Geiger David F. Tebbe, der seine Examensarbeit über den Violinvirtuosen, Maestro und vergessenen Komponisten schrieb, nahm Kontakt zu Peter Sahla auf. Dieser machte ihm eine Vielzahl ungedruckter Kompositionen aus seinem Besitz zugänglich. Einige sind noch nie veröffentlicht worden – darunter ein vollständiges Konzert für Violine und Orchester in d-Moll. Zu Gehör gab es Sahla schon durch David F. Tebbe, der auf der Original Violine Sahlas das „Schlummerliedchen“ spielte. Richard Sahla schrieb das Schlaflied für seine erstgeborene Tochter. Die 16-jährige Nachwuchssopranistin Kieu Trang Pham sang außerdem den Titel „Liebeseligkeit“ bei der Langen Nacht der Kultur in Bückeburg im Schloss.

Enkel Peter Sahla ist seit 52 Jahren Wahl-Engländer. Er lebt heute in London und arbeitete dort lange Zeit als Journalist und TV-Moderater beim Sender BBC. Einmal, erzählt er, sei es tatsächlich vorgekommen, dass ihn ein Fernsehkollege auf seinen Namen ansprach und fragte, ob er denn mit dem berühmten Richard Sahla verwandt sei. Mit IRISAS-Vorstand Friedrich-Wilhelm Tebbe kam er erstmalig nach dem Tod seiner Mutter in Kontakt. „Ich wollte, dass jemand das Schlummerliedchen während ihres Begräbnisses spielt“, sagt Peter Sahla. Übrigens: Als Autor hat der Enkel Sahlas schon mehrere Reiseführer über London und Schottland geschrieben.

Die IRISAS veranstaltet im kommenden Jahr am 29. März im Festsaal des Schlosses Bückeburg ein Konzert mit Professor Ingolf Turban, der zuvor einen Meisterkurs in Violine geben wird. Bei diesem Konzert wird zudem Alexander zu Schaumburg-Lippe eine A-Dur von Mozart dirigieren.

Foto: Walschek/Niedersächsisches Staatsarchiv/IRISAS