Von Märtyrern, Mindener Freundschaften und Glühwürmchen

Von Märtyrern, Mindener Freundschaften und Glühwürmchen

Kool Savas am Samstag um 14 Uhr im Media Markt PW-Barkhausen

Kool Savas, King of Rap oder einfach nur Savas Yurderi. Der Pionier der deutschen Rapszene kommt auf einen Abstecher ins Weserbergland, genauer: in den Media Markt Porta Westfalica-Barkhausen. Am Samstag um 14 Uhr stellt der Berliner sein neues Album „Märtyrer“ vor und nimmt sich Zeit für eine Autogrammstunde. Der Minden Kurier hat im Vorfeld seines Besuchs mit Kool Savas gesprochen – über die Titelwahl „Märtyrer“, Albuminhalte und seine Verbindung und schönsten Erinnerungen an Minden.

Minden Kurier: Du nennst dein Album „Märtyrer“. Ein – angesichts der Konflikte im Irak und in Syrien – problematischer Albumtitel. Hast du überlegt das Album noch kurzfristig umzubenennen?

Kool Savas: Nein, auf keinen Fall. Ich habe den Albumtitel Anfang 2013 schon gewählt und es war irgendwann halt zu spät, um den Titel noch zu ändern. Der Begriff „Märtyrer“ zielt auf die Rapszene ab und ist null politisch oder religiös motiviert

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MiKu: Was bedeutet der Titel „Märtyrer“ denn genau für dich?

Savas: Der Titel spricht alle Rapper an. Um als Rapper etwas Großes zu erreichen, muss man in den Ring steigen – mit allem was man hat. Man muss sich ganz der Musik verschreiben und bereit sein das eigene Leben für Rap zu opfern.

MiKu: In welche thematische Richtung geht das Album? Wirst du auch persönliche Dinge verarbeiten, wie deinen Vegetarismus oder deine Anti-Drogen-Haltung?

Savas: Nein, auf meinem Album werden solche privaten Ansichten keine bedeutende Rolle spielen, mein Album ist ja kein Seelenstriptease. Klar esse ich kein Fleisch und bin auch gegen Drogen und einzelne Zeilen sind sicher auch persönlich geprägt – aber ich mache keine ganzen Songs, die so extrem emotionale Sachen behandeln. Musik ist immer noch Musik und muss nicht zwangsläufig irgendwelche Aussagen transportieren. Ich lege mehr Wert aufs Gesamtpaket.

MiKu: Am Samstag gibst du Autogramme im Media Markt in Porta Westfalica. Für unsere Leser besonders interessant: Welche Beziehung hast du zu der Region und speziell zu Minden?

Savas: Eine ganz innige Beziehung, ich fühle mich hier wie zu hause! Ich habe 1,5 Jahre in Paderborn gelebt und mag die Ostwestfalen sowieso sehr, die sind sehr bodenständig und nett! Und durch meine Freundschaft zu Curse, Italo Reno und Germany (Anm. d. Red.: Alle drei sind Mindener Rapkünstler) hatte ich natürlich immer einen ganz besonderen Kontakt zu Minden. Ich habe mit den Jungs hier früher gechillt, Songs aufgenommen und bei ihnen übernachtet. Curse ist außerdem jetzt in der gleichen Booking-Agentur wie ich. Wir sind gut befreundet, und er ist auch auf meinem Album als Feature-Gast vertreten.

MiKu: Hast du eine besondere Erinnerung an deine Besuche im Mühlenkreis?

Savas: Oh ja! Ich habe eine witzige Anekdote zu Minden! Der Titel meines ersten Soloalbums „Der beste Tag meines Lebens“ ist an der Porta Westfalica enstanden! Ich habe damals mit Reno, Germany und ein paar Freunden an einem Sommerabend am Kaiser-Wilhelm-Denkmal gechillt. Irgendwann sind da dann Glühwürmchen vorbeigeflogen – Glühwürmchen hatte ich vorher noch nie in meinem Leben gesehen! Dann habe ich aus Spaß zu den Jungs gemeint: „Boah, das ist der beste Tag meines Lebens“ und wir haben uns totgelacht. Und aus diesem Running Gag entstand dann mein erster Albumtitel. Das werde ich nie vergessen.